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 Betreff des Beitrags: Eine Kreuzer mit Geschichte
BeitragVerfasst: 5. Nov 2010, 23:19 
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Wirklicher Hofrat
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Ich stelle Euch heute eine Münze aus der Zeit Maria Theresias vor, die einen interessanten geschichtlichen Hintergund hat. An sich ist es ein normaler Kreuzer der Münzstätte Günzburg (G) von 1779. In diesem Jahr wurde der Bayerische Erbfolgekrieg beendet und nach den Bestimmungen des Friedens von Teschen musste Bayern das Innviertel an Österreich abtreten. Maria Theresia ließ das umlaufende bayerische Geld gegen österreichisches umtauschen und zu diesem Zweck in Günzburg 1,200.000 Kupferkreuzer im Wert von 5.500 Gulden prägen, die per Schiff ins Innviertel transportiert wurden. Die neuen Kreuzer wurden gut angenommen, obwohl in Bayeren damals (neben kupfernen Pfennigen und Zweiern) noch Silberkreuzer umliefen. Ich besitze 2 Kreuzer von 1779 G, einen sehr schönen der leider zu scharf gereinigt wurde und einen eher abgenützten, dafür mit schöner Patina.
LG
OTAKAR


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Zuletzt geändert von otakar am 6. Nov 2010, 20:44, insgesamt 1-mal geändert.
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 Betreff des Beitrags: Re: Eine Kreuzer mit Geschichte
BeitragVerfasst: 6. Nov 2010, 00:14 
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Lieber Otakar!

Danke für dieses schöne Münzlein und die dazugehörende Geschichte.
Erlaube, dass ich überflüssigerweise noch eine Referenz nachchieße: Eypeltauer 222a

Klosterschüler

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 Betreff des Beitrags: Re: Eine Kreuzer mit Geschichte
BeitragVerfasst: 6. Nov 2010, 12:48 
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Wirklicher Hofrat
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Klosterschueler hat geschrieben:
Danke für dieses schöne Münzlein und die dazugehörende Geschichte.
Erlaube, dass ich überflüssigerweise noch eine Referenz nachchieße: Eypeltauer 222a


Natürlich erlaube ich! Hätte sich auch von mir gehört, eine entsprechende Referenz anzuführen.Ich darf dazu den Herinek bemühen: Unter MTh: 1605
Schönes Wochenende!
OTAKAR

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 Betreff des Beitrags: Re: Eine Kreuzer mit Geschichte
BeitragVerfasst: 18. Jan 2026, 15:46 
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Doktor
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Servus OTAKAR,

du hast mich im vergangenen Jahr auf eine numismatische Besonderheit mit Bezug zu Oberösterreich hingewiesen. Eine Kupfermünze geprägt in Schwaben für das zum Habsburgerreich kommende Innviertel.
Das war für mich Neuland, und bei meiner Recherche bin ich auf diesen von dir im Jahr 2010 gestarteten thread gekommen. Klosterschüler hat auf deinen Beitrag mit einer Referenznummer geantwortet und ich möchte weiter fortsetzen.

Günzburg war der Hauptort der Markgrafschaft Burgau, die vom 14. Jahrhunder bis 1805 zu Vorderösterreich und somit zum Habsburgerreich zählte. Mitte des 18. Jahrhunderts ließ Maria Theresia hier eine Münzprägeanstalt errichten.

Nach der Eingliederung des Innviertels 1779 von Bayern zu Österreich wollten die Habsburger:
1. die lokale Wirtschaft schnell mit Kleingeld versorgen
2. eine stabile Währung einführen
3. die Bevölkerung an die österreichische Münzordung gewöhnen, mit einer Münze auf der die neue Herrscherin abgebildet ist

Gründe für Günzburg als Prägestätte waren:
1. die geographische Nähe und vor allem die Transportlogistik des 18. Jahrhunderts. Anstatt große Mengen von Münzen aus Wien oder Graz zu verschicken, ließ man Münzen gezielt für das Innviertel prägen und nützte den Wasserweg über die Donau.
2.Günzburg war eine etablierte Münzstätte, die Erfahrung mit der Prägung von Kupfergeld hatte

Dieser besondere Porträtkupferkreuzer Maria Theresias 1779 G findet sich bei Tassilo Eypeltauer unter der Referenznummer 222a, Ludwig Herinek führt ihn unter der Referenznunmmer Herinek 1605.
Im Buch NUMISMATA OBDERENNSIA I. findet man bei Fritz Hippmann sogar 11 Varianten dieser Münze, die unter Hippmann 300A/a bis 300K/k zu finden sind.

Obwohl 1,2 Millionen dieser Kreuzer ausgegeben wurden findet man kaum ein Stück in guter Erhaltung. Die Münzen wurden von der Bevölkerung problemlos angenommen, wurden damals nicht gesammelt sondern ausgegeben und zeigen durch den Umlauf erhebliche Abnützungsspuren.

Beste Grüße
adam


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 Betreff des Beitrags: Re: Eine Kreuzer mit Geschichte
BeitragVerfasst: 19. Jan 2026, 07:34 
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Die Bestimmung dieser numismatischen Besonderheit kann durchaus Probleme bereiten. Unter der Regierungszeit von Maria Theresia stand der Buchstabe G zeitweise auch für die Münzstätte Graz.
Sehr ähnliche Kupferporträtkeruzer wurden in den Jahren 1761-1763 in Graz geprägt. Bei Herinek findet man diese Kreuzer unter der Referenznummer Her. 1591,1592,1593 und 1594.

Liebe Grüße
adam


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 Betreff des Beitrags: Re: Eine Kreuzer mit Geschichte
BeitragVerfasst: 19. Jan 2026, 08:03 
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Doktor
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Was ebenfalls die Gefahr einer Verwechslung in sich birgt ist die Tatsache, dass es auch noch einen anderen Kupferkreuzer 1779 G gibt.
Dieser Kreuzer hat einen deutlich kleineren Durchmesser und zeigt nicht das Porträt von Maria Theresia, wie es für die Prägung fürs Innviertel typisch ist.

Auf dem Avers zeigt sich das gekrönte Habsburgerwappen und die Legende
M.THERES.D.G.R.I.H.B.R.A.M.BURG ....somit Titel Markgräfin von Burgau

Dieser Kreuzer wird bei Herinek unter Her. 1604 geführt


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 Betreff des Beitrags: Re: Eine Kreuzer mit Geschichte
BeitragVerfasst: 20. Jan 2026, 17:00 
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Doktor
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Viele dieser 1,2 Millionen "Innviertler Kreuzer" haben einen langen Weg hinter sich und sind sicherlich durch viele Hände gegangen. Da Kupfer doch deutlich weicher ist als Silber, ist deren Oberfläche häufig nahezu glatt.
Einen weitgereisten Vertreter davon habe ich in Tirol entdeckt.
Im Werk von Moser-Tursky kann man auch über die Zusammenarbeit der Münzstätten Hall und Günzburg nachlesen. 2,2 Millionen Kupferkreuzer für Vorderösterreich mit dem Buchstaben G wurden 1772 und 1773 (Her.1601, 1602) in Hall geprägt. Dies trifft allerdings nicht für den Porträtkreuzer 1779 G (Her. 1605) zu. Der ist nicht zu seinem Prägeort zurückgekehrt, sondern von Günzburg über die Donau ins Innviertel und über unbekannte Wege nach Tirol.

Beste Grüße
adam


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 Betreff des Beitrags: Re: Eine Kreuzer mit Geschichte
BeitragVerfasst: 22. Jan 2026, 17:55 
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Professor
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adam hat geschrieben:
Die Bestimmung dieser numismatischen Besonderheit kann durchaus Probleme bereiten. Unter der Regierungszeit von Maria Theresia stand der Buchstabe G zeitweise auch für die Münzstätte Graz.
Sehr ähnliche Kupferporträtkeruzer wurden in den Jahren 1761-1763 in Graz geprägt.


adam hat geschrieben:
Was ebenfalls die Gefahr einer Verwechslung in sich birgt ist die Tatsache, dass es auch noch einen anderen Kupferkreuzer 1779 G gibt.
Dieser Kreuzer hat einen deutlich kleineren Durchmesser und zeigt nicht das Porträt von Maria Theresia, wie es für die Prägung fürs Innviertel typisch ist.


Servus adam,

Das Thema Münzbuchstaben während der Regierungszeit Maria-Theresias (1740 – 1780) ist eine ziemlich komplexe Angelegenheit.

Da gibt es zum einen Münzstättenzeichen, Münzmeisterzeichen, Buchstaben, die auf ein bestimmtes Jahr hinweisen oder gar keine.

Weiters wurden nicht nur Prägungen mit dem Portrait Maria-Teresias ausgegeben, sondern auch Münzen mit dem Bildnis ihres Gemahls, Kaiser Franz I. und auch ihres Sohnes Joseph II. als Mitregent.
Dann wurde (in den Erblanden) zudem nach mehreren verschiedenen Münzordnungen geprägt, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte.

In weiteren

Zudem gab es noch lokale Münzsorten z.B. in den italienischen Gebieten (Soldi), in Vorderösterreich (Scheidemünzen nach dem 24-Guldenfuss), in Ungarn (Polturen), in Böhmen (Gröschl), den österr. Niederlanden (Liard), usw.

Wichtig ist eigentlich die Münzkonvention mit Bayern von 1753, aus der der Conventionsmünzfuss (CM), oder auch 20-Guldenfuss hervorging, der in Österreich bis 1857 Bestand hatte.

Damit zum eigentlichen Thema

Ohne Münzbuchstaben:

Die frühen Prägungen Maria-Theresias sind an den Wappen im Herzschild des Wappenschildes, und auch teils durch die Umschrift erkennbar.
Zu nennen sind hier unter anderem der Bindenschild (Wien), der Tiroler Adler (Hall), der steirische Panther (Graz), der Böhmische Löwe (Prag) usw.
Die ungarischen Prägungen sind an der Madonna (anstelle des Wappenschildes bzw. des Reichsadlers) im Revers erkennbar.

Münzstättenzeichen:

Hier wird es kompliziert. Währen bei Maria-Theresia bis 1765 kaum Münzstättenzeichen verwendet wurden (Ausnahmen z.B. KB für Kremnitz oder auch G für Günzburg), ist auf den Stücken, die für Franz I. ausgebracht wurden, immer schon die Münzstätte angegeben.
Nach dem Ableben Franz I. 1765 wurde Joseph II. Mitregent, somit wurden ab diesem Jahr eben auch Münzen mit seinem Portrait ausgegeben. Auch diese Münzen tragen immer ein Münzstättenzeichen, wenn auch meistens ein anderes.

Zudem begann man ab 1760 mit der Ausgabe von Kupfermünzen, die wiederum teils eigene Münzstättenzeichen aufwiesen.

In weiteren Beiträgen will ich versuchen, darauf einzugehen.

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Beste Grüße,
zwanzger

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 Betreff des Beitrags: Re: Eine Kreuzer mit Geschichte
BeitragVerfasst: 22. Jan 2026, 18:02 
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Professor
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Registriert: 20. Nov 2015, 15:57
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Ich greife nun nur einige Beispiele heraus, denn jede einzelne Münzstätte aufzulisten, würde den Rahmen hier sprengen.

Ich beginne hier mit der (da kenne ich mich am besten aus)

Münze Hall in Tirol:

Maria-Theresia, Silbermünzen: keine Münzstättenzeichen, als Wappen der Tiroler Adler im Zentrum oder auch im vierten Quartal des Wappenschildes. Es gibt natürlich auch eine Ausnahme, nämlich einen Taler von 1765 mit Witwenschleier, der den Buchstaben F für Hall unter dem Portrait zeigt .

Maria-Theresia, Kupfermünzen: keine Münzstättenzeichen bei den Halb- und Viertelkreuzern, sowie bei Halbsoldostücken. Bei den Kreuzern und ganzen Soldi das Münzstättenzeichen H.

Franz I., Silbermünzen: Münzstättenzeichen H-A

Franz I., Kupfermünzen: Kreuzer H, Halbkreuzer ohne Msz., Pfennige H-A

Josef II., Silbermünzen: Münzstättenzeichen F

Joseph II., Kupfermünzen: Halbkreuzer ohne Msz.

Zudem prägte Hall auch landesfremde Sorten, und zwar Polturen für Ungarn mit dem Msz. H-A, sowie Vorderösterr. Kreuzer (wie bei adam erwähnt) mit dem Msz. G

Die Münzstättenzeichen wurden (sofern vorhanden) immer unter den Herrscherportrait (Avers) angebracht, außer bei Franz I., dort befinden sie sich am Revers unter den Adlerfängen.
Ab 1765 kamen zudem bei den Silbermünzen Maria Theresias und Josef II. Münzmeisterzeichen auf dem Revers hinzu.

An Münzmeisterzeichen wurden in Hall verwendet:

A-S (auch a-S) für den Münzmeister Ludwig Aschpacher, und den Wardein Johann Josef Stocker
VC-S für den Münzmeister Hubert Josef von Clotz, und den Wardein Johann Josef Stocker

Und um die Sache nicht allzu einfach erscheinen zu lassen gab es zudem noch Jahresbuchstaben mit folgendem Hintergrund:
Nach dem Ableben Franz I. im Jahr 1765, ordnete Maria Theresia an, das auch hinkünftig Münzen mit dem Portrait ihres Gemahls auszubringen sind. Und zwar je ein Drittel mit ihrem Portrait (ab da mit Witwenschleier), ein weiteres Drittel auf ihren Sohn Josef II., und ein Drittel auf den verstorbenen Franz.

Diese sollten weiterhin mit der Jahrzahl 1765 geprägt werden, aber mittels Buchstaben das richtige Prägejahr angeben. Heißt 1765 A = 1766, 1765 B = 1767 und so weiter. In Hall wurde allerdings nur bis zum Buchstaben C (1768) nach dieser Anordnung geprägt.

Also an Erkennungsmerkmalen: Msz. Wappen, H, H-A, F, teils in Verbindung mit Mmz. A-S, a-S, VC-S, und bei Franz I. ab 1765 Jahreskennung A, B, C
Das konnte eben (fast) alles zusammen, oder auch nur einzeln auf den entsprechenden Münzen aufscheinen.

Fortsetzung folgt...

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