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BeitragVerfasst: 26. Mär 2026, 18:26 
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Doktor
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1534 wurde unter Ferdinand I. ein neues Münznominal eingeführt der Groschen zu 3 Kreuzern. Er hatte den Wert eines 1/20 Guldiners.
Anfänglich hatte er ein Rauhgewicht von 2,55g und wurde mit einer Feinheit von 500 geprägt. Der Durchmesser liegt bei 21mm.

Laut Dr. Wolfgang Hahn residierte König Ferdinand ab 1533 sehr oft in der Wiener Hofburg. Die Stadt, die nun zu einer mächtigen Festung ausgebaut wurde, hatte damals schätzungsweise etwas über 20000 Einwohner.
Die Münzstätte lag innerhalb der Stadtmauern auf der Wollzeile.

Ein Stück aus dem ersten Porträtgroschenprägejahr 1534, das aus Wien stammt kann ich vorstellen:

Avers: FERDINAN.D.G.RO.VNG.BO.REX
im Innenkreis geharnischte Büste mit Krone nach rechts

Revers: INF-HI.AR-CHID-AVST.15-34.
Jahres-zahl auf einem, die Legende durchbrechenden, großen Kreuz der einköpfige, nimbierte Königsadler mit Bindenschild auf der Brust


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Porträtgroschen Ferd. I. Wien 1534 Av..jpg
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Zuletzt geändert von adam am 2. Apr 2026, 10:39, insgesamt 2-mal geändert.
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BeitragVerfasst: 27. Mär 2026, 09:09 
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Porträtgroschen mit Jahrgang 1534 wurden auch schon in der Münzstätte Linz geprägt.
Linz war damals bereits eine bedeutende Handelsstadt, aber noch weit von seiner heutigen Größe entfernt.

Ferdinand I. hielt sich öfter in Linz auf, auch wenn die Stadt nicht seine Hauptresidenz war.
Bewohnt wurde während dieser Aufenthalte das Linzer Schloss.
Seit 1527 gab es bereits eine Münzstätte, die an der Adresse Pfarrplatz 19 eingerichtet war.

Der Ausstoß an Münzen dieses neuen Nominals war in Linz nicht gering.
Hippmann listet laut Dr. Wolfgang Hahn 25 Avers- und 27 Reversstempel für diesen "Erstjahrgang" 1534.

Einen davon kann ich zeigen:

Av: +FERDINAN.D:G.RO.VNG.BO:RE

Rv: INF-HI.AR(obderennsischer Wappenschild)CHIDA-VST.15-34.


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BeitragVerfasst: 28. Mär 2026, 10:53 
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Liebe Groschenfreunde!

Was mit Ferdinand I. 1534 begann, nämlich die Ausprägung einer Porträtmünze im Wert von 3 Kreuzern, fand ebenfalls mit einem Ferdinand I. (Kaisertum Österreich) erst nach 314 Jahren im Revolutionsjahr 1848 sein Ende. Die Entwicklung des habsburgischen Dreikreuzerstücks zeigt somit eine bemerkenswerte Kontinuität, die in der europäischen Münzgeschichte ihresgleichen sucht.
Vom frühzeitlichen Porträtgroschen unter Ferdinand I., der vor Mitte des 16. Jahrhunderts das Herrscherbild im Geiste der Renaissance erstmals programmatisch auf dieses Nominal überträgt, spannt sich ein weiter Bogen über die die barocke Blütezeit unter Ferdinand III. und Leopold I. bis in die monetär grundlegend gewandelte Epoche des 19. Jahrhunderts.

Trotz tiefgreifender Veränderungen im Münzwesen - von Reichsmünzordnungen und Währungsreformen bis hin zu fortschreitenden Technisierung der Prägung - bleibt das Prinzip der Selbstdarstellung der Habsburger auf dem Dreikreuzerstück über Jahrhunderte hinweg erhalten. Während sich Stil und Ausführung den jeweiligen Zeitströmungen anpassen, bewahrt das Nominal seine Funktion als Träger dynastischer Repräsentation.

Mit den 3-Kreuzerstücken des Jahres 1848 unter Ferdinand I. von Österreich erreicht diese Entwicklung ihren Schlusspunkt. In ihnen erscheint letztmals das Porträt eines regierenden Habsburgers auf einem Dreikreuzerstück. Nun in der Formensprache des Klassizismus, das mit den Ursprüngen des Groschens nur noch den Nominalwert gemein hat.

Damit endet eine über drei Jahrhunderte währende Tradition. Vom Renaissancebildnis bis zum kaiserlichen Kopf des Revolutionsjahres 1848 begleitet das Porträt den Dreikreuzer als konstantes Ausdrucksmittel landesfürstlicher Autorität.

Ein Stück des letzten Prägejahres 1848 der Münzstätte Wien (Münzstättezeichen A) kann ich anfügen. Auch in Karlsburg/Siebenbürgen (Münzstättezeichen E) wurden solche Dreikreuzer noch bis 1848 geprägt.
Diese kommen allerdings kaum einmal im Handel vor. Würde mich freuen, wenn irgendwer so ein Stück aus seiner Sammlung präsentieren könnte. Auch andere Porträtgroschen aus der langen Prägeperiode würden mich freuen. Ich halte es für ein spannendes Gebiet der Numismatik, das bei weitem nicht so exakt aufgearbeitet ist, wie dies bei größeren Nominalen der Fall ist. Man entdeckt immer wieder bisher Unbekanntes.
Auch Porträtgroschen mit Habsburgbezug (Wallenstein etc.) sind interesannte Sammelgebiete.

Herzliche Grüße
adam


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Porträt-3 Kreuzer Ferdinand I. 1848A.png
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BeitragVerfasst: 30. Mär 2026, 14:41 
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Servus adam,

ich kann einen weiteren Groschen von Ferdinand I. aus Hall vorstellen.

Ferdinand als Römisch-Deutscher König

+FERDI.D:G.RO.VN.BO.DA.CR.ZC.REX gekröntes Bildnis nach rechts
.INF.HIS.ARCH.AVS.D.BV.1556. nimbierter Königsadler mit Tiroler Mittelschild und Wertbezeichnung 3 im Reichsapfel.
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Enz. 122, M.T. 132

Davon gibt es noch weitere Exemplare mit der Jahrzahl 1557, und Stücke als erwählter Kaiser ohne Jahreszahl (geprägt 1558) mit geänderter Umschrift und dem Kaiseradler auf dem Revers.

Diese 3 Kreuzerstücke wurden nach der Reichsmünzordnung von 1551 ausgebracht, und hatten eine Legierung von 7 Lot 5 Grän (455/1000) und ein Raugewicht von 2,46 Gramm (1,12 Gramm fein).

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Beste Grüße,
zwanzger

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BeitragVerfasst: 1. Apr 2026, 16:45 
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Geschätzter zwanzger,

freue mich sehr über deine Präsentation eines Ferdinand I. Groschens aus der Münzstätte Hall. Nachdem seit der Einführung des Nominals doch schon 22 Jahre vergangen waren zeigt sich auch ein anderes Münzbild, als bei den Groschen des Erstausgabejahres 1534.
Auf der Vorderseite zeigt sich das Brustbild des älteren Königs mit Bart.
Der Reichsapfel mit der Wertzahl 3 auf der Rückseite ist auch neu. Bei Ausgaben der Prägestätten Wien und Linz wurde bis 1554 auf eine Wertzahl völlig verzichtet.
Die häufigsten Dreier von Ferdinand I. sind die aus Wien, gefolgt von den Linzer Groschen.
Deutlich seltener sind die Haller Ferdinand I. Dreier, die ja erst nach der 2. Reichsmünzordnung lediglich 3 Jahre lang geprägt wurden. Prägezahlen liegen aus dieser Zeit meines Wissens nicht vor.
Jedenfalls hatte die Prägung von Großsilbermünzen in Hall Vorrang. Am häufigsten ist meines Erachtens noch der Jahrgang 1556 zu finden. Wie ist deine Meinung dazu?

Auch die in Wien ausgeprägten Dreier nach der 2. Reichsmünzordnung Jahrgang 1556 zeigen das veränderte Erscheinungsbild.

Gewicht 2,26g
Durchmesser 22mm

Av. *FERDINAN.D.G.RO.HVNG.BOE.REX
Rv. INF.HISP.ARC(3)HID.AVST.D.BV.1556.



Herzliche Grüße nach Tirol
adam


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Porträtgroschen Ferd I. Wien 1556 Av..jpg
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BeitragVerfasst: 6. Apr 2026, 12:34 
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Servus adam,

adam hat geschrieben:
Am häufigsten ist meines Erachtens noch der Jahrgang 1556 zu finden. Wie ist deine Meinung dazu?


Die Haller Groschen von 1556 sind tatsächlich die häufigsten am Markt.
Auch der Jahrgang 1557 taucht ab und an auf.
Selten ist allerdings der Groschen o.J. mit dem Titel als erwählter (ELECTUS) Kaiser.
Abgebildet ist dieses Stück bei Moser /Tursky unter der Nummer 134.
Dieses Stück ist bei Enzenberg nur beschrieben, mit dem Verweis, das eines in der Sammlung Scherer, und ein weiteres im Wiener Münzkabinett sein soll.
Auch im Markl gibt es die datierten von 1556 (7 Varianten) und 1557 mit dem Königstitel, aber keinen mit dem Kaisertitel.
In den Sammlungen Morosini und Seif ist ebenfalls keiner bekannt.


Zudem gibt es auch Prägungen von 3 Kreuzerstücken aus den Münzstätten Klagenfurt (1537 bis 1551?) und Breslau (1546 bis 1548) mit dem Titel Ferdinand I.
Über deren Häufigkeit bzw. Seltenheit ist mir leider nichts bekannt.

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Beste Grüße,
zwanzger

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BeitragVerfasst: 7. Apr 2026, 07:19 
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Servus zwanzger und adam,

von diesem seltenen Groschen Ferdinand I. mit Titel als erwählter Kaiser,
der sich in meiner Sammlung befindet, kann ich das Bild beisteuern.

Gruß Pfundner


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3 Kreuzer o.J. Hall   ss. RRR , 2,37g ,.JPG
3 Kreuzer o.J. Hall ss. RRR , 2,37g ,.JPG [ 110.48 KiB | 7722-mal betrachtet ]
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BeitragVerfasst: 7. Apr 2026, 16:51 
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Servus zwanzger und Pfundner,

Porträtgroschen von Ferdinand I. sind mir nur aus den innerösterreichischen Münzstätten Wien, Linz, Hall und Klagenfurt bekannt. Wobei die Häufigkeit in dieser Reihenfolge abnimmt.
Es gibt natürlich pro Münzstätte auch Raritäten. Dazu zählt sicher der Groschen aus Hall o. J. mit Titel als erwählter Kaiser. Ich kenne dieses Stück nur aus der Abbildung Moser/Tursky Abbildung 134
Dieser gezeigte Groschen ist ein Traumstück, sowohl von der Qualität als auch von der Seltenheit her. Gratuliere herzlich dazu und danke für die Präsentation.

Die in Breslau geprägten 3 Kreuzerstücke 1546 bis 1548 zeigen nicht Ferdinand I. sondern den böhmischen Löwen auf der Aversseite. Den letzten und meines Erachtens häufigsten Jahrgang 1548 kann ich einstellen.

Gewicht 2g
Durchmesser 22 mm

Av. FERDI.D:G.ROM.HVN.BOEM.REX
Böhmischer Löwe

Rv. DVX. SILESIAE.MARC.MORAVI.1548
Schlesischer Adler

Beste Grüße
adam


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Groschen Ferd. I. Breslau 1548 Av..jpg
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BeitragVerfasst: 8. Apr 2026, 10:10 
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Liebe Groschenfreunde!

Der Groschen Moser/ Tursky 134 im Kunsthistorischen Museum Wien, auf den zwanzger hinweist, kommt an die Qualität des Stücks das Pfundner hier präsentiert nicht heran.

Beste Grüße
adam


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Groschen Ferd. I. KHM Wien MT 134 Rv..png
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BeitragVerfasst: 11. Apr 2026, 07:56 
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In Sachen Porträtgroschen Ferdinand I. aus der Münzstätte Hall kann ich noch ein kurioses Stück beisteuern, nämlich den Jahrgang 15556.
Es handelt sich allerdings nicht um eine Prägung aus der Zukunft, sondern ist durch einen Doppelschlag im Bereich der Jahreszahl entstanden.
Also auch ein Moser/Tursky 132.

Beste Grüße
adam


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