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BeitragVerfasst: 26. Dez 2023, 15:48 
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Hallo,

immer wieder stelle ich mir die Frage weshalb keine Kleinsilber zu den Büschelquinaren vom Typ A - E bekannt sind, welche dieselbe oder ähnliche Darstellungen aufgreifen.

Es wird seit einiger Zeit vermutet, dass es sich bei den Kleinsilbern vom Typ "Strenges Gesicht" um Kleinsilber zu den Prototypen der Büschelquinare handeln könnte.
Diese Vermutung stützt sich vor allem auf das Revers. Darauf zu sehen ist immer ein natürlich wirkendes Pferd n.l. ohne Beizeichen über oder unter dem Pferd. Vor dem Pferd, wie auch bei den Büschelquinaren ist eine Schlange zu sehen.
Vgl.: https://www.acsearch.info/search.html?id=2683329
Zu den Quinaren vom Typ Dühren gibt es diverse Kleinsilber, welche dieselbe Darstellung wie auf den Quinaren zeigen.

Ebenso gibt es Kleinsilber zu den Quinaren vom Typ Brillengesicht, auch wenn mir hier nur das nachfolgende Stück aus der Sammlung Flesche bekannt ist.
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Kleinsilber Brillengesicht Avers.jpg
Kleinsilber Brillengesicht Avers.jpg [ 120.65 KiB | 7255-mal betrachtet ]
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Kleinsilber Brillengesicht Revers.jpg
Kleinsilber Brillengesicht Revers.jpg [ 119.2 KiB | 7255-mal betrachtet ]

Was die Kleinsilber zu den Büschelquinaren Typ A-E betrifft so wird davon ausgegangen, dass es sich hierbei unter anderem um die Kleinsilber vom Typ Manching handelt.
Das ist durchaus wahrscheinlich aufgrund der großen Menge an Funden, welche in Fundzusammenhängen mit Büschelquinaren verschiedener Typen erfolgten.

Mir ist jedoch kürzlich ein Kleinsilber in die Hände gefallen, welches auf dem Avers eine Darstellung zeigt, die genauso gut auf einem Büschelquinar vom Typ A zu finden sein kann.
Ein solches Stück hatte ich bisher noch nicht gesehen. Ich gehe davon aus, dass es sich um ein süddeutsches Kleinsilber handelt. Das Stück wiegt 0,41g.
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Kleinsilber zum Büschelquinar Typ A Avers.jpg
Kleinsilber zum Büschelquinar Typ A Avers.jpg [ 121.91 KiB | 7255-mal betrachtet ]
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Kleinsilber zum Büschelquinar Typ A Revers.jpg
Kleinsilber zum Büschelquinar Typ A Revers.jpg [ 125.02 KiB | 7255-mal betrachtet ]

Auf dem Avers zu sehen ist ein Kopf n.l., mit Aufgelösten Haaren, dargestellt durch Striche. Auf dem Revers zu sehen ist ein Pferd n.l. ohne Beizeichen über oder unter dem Pferd.

Ich halte es für durchaus denkbar, dass es auch von den Büschelquinaren der Vindeliker Kleinsilber gegeben haben kann, welche Ähnliche Darstellungen zeigten.
Kennt ihr ähnliche Stücke oder wisst ob mir meine Fantasie einen Streich spielt und es sich um etwas anderes handelt?

Schöne Feiertage

Ceallach


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BeitragVerfasst: 29. Dez 2023, 01:26 
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Hallo Ceallach,
ich bin zwar kein Keltensammler (besitze nur ein paar Exemplare vom Roseldorf-Typ), schaue mir aber immer gerne die interessanten Beiträge an und gratuliere dir zu den schönen Stücken.

Viel Sammlerglück im Neuen Jahr!
OTAKAR

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Nütze das Leben! Es ist schon später als du denkst!


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BeitragVerfasst: 30. Dez 2023, 16:25 
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Hallo Cellach

Ich meine mit deiner Vermutung liegst du absolut richtig.
Sehr spannendes und interessantes Thema!

Die auch schöne Feiertage, einen guten Rutsch und weiterhin viel Spaß mit den Kelten

wünscht dir und natürlich auch euch allen
Harald

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Cuiusvis hominis est errare, nullius nisi insipientis in errore perseverare.


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BeitragVerfasst: 6. Jan 2024, 21:53 
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Hallo Zusammen,

ich bin soeben aus dem Urlaub zurückgekommen und freue mich über eure Antworten.

@otakar Ich freue mich auch unglaublich über beide der Stücke, da sie ausgesprochen selten, gut erhalten und die Stempel nicht sonderlich abgenutzt sind. Das Kleinsilber zum Büschelquinar vom Typ A habe ich auf einer Münzbörse gefunden. Mir ist auch erst auf den zweiten Blick aufgefallen, worum es sich zu handeln scheint. Gerade aus diesem Grund machen mir Kelten und besonders die weniger behandelten Kleinsilber besonders viel Spaß. Ebenso freut es mich, dass unsere Beiträge auf Interesse stoßen. Die Zeit lässt es leider derzeit nicht zu besonders viel zu recherchieren und zu schreiben. Bei einigen Stempelreihen fehlen mir zudem noch einige Münzen, bevor sich ein Beitrag lohnt. Daher werde ich in absehbarer Zeit erstmal einige unbestimmte Stücke besonders von Süddeutschen Kreuzmünzen vorstellen. Ich wünsche dir und allen ebenfalls viel Sammlerglück!

@harald Danke für deine Einschätzung. Ich habe in der Zwischenzeit auch die gesamte mir vorliegende Literatur sowie Auktionskataloge und Lagerlisten nach ähnlichen Stücken durchsucht. Ohne Erfolg. Das Thema bleibt also spannend. Ich halte euch wie gewohnt auf dem Laufenden, sollte ich hierzu mehr herausfinden oder weitere Stücke finden, die diese Vermutung Stützen. Auch dir wünsche ich viel Spaß mit deinen Kelten!

Schönen Abend

Ceallach


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BeitragVerfasst: 6. Feb 2024, 22:57 
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Hallo Ceallach,

Sehr interessanter thread. Meinst du nicht eher, dass es sich bei dem viertelquinar um den Typ Stradonice handelt?

Ich habe die keltische numismatik so verstanden, dass gegen 60 v.Chr. das kleinsilber von gallischen Potin abgelöst wurde. So zumindest an Rhein, Mosel und in Hessen. Somit sollte es vom Büschel Typ nur den Quinar geben.


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BeitragVerfasst: 7. Feb 2024, 20:43 
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Hallo Lordlindsey,

vielen Dank für deine Nachricht sowie den Einwand, dass es sich bei dem Kleinsilber um den Typ Stradonice handeln könnte.
Aufgrund des Gewichtes sowie des Revers kann dies ebenfalls möglich sein.
Harald zeigt in seinem Thread zu den boischen Kleinsilbern bereits auf, dass es boische Obole gibt, die starke Ähnlichkeiten zu Kleinsilbern der Vindeliker aufweisen:
viewtopic.php?f=44&t=1378&p=16419&hilit=Kleinsilber+boier
Das Avers des von mir vorgestellten Stücks ist für den Typ Stradonice ebenso ungewöhnlich wie für vindelikische Kleinsilber.

Was die Datierung betrifft so erschließt sich mir nicht, weshalb es keine Kleinsilber zu Büschelquinaren gegeben haben könnte.

Herr Kellner datiert in "Die Ausgrabungen in Manching" die Kreuzmünzen Typ Schönaich, die Büschelquinare, sowie die Kleinsilber der Typen Manching und Pollanten in Latene D1, also die Zeit von ca. 100 - ca. 50 v. Chr.
Die Kleinsilber vom Typ Manching sowie die Büschelquinare der Vindeliker befanden sich ohne jeden Zweifel zur gleichen Zeit im Umlauf.

Das Stück wird wohl vorerst ein Kuriosum bleiben.

Schönen Abend

Ceallach


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BeitragVerfasst: 11. Feb 2024, 23:27 
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Hallo Ceallach,

Bzgl. Der Datierung halte ich mich mehr an den neueren Nick als Kellner. Nick datiert die verwilderten Buechelquinare um 50 v.Chr., und da wurden schon die gallischen Potin importiert und im süddeutschen Raum genutzt. Lediglich der Prototyp kursierte zur Zeit der Kleinsilber Münzen, und hier gibt es ja, wie auch von dir spekuliert, das “strenge Gesicht” als Viertelstueck.

Das viertel Stück vom Brillengesicht ist sehr nett, hier hast du mich bei der Kuenker Auktion aber überboten :)


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BeitragVerfasst: 12. Feb 2024, 21:23 
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Hallo Lordlindsey,

vielen Dank für deine Antwort.

Über den Zuschlag des Kleinsilbers vom Typ Brillengesicht habe ich mich auch sehr gefreut.
Ehrlich gesagt wunderte mich der für die Erhaltung und Seltenheit geringe Preis.
Ich gehe davon aus, dass einige Interessierte ihr verfügbares Budget für spätere Stücke der Auktion aufgespart haben.

Was die Datierung der Büschelquinare Betrifft, so widerspricht Nick Kellner nicht.
Nick datiert die Prototypen der Büschelquinare sowie die Typen A, B und C Ende LT C2-D1 (S. 83, Tab. 14), wobei er sich in der Tabelle auf Gebhard 1991 (süddeutsche Chronologie auf der Basis von Manching) bezieht.
Auf Seite 49. 3.2.5 "Bayrische-fränkische Büschelquinare" beschreibt Nick das häufig gemeinsame Auftreten der Typen A, B und C, welche aufgrund von Fundzusammenhängen in die Zeit zwischen LT C1b und D1 datiert werden können.
Nick geht wie auch Kellner, Ziegaus und andere davon aus, dass die Prototypen etwas früher, die Typen A+B etwa zeitgleich, möglicherweise etwas vor dem Typ C und die Typen D+E etwas später entstanden sein dürften.
Dass sich zur gleichen Zeit zu den Büschelquinaren Kleinsilber vom Manchinger Typus in großen Mengen im Umlauf befanden ist ebenfalls unumstritten und durch ein Vielzahl von Ausgrabungen und archäologischen Arbeiten belegt.

Die Manchinger Kleinsilber werden durch Nick auf denselben Zeitraum datiert, wie auch die Büschelquinare der Typen A-C.
Nick schreibt zudem, dass die einheimischen Imitationen von Massalia-Obolen am Oberrhein und in der Westschweiz, welche hier die Kleingeldrolle einnahmen, durch Potinmünzen in ihrer Funktion abgelöst wurden.
Die bayrisch-württembergische Münzsystem hingegen orientierte sich eher nach Osten, wobei Nick vermutet, dass die Kleinsilber aufgrund ihrer beschränkten Verbreitung eher eine Rolle im regionalen Austausch spielten.

Kurzer Nachtrag, auch in dem Artikel "DER SPÄTLATÈNEZEITLICHE SILBERMÜNZHORT VON MERKLINGEN ,BRÜHL‘" aus 2018 datiert Nick die Büschelquinare Typ A-E in das letzte Drittel des 2. bis in die erste Hälfte des 1. Jahrhunderts vor Chr., wobei die Typen C und E innerhalb dieses Zeitraums später anzusetzen sind.
https://journals.ub.uni-heidelberg.de/i ... view/78963

Schönen Abend

Ceallach


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