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BeitragVerfasst: 6. Dez 2018, 12:51 
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Hofrat
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Geschätzte Liebhaber spätromanischen Münzgepräges,

zum Abschluss meiner Ausführungen, Vergleiche und Gegenüberstellungen zum CNA B 32 Pfennig möchte ich auch noch beim B 32a und zwei weitern bisher noch nicht edierten Varianten, die Anzahl jener mit einer Spitze nach außen gestellten Dreiecke behandeln, die sich bei diesem Typ anstatt der üblichen Trugschrift finden. Die Fotos stammen, wenn nicht anders erwähnt, von Belegen aus meinem Münzkoffer. Für einen aussagekräftigen Vergleich wurden aber alle auf jüngsten Versteigerungen angebotenen Stücke herangezogen, soweit es auf den Fotos ersichtlich war.

B 32a: sowohl beim abgebildeten Stück, als auch bei drei weitern erst kürzlich aufgetauchten Exemplaren finden sich 16 Dreiecke. Obwohl jenes im CNA 1 abgebildete Foto für einen derartigen Vergleich nur bedingt brauchbar ist, würde ich auch hier 16 Dreiecke sehen.

B 32b: wurde aufgrund der unterschiedlichen Anzahl der Ringelbeizeichen am Revers bereits vor einigen Tagen gesondert verglichen. Hier finden sich zwischen 17 und 19 Dreiecke außerhalb des Perlkreises.

B 32? (Abb. 427 mit dem Malteserkreuz unter der Hand) Diese Variante zählt man mit nur zwölf Dreiecken, sowohl an diesem abgebildeten, als auch an einem weiteren aufgetauchten Beleg, die geringste Anzahl.

B 32? (Abb. 382 mit den vier Halbmonden ins Quadrat gestellt, im Zentrum ein Punkt.) Diese Variante tanzt etwas aus der Reihe. Es finden sich hier 16 Dreiecke. Allerdings zeigen die nach außen gestellten Spitzen deutlich Kugeln als Abschluss. Diese Kugeln/Punkte haben aber nichts mit dem äußeren Perlkreis zu tun! Somit sehen diese Dreiecke aus, wie die beiden Spitzen jener Türme, die im Zentrum der Münze die aufragende Hand beidseitig flankieren. Habe auch zwei weitere Vergleichsfotos aller bisher bekannten Exemplare dieser Variante beigefügt.

Hiermit möchte ich die Beobachtungen zum B 32 Pfennig beenden - vorausgesetzt, es tauchen in naher Zukunft nicht noch mehr bisher unbekannte Varianten auf. :o

hexaeder


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BeitragVerfasst: 20. Dez 2018, 10:54 
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Hofrat
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Geschätzte interessierte Beobachter des spätromanischen Münzgepräges aus Neunkirchen,
eine Kleinigkeit möchte ich den Ausführungen über den B 32 Pfennig noch hinzufügen. Beim Fotografieren der Einzelstücke ist mir aufgefallen, dass alle Pfennige dieses Typs, egal ob B 32a, B32b oder auch alle nicht edierten Varianten, an den äußeren Münzränder in zeitaufwändiger Handarbeit mit einem scharfen Gegenstand behämmert wurden.
Als professioneller Fotograf ist es mir aufgrund der technischen Ausrüstung zum Glück möglich, diese Macro-Details auch bildhaft darzustellen. Um die vor einigen Jahren noch undenkbare Tiefenschärfe zu erhalten wurde dieses Foto aus 41 Einzelbildern von einem Stacking-Programm zusammengerechnet. Um in der stressigen Vorweihnachtszeit etwas zu "entschleunigen", habe ich mir die Zeit genommen und dieses Foto angefertigt.
Durch anklicken des Fotos öffnet sich das Bild in einem neuen Fenster. Obwohl hier das Größenlimit pro Foto auf 120kb beschränkt ist, kann man das Foto je nach Bildschirm soweit vergrößern, dass die einzelnen Münze bis auf 20 cm großgescrollt werden können. Viel Vergnügen bei der Betrachtung.

hexaeder


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BeitragVerfasst: 20. Dez 2018, 13:49 
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Wirklicher Hofrat
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Ein sehr eindrucksvolles Bild, hexaeder!
Leider verstehe ich die die technischen Details zu deinen Superaufnahmen nicht.
LG
OTAKAR

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BeitragVerfasst: 20. Dez 2018, 18:35 
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hexaeder hat geschrieben:
........an den äußeren Münzränder in zeitaufwändiger Handarbeit mit einem scharfen Gegenstand behämmert wurden.


Servus,

ein behämmern :?: einer Münze bzw. eines Schrötlings bei dieser Materialstärke .................... sehr sportlich :mrgreen:

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Beste Grüße,
zwanzger

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BeitragVerfasst: 20. Dez 2018, 19:28 
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zwanzger hat geschrieben:

Servus,

ein behämmern :?: einer Münze bzw. eines Schrötlings bei dieser Materialstärke .................... sehr sportlich :mrgreen:

.......dachte ich mir zuerst auch. Aber dann bin ich alle meine 29 Neunkirchner durchgegangen, viele verschiedene Typen zwischen B 32 bis B 52 und jeder einzelne davon wurde "behämmert" oder "beklopft". 8-) :mrgreen: Diese feinen Rillen stammen aber eher von einer Klinge (Miniaxt, Messer oder ...???) und eher nicht von einem kleinen Hammer. Möglicher Weise wurden aber die fertigen Münzen oder bereits die Rohlinge (?) auch auf einer Klinge mit einem kleinen Hammer in einem Arbeitsschritt von oben gerundet und von unten mit Rillen versehen? Im Moment tendiere ich eher zu dieser Version, weil die Pfennige doch auch deutliche Rundungsspuren aufweisen, die mit einem flachen und hammerähnlichen Werkzeug gemacht worden sein dürften. Ob das mit dem Rohling vor dem Schlagen oder an der bereits fertigen Münze passiert ist, kann ich im Moment noch nicht sagen. Dazu muss ich erst einige Stücke unter dem Stereomikroskop betrachten. Irgendwie müssen diese Rillen aber ganz bewusst in die Pfennige gekommen sein.

Grüße, hexaeder

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BeitragVerfasst: 22. Dez 2018, 13:48 
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Doktor
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Servus hexaeder,

zwanzger hat geschrieben:
..........."behämmert" oder "beklopft".................
:lol:

Jetzt ernsthaft. Ich denke das diese Rillen am ehesten durch das Ausstanzen der Schrötlinge entstanden sind.

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Beste Grüße,
zwanzger

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BeitragVerfasst: 22. Dez 2018, 17:39 
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otakar hat geschrieben:
Leider verstehe ich die die technischen Details zu deinen Superaufnahmen nicht.

Lieber OTAKAR,
für dieses Foto habe ich zwei B 32 Pfennige auf ein Blatt Papier gelegt, dann ein Zwischenpapier und einige Millimeter dahinter wieder zwei und nochmals zwei und oben ein Einzelstück. Dann habe ich mit einer Nikon D700 Vollformatsensor und einer starren 60 mm Makrolinse 41 Fotos in nacheinander folgenden und sehr kurzen Schärfenebenen gemacht. Das deshalb, weil der gesamte Stoß zwar nur 5 mm hoch, aber über 4 cm tief war. Um das Ganze von vorne bis hinten scharf zu bekommen gibt es nur diesen Weg. Dann werden die Einzelfotos auf den PC hochgeladen und mit dem Zusatzprogramm Zerene Stacker im Fotoshop zu einem Foto mit unglaublicher Tiefenschärfe zusammengerechnet.

Das selbe Spiel habe ich auch mit meinen B 35 gemacht. Hier waren aber aufgrund der geringeren Stückzahl von nur fünf Pfennigen und einer dadurch geringeren Tiefe nur 27 Einzelfotos notwendig.
Auch die B 35 Pfennige zeigen dieselben Randbearbeitungsspuren, wie jene in meinem letzten Bericht gezeigten B 32. Habe ein Foto davon eingefügt. Zum besser Verständnis meiner Ausführungen über die angewandte Fototechnik, habe ich dir die Einzelfotos 1/27 und 20/27 mit gesendet.

Herzliche Grüße,
hexaeder


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BeitragVerfasst: 22. Dez 2018, 17:46 
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Wohnort: Püttner Mark
zwanzger hat geschrieben:
Jetzt ernsthaft. Ich denke das diese Rillen am ehesten durch das Ausstanzen der Schrötlinge entstanden sind.

Servus zwanzger,
ich finde es sehr schade, dass wir nicht gemeinsam mit der Palette Neunkirchner Pfennige vor dem Stereomikroskop sitzen können, um über diese Randbearbeitungsspuren zu diskutieren. Werde versuchen deine Gedanken anhand der vorliegenden Originale zu überprüfen. Geht aber leider erst nach den Feiertagen.
hexaeder

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BeitragVerfasst: 27. Dez 2018, 22:39 
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Lieber Hexaeder und liebe andere Freunde der Numismatik!

In meiner Diss. habe ich mehrmals diese Randgestaltung der Mittelalterpfennige erwähnt:
S. 22: "Nach der Prägung wurden die Münzränder behämmert, wodurch die Münzen noch besser gerundet wurden und die Ränder eine Art von Riffelung erhielten; damit waren die Pfennige leichter anzufassen. An einen Schutz vor Beschneidung braucht man dabei nicht gedacht zu haben, da diese Unsitte in Kärnten damals noch nicht praktiziert wurde."
Diese Art der Randbearbeitung wurde schon bei den Regensburger Pfennigen des 10. Jh. durchgeführt, dann bei den Friesacher Pfennigen, bei den Dünnpfennigen in Krems, Neunkirchen usw. sowie bei den Wiener Pfennigen bis herauf zu den Steinbock- und Widderpfennigen und dem Bloß-Geld. Diese Randhämmerung muß als Vorteil gesehen worden sein, denn auch in Böhmen wurde sie im 11. und 12. Jh., in Ungarn im 13. Jh. durchgeführt.

Die Silberzaine wurden zu etwa 1/2 mm dicken Platten gehämmert, aus denen dann etwa 1 x 1 cm große quadratische Plättchen von z. B. 1 Gramm geschnitten wurden. Diese Schrötlinge wurden dann durch Vielschlag oder Vierschlag etwas gerundet und dann geprägt. Da die Münzen jetzt noch immer nicht ganz rund waren (man konnte noch immer die vier Ecken erkennen), wurden die Ränder behämmert. Dadurch wurden vorspringende Stellen, vor allem die Ecken, gestaucht.
Friesacher und Wiener Pfennige wurden oft nur flüchtig bearbeitet, sodaß sie noch immer mehr/weniger quadratisch sind, und an den "Ecken", wo sie vom Hammer bei der Riffelung ein erster Linie getroffen wurden, sind sie dicker: Bitte den Rand eines Friesacher oder Wiener Pfennigs mit der Lupe ansehen und dabei langsam drehen: die Ecken sind durch die Hämmerung gestaucht und dick, die Stellen dazwischen sind dünn und von der Hämmerung fast nicht getroffen.
Bei den Neunkirchner und anderen früheren Pfennigen wurden die Rand-Kerben wohl nicht einzeln mit einem Messer hergestellt, sondern wahrscheinlich durch einen Hammer, der feilenartige Rillen hatte. Der Arbeiter hielt mehrere Pfennige zwischen Daumen und Zeigefinger, stellte diese kleine Münzrolle (bei 6 Uhr) auf eine (wahrscheinlich auch feilenartig gerillte) Unterlage und schlug mit dem Hammer auf die oben zwischen den Fingern (bei 12 Uhr) hervorstehende Münzrolle. Dann wurden die Münzen zwischen den Fingern weitergedreht und an der nächsten Randstelle gehämmert. Auf diese Weise wurden ringsum vor allem die vorstehenden Zacken und Ecken der Münzen getroffen und gestaucht.
Bei manchen Pfennigen, vor allen bei den späteren Wiener Pfennigen, war der Hammer nur wenig uneben, so daß die Riffelung nur schwach zu sehen ist: die gestauchten Ecken sind oft weitgehend glatt.
Durch die Riffelung (z. B. bei den Neunkirchnern) sind die Münzränder gestaucht und die Ränder unregelmäßig verdickt, d. h., die gestauchten Stellen ragen auf den Rändern beider Münzseiten vor. Das bedeutet, daß die Randhämmerung erst n a c h der Prägung erfolgte, denn sonst wären diese Unebenheiten bei der Prägung flachgedrückt worden.

Anhand der Riffelung kann man erkennen, ob ein Pfennig nachträglich beschnitten wurde: manchmal fehlt sie an einer Stelle (meist wurde eine "Ecke" abgeschnitten), manchmal wurde der Rand ringsum abgeschnitten, dann fehlt sie ganz.

Zumindest stelle ich mir diese Sache so vor... ...
LG
Jetonicus


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BeitragVerfasst: 3. Jan 2019, 06:55 
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zwanzger hat geschrieben:
Jetzt ernsthaft. Ich denke das diese Rillen am ehesten durch das Ausstanzen der Schrötlinge entstanden sind.

Servus zwanzger,
habe jetzt einige Neunkirchner mit dem Stereomikroskop betrachtet. Unter dem Binokular erkennt man deutlich, dass die Pfennige zuerst geprägt wurden und erst danach am Rand behämmet. Diese Muster stammen keinesfalls von einem "Ausstanzen". Jetonicus hat hierzu einige Sätze in diesen Leitfaden gestellt, die sich auch mit meinen Beobachtungen decken.
Grüße aus Niederösterreich,
hexaeder

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