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BeitragVerfasst: 13. Apr 2017, 12:55 
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Den Aufsatz von Coevorden gibt es online, den anderen leider nicht. Bringt aber zur Sache nichts Neues. - Und ich habe die Bedienungsanleitung des neuen Scanners gelesen, es geht auch in Farbe. :oops:

Ich fange hier mal mit dem Anfang an, nämlich dem offiziellen Keping der EIC von 1804, der dann Grundlage der Nachahmungen später war. (Nachgeahmt wurden auch in Birmingham und anderswo 2 Stuiver-Stücke der Niederländischen Compagnie, da habe ich aber keine Beispiele, obwohl diese - wie ich jetzt weiß - doch zu den britischen Token zu zählen wären.

Der offizielle Keping weist im ersten Feld des Wappens kein Bild auf, das Motto darunter heißt AUSP. REGN. SEN. ANGLIAE. Die Rückseite hat in der linken Schleife des Wortes Keping einen Strich nach rechts oben, ein diakritisches Zeichen, der lange Anstrich des K ist mit der weiteren Schrift verbunden. AH 1219.
Grüße, KarlAntonMartini


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BeitragVerfasst: 20. Apr 2017, 10:52 
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Gestern konnte ich ein Stück erwerben, das vom Händler als Duit der VOC aus Gelderland bestimmt war (KM 50.2). Das Stück scheint mir von der Machart aber nicht in die Reihe der Duits vom Ende des 18. Jahrhunderts zu passen. Ich vermute eine Herstellung nach 1840, vermutlich Birmingham. Dazu würde auch passen, daß KM ein Proof in Silber verzeichnet. Grüße, KarlAntonMartini


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BeitragVerfasst: 25. Apr 2017, 14:17 
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Um noch mal auf Afrasis Token zurückzukommen, hier zunächst das Bild eines anderen Token dieser Serie. 2,1 g und mit Katalog-Nr. Pr. 97. - Pridmore schreibt dazu, daß diese Tokenserie von Read in Auftrag gegeben wurde, der sich weder mit den Briten noch den Niederländern streiten wollte. Letztere hatten sich gegen die gefälschten VOC Token verwahrt, solche wurden auch beschlagnahmt. Read ließ Token in Birmingham herstellen, die sich mit ihren Inschriften auf verschiedene Regionen und Orte bezogen, ohne einen Ausgeber zu nennen. Das Datum AH 1251 = AD 1835 dürfte dem Ausgabejahr entsprechen. Die Token aus Birmingham waren prägetechnisch auf neuestem Stand, es gibt deshalb hier keine Stempelvariationen. Die Serie umfaßt (seltenere) 2 Kepings und Kepings für Percha=Sumatra (das vorgestellte Stück), Acheen, Tarumon, Menangkabau, Dilli, Siak, Malayu (Nord-Sumatra), Perak, Selangor und Trengganu. (Die Schreibung der Namen ist in moderner Transskription abweichend.) Von allen Stücken gibt es Proof-Ausgaben. - Nachdem die Stücke von Afrasi offenbar stempelverschieden sind, vermute ich, daß es sich wenigstens teilweise um Nachahmungen von Seiten einheimischer Hersteller handelt, das mittlere Stück dürfte am ehesten ein Original sein. Pridmore hat für diese Serie kein Beispiel. Die Nachahmungen sind vermutlich seltener als die Originale. (Afrasi hat angedeutet, daß er noch mehr Beispiele hat.) Grüße, KarlAntonMartini

PS: Die Zeitungen in Singapur veröffentlichten regelmäßig die Kurswerte dieser Token im Verhältnis zum Dollar. Der schwankte erheblich, je nachdem, ob gerade neue Lieferungen angekommen waren. Zum Ende der Periode, also etwa 1853, konnten bis zu 1000 Stück auf den Dollar gehen. Da war die Herstellung teurer Token in Birmingham nicht mehr interessant und die Kaufleute lieferten den Heckenmünzern nur kupferne Münzplättchen, so entstanden dann die erwähnten Nachahmungen.


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BeitragVerfasst: 26. Apr 2017, 13:35 
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Vielen Dank für die Beiträge! Ich lese fleißig mit, bin aber noch nicht zum Scannen gekommen ... :oops:

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BeitragVerfasst: 27. Apr 2017, 10:35 
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@Afrasi: nur keine Eile. - Inzwischen möchte ich kurz auf die politischen Hintergründe verweisen: Die Briten tauchten in der Region der heutigen Staaten Indonesien, Malaysia und Singapur erstmals 1685 auf, als die EIC eine Handelsniederlassung in Bencoolen (Bengkulu) gründete. Sie sollte vom Pfeffer- und Gewürzhandel leben. Der neue Ort lag - nur von See zugänglich - im Südwesten der Insel Sumatra. 1786 kam die Insel Penang in der Malakka-Straße dazu, die der Raja von Kedah den Briten für 6.000 Dollar jährlich verpachtete. 1805 hoffte die EIC, die Nachfolge der Niederländer in Südostasien antreten zu können und errichtete schon mal eine eigene Presidency in Penang, gleichrangig mit denen von Madras, Bombay und Bengalen. 1819 gelang es den Briten unter Sir Thomas Stamford Raffles unter Ausnutzung eines Familienstreits dem Sultan von Johor auf der malaiischen Halbinsel ein Gebiet im Süden abzuluchsen, auf dem Singapur gegründet wurde. Die Niederländer, die Johor als Schutzstaat begleiteten, waren nicht amüsiert. London hatte indes mit Rücksicht auf die Situation in Europa, wo man die Niederlande gegen Frankreich und Preußen stärken wollte, den Vertrag von 1824 mit den Niederländern abgeschlossen, der die Interessen in Südostasien ausglich. Die Trennlinie der Einflußsphären sollte die Straße von Malakka sein, England zog sich aus Bencoolen und ganz Sumatra zurück, die Niederländer akzeptierten Singapur und die anderen Niederlassungen der Briten auf der malaiischen Halbinsel und übergaben Malakka den Briten. Die EIC gab die Presidency in Penang auf und unterstellte das Gebiet der Bengal Presidency in Calcutta. Nach dem Ende der EIC wurden diese Gebiete nicht mehr mit Britisch-Indien verwaltet sondern zu eigenen Kronkolonien, die später zu den "Straits Settlements" zusammengefaßt wurden. Kompliziert wurde die Lage durch eine ganze Reihe von Kriegen, die zwischen den einheimischen Sultanaten untereinander oder mit den westlichen Kolonialmächten oder zwischen diesen ausgefochten wurden. Ein Kaufmann, der mit Token Geld verdienen wollte, mußte also genau überlegen, welches Design auf den örtlichen Basaren am ehesten akzeptiert wurde. - Grüße, KarlAntonMartini


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BeitragVerfasst: 27. Apr 2017, 12:11 
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Um nicht zu textlastig zu werden, das Bild einer Variation eines Cock-Tokens (Inschrift: Tanah Malayu, Land der Malayen, in Jawi) Er hat 1,8 g. Auf der Rückseite ein anderes Schriftbild und die Jahreszahl AH 1411 = AD 1990. Von diesem unsinnigen Typ kennt Pridmore (Nr. 71) 45 Stempelvarianten. Die schlecht fabrizierten Stücke entstanden nach 1837 in lokaler Produktion oder bei Billiganbietern in England. Grüße, KarlAntonMartini


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BeitragVerfasst: 27. Apr 2017, 18:57 
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Ich habe mal diejenigen Stücke gescannt, von denen rati einen Typ gezeigt hat. Ich komme bei elf Stücken auf 6 Typen und Varianten ohne auf kleinere Stempelvarianten zu achten.


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1227 2 Hähne Rückseitentyp b klein 18 5 mm afr.jpg
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1227 2 Hähne Rückseitentyp b normal groß 21 5 mm afr.jpg
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BeitragVerfasst: 27. Apr 2017, 18:57 
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... und den hier noch:


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BeitragVerfasst: 27. Apr 2017, 19:03 
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Und hier ein Stück von Negr Siak:


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1 1251 SS 59 Pr 48 b afr.jpg
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BeitragVerfasst: 28. Apr 2017, 06:29 
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Doktor
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Hallo Afrasi,
ich bin überrascht über so viele Stücke zu hören und das sie in keiner Literatur erscheinen.
Schöne Exemplare,Gratulation.
Kannst Du evt.die Stücke 3,4 und 5 (von oben) ,oder auch alle,bei @zeno unter S.O.Asien-Native coins, einstellen,vielleicht wird das Interesse bei den S.O.Asien Experten geweckt. Bei Nr.3 ist der Text gut lesbar und wenn es in Jawi geschrieben ist ,lässt sich mehr erfahren.Auch ist interessant das bei einigen das Datum in westlichen Zahlen angeben ist.

Gruß rati


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