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 Betreff des Beitrags: Indien - Der Löwe von Goa
BeitragVerfasst: 10. Feb 2016, 21:15 
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Hofrat
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Das Stück, das ich hier vorstellen möchte, ist eigentlich eine 'besondere' Münze, denn sie wird zu den schönsten Geprägen des indischen Mittelalters gezählt. Aber da sie ohne ein wenig Geschichte 'stumm' bleibt, erscheint sie mir in 'Asien' besser untergebracht.

Dateianhang:
1147-1187_Kadambas_of_Goa_NIS-654_n.jpg
1147-1187_Kadambas_of_Goa_NIS-654_n.jpg [ 113.77 KiB | 1194-mal betrachtet ]

Kadambas von Goa, Sivachitta Permadi Deva, 1147-81 AD, Pagoda, 4.39 g, 18 mm
Av. Löwe steht links; davor zyklisches Datum 'Mava'
Rv. 5-zeilige Nagari-Legende, von oben nach unten: Sri Sapta ko / tisa Labdhava / ra Sri Sivachitta Vira / vara deva Malava / ramari (Sri-Saptakotisa-Labdhavara-Sri-Sivachitta-Viravaradeva-Malavaramari, i.e. Der heldenhafte Sri Sivachitta Deva, Vernichter der Malavas, der vom heiligen Saptakotisa gesegnet wurde) cf. Mitchiner NIS&WC 655


Zur Beschreibung seien zum besseren Verständnis einige Anmerkungen erlaubt. S(h)iva-Chitta = Die Seele Shivas ist der Königstitel des Permadi Deva, der ihn als Verehrer Shivas kennzeichnet. Die zyklische Datierung der Münze 'Mava' ist auf Hindu-Münzen einzigartig, und eine Konvertierung in ein äquivalentes AD-Datum ist bislang nicht gelungen. Den Titel "Vernichter der Malavas" trugen mehrere Herrscher der Kadambas. Er bezieht sich vermutlich auf die Eroberung eines Gebietes von Malwa. Saptakotisa ist ein anderer Name für Shiva, und unter diesem Namen ließen die Kadambas ihm zu Ehren in Goa einen Tempel bauen, der sich in den folgenden Jahrhunderten zu einer bekannten Pilgerstätte entwickelte.

Um die Geschichte zuende zu bringen folgt nun ein Zeitsprung in den Beginn des 16. Jahrhunderts. An die Stelle der Kadambas waren die Vijayanagar gerückt, und 1510 eroberte der portugiesische Admiral Affonso de Albuquerque (1453 - 1515) Goa und baute es zum zentralen Stützpunkt der portugiesischen Kolonialmacht in Indien aus. An ihrem Beginn stand die Zerstörung des Tempels des Saptakotisa durch die Portugiesen und die Errichtung einer Kirche an gleicher Stelle. Von hier nahm die Asienmission der Jesuiten unter der Führung von Franz Xaver ihren Ausgang, und hier liegt er auch begraben.

Gruß klaupo


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 Betreff des Beitrags: Re: Indien - Der Löwe von Goa
BeitragVerfasst: 11. Feb 2016, 03:01 
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Einfach nur toll! :whow:

Vielen Dank fürs Zeigen und Erklären! :appaus:

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 Betreff des Beitrags: Re: Indien - Der Löwe von Goa
BeitragVerfasst: 11. Feb 2016, 17:11 
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Professor

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Afrasi hat geschrieben:
Einfach nur toll! :whow:

Vielen Dank fürs Zeigen und Erklären! :appaus:


Da darf ich mich anschliessen.

Eine Frage: Wenn diese Münzen im Mittelalter geprägt worden sind und auf dem Revers eine 5 Zeilige Legende ist kann man davon ausgehen dass die Inder - einfache Menschen - in dieser Zeit des Lesens mächtig waren???
Ich denke da an die Mittelalerprägungen in Mitteleuropa -> da gab es nur bildliche Darstellungen (Herrscher, Tiere, etc.)!


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 Betreff des Beitrags: Re: Indien - Der Löwe von Goa
BeitragVerfasst: 11. Feb 2016, 19:30 
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Hofrat
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Spezie01 hat geschrieben:
Eine Frage: Wenn diese Münzen im Mittelalter geprägt worden sind und auf dem Revers eine 5 Zeilige Legende ist kann man davon ausgehen dass die Inder - einfache Menschen - in dieser Zeit des Lesens mächtig waren???
Ich denke da an die Mittelalerprägungen in Mitteleuropa -> da gab es nur bildliche Darstellungen (Herrscher, Tiere, etc.)!

Eine gute Frage! Verbindlich beantworten kann ich sie nicht, aber die Gesellschaftsstruktur dürfte sich damals vergleichbar derjenigen in Europa dargestellt haben. Im Hinduismus war die höchste Kaste die der Brahmanen – das waren die Schriftkundigen, vergleichbar den Klerikern in Europa. Ihnen nachgeordnet waren in absteigender Folge die Kriegerkaste, die Kaste der Händler und Hirten und schließlich das Dienstvolk. Letztere dürften leseunkundig gewesen und mit Gold kaum in Kontakt gekommen sein. Krieger, Händler und Hirten dürften sich am Münzbild und am Gewicht der Münzen orientiert haben – ähnlich wie in Europa bis in die Anfänge des 19. Jahrhunderts hinein. Ein Text wie auf der gezeigten Münze, der die Persönlichkeit des Münzherrn herausstellt, dürfte in erster Linie für die zeitgenössischen Eliten gedacht gewesen sein, für die gesellschaftlich nachgeordneten Nutzer genügte der Löwe.

Gruß klaupo


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 Betreff des Beitrags: Re: Indien - Der Löwe von Goa
BeitragVerfasst: 13. Feb 2016, 15:08 
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Doktor
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Hallo klaupo,

ein herrliches Stück mit feiner Goldpatina,

Gratulation und vielen Dank für diesen tollen Beitrag!

_________________
Beste Grüße,
zwanzger

Quaere et invenies


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 Betreff des Beitrags: Re: Indien - Der Löwe von Goa
BeitragVerfasst: 13. Feb 2016, 15:19 
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Doktor
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Hallo Spezie01,

klaupo hat geschrieben:
Ich denke da an die Mittelalerprägungen in Mitteleuropa -> da gab es nur bildliche Darstellungen (Herrscher, Tiere, etc.)!


diesen Satz kann man so nicht ganz stehenlassen!

Zwar gab es im mitteleuropäischen Raum sehr viele Pfennige, Brakteaten, Hälblinge etc., die reine Bilddarstellungen zeigen (vor allem im süddeutschen und österreichischen Raum), aber genauso viele Münzen, die Umschriften tragen.

Bestes Beispiel hierfür ist die Münze des mitteleuropäischen Raumes, der karolingische Denar bzw. Pfennig, der meistens bis auf ein Kreuz nur Buchstaben und das Karolusmonogramm aufwies.

Auch bei den Brakteaten, die teils herrliche Bilddarstellungen aufweisen, gibt es Stücke mit Umschriften, usw. usw. usw…….

Hier einige Beispiele:

http://www.acsearch.info/search.html?id=2466966
http://www.acsearch.info/search.html?id=2800005
http://www.acsearch.info/search.html?id=2538171

_________________
Beste Grüße,
zwanzger

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