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 Betreff des Beitrags: Ein Sultan zu Lande und zu Wasser
BeitragVerfasst: 13. Sep 2011, 19:10 
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Moin allerseits!

Hier mal ein nicht sonderlich schönes Münzlein, aber ein besonderes, denn es ist die erste eigene Münze des Sultanates der Malediven.

Auf der Vorderseite steht: Sultan des Landes (nämlich der Inseln des maledivischen Archipels) und des Meeres (nämlich des Indischen Ozeanes um dieselbigern herum und zwischen ihnen) Sultan

Auf der Rückseite steht: Iskandar (Alexander) al-Fakhr, geprägt auf Malé im Jahr (AH 10)70 (= AD 1660)

Ag 4,78 g
14,6 - 14,7 mm


Dateianhänge:
Maldives 1070 Larin Ag 4.78 g 14.6-14.7 mm.jpg
Maldives 1070 Larin Ag 4.78 g 14.6-14.7 mm.jpg [ 85.31 KiB | 5496-mal betrachtet ]

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BeitragVerfasst: 13. Sep 2011, 22:47 
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Danke für die Vorstellung eine sicher seltenen Stücks. (1660 waren die Malediven formal schon unter dem Protektorat der Niederlande, aber das Münzwesen scheint davon unbeeinflußt.)


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BeitragVerfasst: 14. Sep 2011, 16:23 
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Die Fremdherrschaften (Portugiesen, Niederländer und Briten) über das Sultanat haben sich bis 1960 numismatisch nicht niedergeschlagen. Lediglich die Münzen von 1913 wurden in zwei Varianten in Birmingham geprägt.

Hier noch ein interessantes Stück von AH 1319 ( AD1901), 2 Lariat aus Silber. Die Normalprägung war eine Bronzelegierung. Der Zweck dieser Prägung ist bislang ungeklärt. Man tippt auf Repräsentationsprägungen oder Probeprägungen. Letzteres ist wohl eher falsch, da alle bekannten Exemplare etliche identische, feine Stempelrisse zeigen. Andererseits wurde aber auch noch kein Bronzeexemplar gefunden, das mit diesem Stempel geprägt wurde ... Es bleibt also ein wenig rätselhaft!

Ag 13 mm
1,48 g


Dateianhänge:
Maldives 1319 2 Lariat Ag 13 mm 1.48 g.jpg
Maldives 1319 2 Lariat Ag 13 mm 1.48 g.jpg [ 66.28 KiB | 5474-mal betrachtet ]

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BeitragVerfasst: 14. Sep 2011, 21:04 
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Mal so aus dem Ärmel geschüttelt: Um 1904 muß es irgendwas mit dem Silberpreis gegeben haben, da gabs auch erst den großen Straits Dollar und dann den kleinen. Vielleicht sprang der erste Stempel nach wenig Prägungen, dann verzögerte sich die Angelegenheit und nun war das Silber zu teuer. (Das aufgeprägte Jahr wäre dann nicht das Prägejahr). Aber die Malediven liegen wirklich im Windschatten der Numismatik. Grüße, KarlAntonMartini


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BeitragVerfasst: 14. Sep 2011, 21:27 
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Hallo.!
Ich bin echt beeindruckt...auch wenn dieses Gebiet
*nur im Windschatten der Numismatik* ist.
( = Schöne Formulierung )
~~~~~~~~~~~~~~~
Aber.:
WAS mit dem Silberpreis um 1904 herum *passiert* ist...
( plus-minus 2 Jahre...also zwi 1902 und 1906 )
...kann man doch feststellen...oder.?

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Als Gott das Paradies schaffen wollte, nahm er sich Mauritius als Vorbild. ( Frei nach Mark Twain )


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BeitragVerfasst: 14. Sep 2011, 21:59 
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mauritius-man hat geschrieben:
Hallo.!
Ich bin echt beeindruckt...auch wenn dieses Gebiet
*nur im Windschatten der Numismatik* ist.
( = Schöne Formulierung )
~~~~~~~~~~~~~~~
Aber.:
WAS mit dem Silberpreis um 1904 herum *passiert* ist...
( plus-minus 2 Jahre...also zwi 1902 und 1906 )
...kann man doch feststellen...oder.?


Ja, wenn ich morgen wieder bei meinen Büchern sitze, werde ich die Hypothese nochmal prüfen. War erstmal so eine Idee.


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BeitragVerfasst: 14. Sep 2011, 22:44 
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KarlAntonMartini hat geschrieben:
Aber die Malediven liegen wirklich im Windschatten der Numismatik.


Das sind die Sammelgebiete, die ich besonders liebe. :whow: Es gibt aber einen kleinen Spezialkatalog von Tim Browder. Das Heftchen hat lediglich einen winzigen Fehler: Es ist von 1969. Ein bißchen hat sich da selbst in Lee der numismatischen Großsegel getan. In den beiden letzten Heften der ONS waren zum Beispiel Artikel über ausgewählte Münzen der Malediven. Derselbe Autor arbeitet auch an einem neuen Katalog über dieses durchaus spannende Sammelgebiet. Die Münze ganz oben im Thread sah er, der seit über 35 Jahren Malediven sammelt, zum ersten mal in seinem Leben wenigstens als Scan.

Ich bin sehr gespannt auf Dein Ergebnis betreffend die Silberpreiswirren!

Tschüß, Afrasi

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BeitragVerfasst: 15. Sep 2011, 12:19 
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Zunächst hat sich ergeben, daß die Gold/Silber-Relation sich um 1900 so gestaltete (für Südostasien jedenfalls):

1896 1 Pfund Sterling = 10 Dollars (US, mex., brit. Tradedollar)
1902 = 13,3 Dollars
1906 = 8,6 Dollars

Wir haben also nach 1902 ein deutliches Ansteigen des Silberpreises.

Das kann, muß aber nicht der Grund für das Absehen einer maledivischen Silberprägung gewesen sein.

Die Entwicklung des Larin sah so aus:

1660-1692 4,8 g Silber, damit entsprachen ca. 2,4 Larin einer Bombay-Rupie
1704-1834 4,8 g Billon, wobei der Standard nicht bekannt ist, vermutlich also eine Abwertung um die Hälfte
1835-1882 Ausprägung aller Münzen nur in Bronze
nach 1882 Währungsreform: 1 Larin (alt) wird 4 Lariat (neu), die alten ¼-Stücke liefen als 1-Larin um.

Unterstellt also, man hätte zum vor 1835 geltenden Standard zurückkehren wollen, hätte ein 4 (neue) Lariat-Stück ca. 2,2 g Feinsilber enthalten müssen. 2 Lariat also 1,1 g Feinsilber., d.h. Afrasis Stück müßte einen Feingehalt von ca. 750/1000el haben, damit das paßt. Der Außenwert einer solchen Währungsmünze wäre bis 1906 also um gut 55% gestiegen, das hätte vermutlich zu Turbulenzen (und zum Abfluß der Silbermünzen) geführt.

Es ist also sehr unwahrscheinlich, daß man tatsächlich vorhatte, den neuen Larin in Silber zu prägen. Nachdem diese Prägungen in Silber ja offenbar alle mit Stempelriß auftauchen, wäre es vorstellbar, daß die Silberprägung erst nach dem Ende der Bronzeprägung erfolgte? Immerhin war diese Serie wohl die letzte Prägung der alten Münze auf den Malediven, danach kamen nur noch die von Afrasi erwähnten Prägungen in Birmingham von ca. 1913, ein Larin und vier Lariat in Bronze. Dann war Schluß. Erst 1960 gab die Republik Malediven wieder eigene Münzen für das Land aus, mit der Einheit 1 Rupie = 100 Laari.

In Spink's' Br. & Col. Coins findet sich zum 4 Lariat-Stück die Bemerkung: A pattern or presentation piece is reported to exist in silver or with silver plating. Beim 2 Lariat-Stück steht sowas nicht.

Alles weitere müßte man wohl im Staatsarchiv der Malediven klären. Das wäre doch mal was für einen Numismatik-Doktoranden, dann brauchte er keine Bißspuren suchen. ;)


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BeitragVerfasst: 15. Sep 2011, 16:15 
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Moin!

Vielen Dank für Deine Recherchen und Gedanken!

Der Übergang zwischen den Phasen scheint aber nicht ganz so systematisch vonstatten gegangen zu sein.
Bis 1693 (AH 1105!) wurden zwar ausschließlich Silbermünzen geprägt. Unter Muhammad Imad al-Din al-Muzaffar bin Mohammed (AD 1704-1721 / AH 1116 - 1133) gab es jedoch noch bis 1133 Silbermünzen, aber schon 1122 die ersten Billonmünzen. Das Billon war sehr geringhaltig, manchmal war es auch mehr Bronze und selten auch mal Zinn. Einzig die Gewichte wurden ziemlich exakt eingehalten.
Die kleinen Stückelungen wurden zudem schon seit 1771 regelmäßig in Bronze geprägt.

Spannend finde ich auf jeden Fall die Sache mit dem Silberpreis-Hoch von 1902. Das ist ein Denkpfad, den weiterzugehen sich eventuell lohnen könnte.

Die Währungsreform gegen Ende des 19. Jahrhunderts könnte eventuell doch eine weitere Ursache für eine eventuell geplante Silberprägung sein. Zuvor gabe es nur noch winzige 1/4-Larin-Münzen, die zudem in - für maledivische Verhältnisse - in ungeheuren Mengen geprägt wurden, was man nicht nur durch Marktbeobachtung, sondern auch an Hand der großen Zahl der Stempelvarianten ersehen kann. Das Vertrauen in die Währung war sicherlich ziemlich im Keller gelandet. Als 1900 der neue Herrscher an die Macht kam, hat er vielleicht den Versuch machen wollen die Währung zu sanieren. Aber das ist natürlich alles Spekulation.

Gegen eine Prägung der 2-Lariat-Münze gegen Ende der Kupfermünzenprägung sprechen - trotz der Stempelrisse - zwei Dinge:
1. Es wurde noch keine Kupferprägung von diesem Stempel gesichtet.
2. Die Schrift auf den Stempeln sieht alles andere als "abgenudelt" aus.

Tschüß, Afrasi

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BeitragVerfasst: 15. Sep 2011, 18:06 
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Afrasi hat geschrieben:
Moin!

Gegen eine Prägung der 2-Lariat-Münze gegen Ende der Kupfermünzenprägung sprechen - trotz der Stempelrisse - zwei Dinge:
1. Es wurde noch keine Kupferprägung von diesem Stempel gesichtet.
2. Die Schrift auf den Stempeln sieht alles andere als "abgenudelt" aus.

Tschüß, Afrasi


Ich möchte die These noch verteidigen:

Wenn der Stempel noch ziemlich scharf war und trotzdem einen Riß hatte, müßte dieser Riß ja schon sehr bald nach dem Einsatz aufgetreten sein. Vielleicht hat man ihn dann weggelegt und mit anderen Stempeln weitergearbeitet. Als dann viel später nach Silberabschlägen gefragt wurde, war der gesprungene Stempel vielleicht noch der einzig verfügbare. Normalerweise soll eine Probe, die dann an höhere Stellen geht, doch gut aussehen, welcher Münzmeister liefert da eine von einem gesprungenem Stempel ab? Bei einer Prägung zB als letzte Aktion vor Toresschluß könnte ich mir so was eher vorstellen.

Die Malediven waren offenbar ein Hauptursprungsland von Kauri-Muscheln. 12.000 Kauris kosteten 1 Larin. Die Muscheln wurden von den Europäern gekauft, weil sie in Guinea im 18. Jahrhundert Hauptwährung des Sklavenhandels waren. - Um 1860 war der Kurs des Larin so weit gefallen, daß 200 auf eine Rupie gingen. (Das bezieht sich wohl auf den "kleinen" also halben Larin).

Noch ein paar Lesefrüchte über dieses - wie ich meine spannende Thema: Die Währungseinheit Larin ist bezeichnet nach der Stadt Lar (Laar) in Persien. Deren Geld war wohl im Spätmittelalter (also vor Ankunft der Europäer) eine Handelsmünze im Verkehr zwischen Persern und Arabern und wurde dann auch in Indien, Ceylon und eben den Malediven nachgeahmt. Ursprünglich handelte es sich um Stücke aus verzwirbeltem Silberdraht, die in eine Angelhakenform gebogen wurden und einen Stempel erhielten. (nach: Voyage de François Pyrard de Laval : contenant sa navigation aux Indes orientales, Maldives, Moluques, et au Bresil, et les divers accidens qui lui sont arrivez en ce Voyage pendant son séjour de dix ans dans ces Pais. (Paris, o. J.); Pyard war ein französischer Kapitän, der 1602 auf einer Insel der Malediven strandete und dort sechs Jahre als Gefangener zubrachte. Er lernte dort die Landessprache und war viel am Hof des Sultans.) Lar war dazumal die Hauptstadt des Königreichs Laristan und ein bedeutender Handelsplatz mit Münze, nach 1600 wurde das Land von den Persern erobert und ist so ziemlich vergessen, nichtmal die Wikipedia kennt es mehr.


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