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 Betreff des Beitrags: Re: Reise nach Nepal 1979
BeitragVerfasst: 3. Dez 2010, 22:01 
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Lieber Ginkgo!

Danke auch für diesen Teil der Reise.

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 Betreff des Beitrags: Re: Reise nach Nepal 1979
BeitragVerfasst: 4. Dez 2010, 11:20 
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Lieber Freund!

Einfach nur WOW! :appaus:

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freundlichst
payler
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„Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont.“
Konrad Adenauer


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 Betreff des Beitrags: Re: Reise nach Nepal 1979
BeitragVerfasst: 5. Dez 2010, 10:53 
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Tjo auch ich kann nur immer wieder meine Begeisterung und Bewunderung kundtun, eine einfach spektakuläre Reise , die extrem gut dokumentiert wurde :appaus: :appaus:
Freu´mich schon auf die Berichte der Rückfahrt :alarm:
Herzlichst
Gerhard

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 Betreff des Beitrags: Re: Reise nach Nepal 1979
BeitragVerfasst: 5. Dez 2010, 12:23 
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k&k Hoflieferant, Professor

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Die Reise nach Westen geht weiter.


10. Die Rückreise

Indien

Die Abfertigung auf der Indischen Seite dauerte zweieinhalb Stunden. Wir fuhren dann ohne Pause die ganze Nacht hindurch direkt nach Delhi, unserer Zeitplanung hinterher. Die Fahrt war nicht ganz ungefährlich. Die Fußgänger liefen grundsätzlich auf der Mitte der Strasse. Tiergespanne und auch LKW´s fuhren ohne Licht. So, als würde Licht etwas kosten. Erst im letzten Moment blendeten sie auf, dann gleich mit sechs und mehr Scheinwerfern. Wir waren in diesen Momenten der Erblindung sehr nahe. :shock: Wir hatten uns dieser Fahrweise angepasst, obgleich uns immer noch ein Schreck in die Glieder fuhr.
In Katmandu hatten wir aber als Antwort auf die „Lichtangriffe“ unsere Scheinwerfer „besser“ eingestellt und konnten adäquat antworten. :mrgreen:
Die LKW´s wichen nicht aus, konnten sie auch nicht, die Straßen in der Mitte erhöht, die Seitenstreifen nicht befestigt und die Fahrzeuge zweifach überladen. Wir würden in jedem Fall den Kürzeren ziehen.

Wir brauchten 16 Stunden für 900 Kilometer, ein guter Schnitt. Alle drei bis vier Stunden wechselten wir uns ab. In Lucknow gingen wir essen und tranken Unmengen Mineralwasser, unser Trinkwasser reichte nicht mehr.

In Delhi wollten wir uns wieder neue Visa besorgen, für Afghanistan, Pakistan und Iran. Wir erfuhren, Visum für Iran ist nicht mehr erforderlich und für Afghanistan müssen wir es in Peschawar besorgen. Wir ließen Passbilder machen, echte Ganovenfotos, kein Wunder wenn da etwas schief gehen würde. Wir kamen um 8.15 Uhr in Delhi an und konnten um 15.00 Uhr weiterfahren. Wir hielten ca. 100 Km vor Amritzar und übernachteten direkt an der Straße.
Wir tankten mal wieder, Benzin war gerade zu bekommen und fuhren weiter. Was wir zunächst nicht bemerkten, der Tankverschluss wurde nicht wieder aufgeschraubt und ist mit samt dem Schlüssel verloren gegangen. Den Tankverschluss hatten wir ersetzen können, aber die Schlüssel, einschl. Zündschlüssel waren verloren.

Wir kamen durch Amritzar und unsere Gedanken waren beim Viehmarkt und dessen Nebenerscheinungen. Nicht alle Insekten hatten mitbekommen, dass der Viehmarkt vorbei war. Wir erreichten die indische Grenze und kamen relativ einfach nach Pakistan.


11. Die Rückreise

Pakistan

Der Pakistanische Zoll in Attari war gnädig und ließ uns schon nach zwei Stunden passieren, wir mussten allerdings erst eineinhalb Stunden „vorwarten“, weil die Grenze noch geschlossen war. Die Grenzer schnorrten wieder Musikkassetten und machten dabei wieder sehr lange Finger durch die offene Scheibe. Diese mal waren wir ja vorgewarnt und legten die leeren Hüllen, der bereits gestohlenen Kassetten in „Griffweite“. Nun hatten die Grenzer auch die zugehörigen Verpackungen bekommen. Es war so einfach, die Leute glücklich zu machen. :mrgreen:

In Lahore hatten wir Visa für Afghanistan bestellt und nach drei Stunden bekommen, gegen eine kleine Gebühr natürlich. Dann reisten wir weiter, dem Khyberpass entgegen. Die Landschaft zeigte sich uns ähnlich, wie bei der Hinreise, die Mohnfelder standen noch in voller Blüte. Wir nahmen uns nicht mehr viel Zeit für Stopps oder große Pausen. Die Sorgen, nicht an der Grenze (Iran) weiter zu kommen, zwang uns zu einer straffen Vorgehensweise und Disziplin. Allerdings ließen uns, durch die langen Strecken, bzw. Fahrzeiten, unsere physischen Kräfte auch mal pausieren. Wir übernachteten noch in Peschawar, nachdem wir 13 Stunden durchgefahren waren.

Die Grenzüberschreitung verlief relativ problemlos.


12 Die Rückreise

Afghanistan

Wir sind an diesem Tag nach Kabul gefahren, darauf freute ich mich schon, weil die Stadt eine große Faszination auf mich ausübte. Ich habe bis heute nicht ergründen können, warum.
Auf dem Weg nach Kabul übersahen wir eine Straßensperre, die vom Militär errichtet worden war und durchbrachen sie fast. Die Soldaten gingen sofort in Stellung, wir konnten aber doch noch rechtzeitig stoppen und das Missgeschick aufklären. Es entstand ein kleines Palaver, dann konnten wir weiter. Das machte uns mal wieder bewusst, wo wir eigentlich sind und mit welchen Problemen wir jederzeit rechnen müssten.

In Kabul kauften wir die Dinge ein, die wir mit in die Heimat nehmen wollten. Dazu zählten besonders Tee und Gewürze. An den Gewürzen konnte ich mich nie satt sehen, der Duft und die Farben fesselten mich. Im Basar tauschten wir Geld, Dollar, Schecks und indische Rupie in afghanisches Geld. In einer Teestube frühstückten wir. Mein Freund tauschte noch etwas für einen kleinen Teppich ein, dann ging die Fahrt nach Herat los.
Auf der Strecke waren allenthalben Militärposten und Straßensperren. Immer wieder Durchsuchungen, Papiere kontrollieren und Backschiss, Backschiss, Backschiss. Auch waren die Soldaten regelrecht gierig auf Alkohol. Wir hatten keinen Schnaps dabei und machten es wie die Soldaten auf der Hinfahrt. Eine Flasche Wasser, besonders wertvoll als „Zauberwasser“ angepriesen, und wir konnten weiter. Entsprechend schnell verschwanden wir. :mrgreen:

Auch reichte unser Geld nicht und wir wollten in Kandahar wechseln. Die Banken waren alle geschlossen. Wir fuhren weiter. Mitten in der Wüste haben wir dann an einer Tankstelle Geld wechseln können. Der „Halsabschneiderkurs“ betrug 1:32, regulär wären es 1:42 gewesen. Aber wir brauchten Sprit und tauschten 40 Dollar in Benzin.
Unsere Rückreise wurde 80 Kilometer vor Herat gestoppt. Herat ist geschlossen, keine Weiterfahrt möglich. Später erfuhren wir, es gab kriegerische Auseinandersetzungen. Am nächsten Tag konnten wir vormittags weiter fahren.
Vorher tranken wir in einer Kaverne oder Kneipe, wie man das auch immer betrachtete, einen schönen Tee.
Die Tees in Asien wurden mit Teeblättern, Milch, Zucker und Butter zubereitet. An sich schön, wenn nur nicht die Butter immer ranzig gewesen wäre, aber daran hatten wir uns gewöhnen müssen.

Wir wurden wieder angehalten, kurz vor Herat, Auto durchsucht, nichts gefunden, keinen „Schnaps“ geklaut und konnten weiter.
Herat hatten wir uns nicht genau angesehen, sahen nur vereinzelte Zerstörungen im Vorbeifahren. An der Grenze zu Iran war erst einmal wieder Pause. Iran hatte die Grenze geschlossen. Es war zwar erst 9,30 Uhr, aber die Grenze war zu. Der afghanische Grenzoffizier stempelte unsere Papiere auch nicht ab, bevor die Grenze auf der iranischen Seite wieder geöffnet würde.
Wir verbrachten also den Tag mit Nichtstun. Am nächsten Tag wurde die iranische Grenze wieder geöffnet, wir bekamen unsere Stempel von der afghanischen Seite und fuhren weiter zum iranischen Grenzposten.


Soweit der Abschnitt vorderer Orient.
Die Rückfahrt verlief trotz aller Umstände schneller.

Ginkgo

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"Wenn über das Grundsätzliche keine Einigkeit besteht, ist es sinnlos, miteinander Pläne zu machen." Konfuzius


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 Betreff des Beitrags: Re: Reise nach Nepal 1979
BeitragVerfasst: 5. Dez 2010, 12:44 
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Lieber Ginkgo!

Da hab ich herzlich lachen müssen:
Ginkgo hat geschrieben:
Die Fahrt war nicht ganz ungefährlich. Die Fußgänger liefen grundsätzlich auf der Mitte der Strasse. Tiergespanne und auch LKW´s fuhren ohne Licht. So, als würde Licht etwas kosten. Erst im letzten Moment blendeten sie auf, dann gleich mit sechs und mehr Scheinwerfern. Wir waren in diesen Momenten der Erblindung sehr nahe. :shock: Wir hatten uns dieser Fahrweise angepasst, obgleich uns immer noch ein Schreck in die Glieder fuhr.

Genau aus diesem Grund beschreibt unser indischer Kollege aus dem Mercedes-Werk in Pune die Situation auf den indischen Straßen mit "Never relax too much while driving".
Auf unsere Frage, was er damit genau meint hat er genau die Erlebnisse berichtet, die auch du beschrieben hast.

Klosterschüler

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 Betreff des Beitrags: Re: Reise nach Nepal 1979
BeitragVerfasst: 6. Dez 2010, 17:36 
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k&k Hoflieferant, Professor

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Die Reise geht weiter.


13. Die Rückreise

Iran

Die iranische Grenze war entgegen unserer Annahme immer noch geschlossen. Wir kamen dort um 8.00 Uhr an. Wir waren nicht die einzigen an der Grenze. Alle ausländischen Transporteure und Kleinhändler standen vor dem gleichen Problem und umlagerten den Grenzposten. Es gab auch lautere Töne, deren wir uns allerdings enthielten. Um 11.00 Uhr wurde die Grenze geöffnet, aber die Kontrollen verliefen schleppend. Wir wurden sehr sorgfältig durchsucht. Auf der Suche nach Rauschmitteln wurden alle Hohlräume durchsucht, die Lüftungsgitter abmontiert, der Tank mit einem Draht durchstochert. Auch die Luft aus den Reifen wurde abgelassen und abgeschnüffelt. :alarm: Es soll ja auch Gummifetischisten gegeben haben.

Wieder brauchten wir Geld, hatten immer nur für das Notwendigste getauscht. Die Bank war zu. Freitags ist Feiertag, auch an der Grenze. Wobei der Hintergrund sicherlich ein anderer war. Auch an den Tankstellen war es nicht möglich, an iranisches Geld zu kommen. Irgendwann bekamen wir an einem Hotel in der Ortschaft Bojnurd die Möglichkeit, Geld zu tauschen. Erstaunlicherweise wollten sie immer Dollar haben. Das Geld vom Erzfeind USA wurde offensichtlich differenziert zur Revolution betrachtet und gerne genommen. :twisted: Wir bekamen um 21.00 Uhr dann also Geld getauscht. Im Hotel Bojnurd`s Inn schlugen wir gleich etwas für ein Essen um.
Wir fuhren weiter, bis etwa 80 Km vor Teheran und übernachteten irgendwo am Straßenrand. Die Übernachtungsplätze an den Polizeistationen waren uns auch nicht mehr so sicher, daher war es uns egal und wenn wir so provokativ in der Wüste stehen, sollte das ohne Probleme möglich sein.

Schon bei der Abreise in Nepal überlegten wir uns, wie die Rückfahrt sein könnte ... Bei der Entscheidung, wie und welche Strecke wir wieder Richtung Heimat fahren wollen würden, überkam uns beide ein ungutes Gefühl, bis hin, geht es auch anders; mit dem Schiff, Auto verschiffen oder Auto verkaufen und Flugzeug. Nun, alles wurde kraus überlegt und zugleich wieder verworfen.
Wir entschieden uns, mit dem, was wir schon alles so erlebt hatten, könnte es nicht viel schlechter werden, wenn wir den direkten Weg mit den Auto nehmen würden.
Also keine Umwege, sondern direkt durch die Problemzonen. Als wir das kurz vor der Heimreise beschlossen, begannen die Adrenalinspiegel wieder das „normale Maß“ zu erreichen. Wir sahen uns an, und meinten, ohne Worte, dass wir ziemlich durchgeknallt sein müssten und/oder zu viel Sonne abbekommen hätten. :? So glaubte ich zumindest, meinem Gegenüber das aus seinen Augen abgelesen zu haben, so war jedenfalls mein Empfinden. Wir sprachen die zu erwartenden Probleme natürlich durch, aber mehr so nebenbei, wir waren schließlich gestandene Männer und wüssten wie es läuft ....
:roll:

Wir fuhren am Morgen nach dem Tee weiter nach Teheran. Wir genossen den morgendlichen Tee ganz bewusst, würden wir doch in einer Stunde die Hauptstadt Irans erreichen und durchqueren zu versuchen.
Wir kamen in Teheran an, absolutes Verkehrschaos, fast ein Kollaps. Die Leute mit denen wir um die Vorfahrt kämpften waren durchweg nett und freundlich, es gab natürlich Ausnahmen, die uns verteufelten. :twisted: Die gesamte Stadt war zumindest sichtbar zerstört. Alles was irgendwie westlich aussah, war in Schutt gelegt. Überall Einschüsse, zerstörte Fassaden und Denkmäler, geplünderte Geschäfte, Revolutionswächter in Uniformen, welche auch immer, an jeder Kreuzung. Wir waren schon ziemlich weit durch die Stadt gekommen, kamen an der Universität vorbei und ... wieder ein Plattfuß.
Die Studenten demonstrierten lautstark wie bei uns in Europa, mit Plakaten und Spruchbändern, es fand gerade ein großer Aufmarsch statt. Männer mit großer Klappe und Frauen auch, mit Kopftüchern. Wir also ganz ruhig, Reifen vom Dach, die anderen waren schon platt, Reifen gewechselt, zur Sicherheit noch aus dem Kanister nachgetankt und unberührt alles wieder verstaut und weiter gefahren. Eben ein ganz normaler Vorgang. :) Zwischendurch wurden wir angesprochen, ob wir das Auto verkaufen möchten, wollten wir nicht.
Dann ging es weiter, am Denkmal vorbei und langsam aus der Stadt raus. Wir waren tatsächlich durchs Zentrum gefahren und unbehelligt durchgekommen. Wir fuhren weiter und sahen unterwegs weitere Zerstörungen in den Städten. Revolutionswächter (ich nenne sie mal so) waren überall. Man erkannte sie an der Bewaffnung, der Verhaltensweisen und ihrer Kleidung. Irgendwie hatten alle irgendwas olivgrünes an. Solche Jacken hatten wir auch auf der Hinfahrt an, sie hatten versucht uns diese Jacken abzuschwatzen, konnten wir aber verhindern. Sie wollten diese Jacken oder Parka als Symbol haben, wir wollten sie als praktisches Kleidungsstück behalten. Sie wurden auf der Rückfahrt im untersten Fach verstaut.

Bei einer kurzen Pause wurden wir von einem Mann angesprochen und gefragt wo wir hinwollten. Wir erklärten das genauso freundlich wie wir angesprochen wurden. Es war ein nettes Gespräch, er schrieb sogar einige Wörter und Zahlen auf, damit wir uns verständigen könnten. Er hatte auch seine Adresse darauf notiert, wir würden ihm dann eine Nachricht senden, wenn wir zurück wären. Zum Schluss riss er jedoch seine Adresse aus dem Zettel raus. Er hätte Sorge, wenn das rauskäme, dass er mit uns Kontakt hatte, sie ihn drangsalieren oder Schlimmeres geschehen könnte. Der Frage, wen er mit „sie“ meinte, wich er aus.
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Wir fuhren weiter in die Nacht hinein. In den Ortschaften, die wir durchfuhren, brannten Lagerfeuer auf den Straßen, vorwiegend Autoreifen. Wir kurvten um diese Feuer rum, wurden erstaunlicherweise kaum behelligt. Vielleicht hatte das bisher noch keiner gewagt und wir wussten das nicht.
In Tabris wurden wir angehalten. Überall Lagerfeuer auf der Straße. Wir wurden in ein Gespräch verwickelt, im Kern mit der Frage, was haltet ihr von der Revolution, vom Schah, von Hitler, den Juden und Khomeini.
Uns wurde geraten, nicht weiter zu fahren, in den Bergen sei es zu unsicher, dort würde die ganze Nacht über geschossen. Nach einer längeren Diskussion und viel Tee am stinkenden Reifenfeuer übernachteten wir direkt auf der Straße im Auto. Uns wurde gesagt, wir sollten hier bleiben und im Schutze von Khomeini übernachten, wir beugten uns der „Fürsorge“. An Schlaf war nicht zu denken. Maschinengewehrsalven ertönten in der Nacht, einzelne Schüsse waren zu hören und was uns ganz schwer fiel, wir glaubten auch Vergewaltigungen zu hören, ganz in der Nähe.
Im Morgengrauen verschwanden wir. Auch die Revolutionäre mussten mal schlafen.
Wir schafften es relativ unbehelligt zur Grenze der Türkei. In den Bergen hatten wir mit Problemen gerechnet, glücklicherweise traten diese nicht ein. Der iranische Zoll machte uns unerwarteter Weise keine Probleme, dauerte zwar etwas, aber wir wurden ordentlich behandelt. Bei der Hinreise sah das anders aus. Die Papiere wurden abgestempelt und weiter ging es zum türkischen Zoll.

Wir überstanden dieses Stück der Reise besser als vermutet.

Ginkgo


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 Betreff des Beitrags: Re: Reise nach Nepal 1979
BeitragVerfasst: 8. Dez 2010, 15:03 
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k&k Hoflieferant, Professor

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Wir nähern uns dem Ende der Reise.
Das vorletzte Kapitel führt noch wieder durch die Türkei nach Europa.


14. Die Rückreise

Türkei

Der türkische Zoll, eine Zollbeamtin mit reichlich Gewicht, zeigte uns, was die Iraner bei der Hinreise mit uns machten: Die Arroganz der Macht in Person, sie spielte sich auf, als sei sie eine Königin (oder so) schlechthin. Das herbe Verhalten zeigte sich, als bei einem LKW die offene Ladung untersucht wurde und sie nicht auf die Ladung steigen konnte und Hilfe benötigte. Sie pfiff die „Untertanen“ zusammen und alle machten Diener. Sie kam nicht wieder runter und wir lachten uns insgeheim kaputt. :lol: Anderen ging es ähnlich.

Nach einiger Zeit und mehreren Versuchen, endlich abgefertigt zu werden, brach in mir die Unfreundlichkeit durch. :evil: Ich machte unmissverständlich klar, dass ich jetzt oder mit botschafterlicher Hilfe, die sofortige Abfertigung erwarte. Immerhin war über zwei Stunden nichts geschehen, sie hatte in dieser Zeit weder ein anderes Fahrzeug abgefertigt noch war eine „soziale Pause“ erkennbar. Ich glaubte mich ziemlich weit über den Tresen gebeugt zu haben und meinem Wunsch nach Abfertigung entsprechenden Ausdruck verliehen zu haben. Ich konnte natürlich eine große Klappe riskieren, die großen Gefahrenpunkten lagen hinter uns. Ich konnte meine Anspannungen der Rückfahrt wunderbar ablassen. :mrgreen:

Mir war klar, das würde eine „Gesamtreinigung“ des Autos bedeuten. Aber mir ist schlicht bei dieser Frechheit und Arroganz der Kragen geplatzt.
Ich verlangte meine Papiere und ... bekam sie. Sie drosch einen Stempel in die Papiere, machte einen Kringel dazu und wünschte gute Reise. Das Auto wurde weder angesehen, noch durchsucht.
Angemessen grimmig fuhren wir los und bekamen bald darauf die Rache zu spüren. Wir hatten den nächsten Plattfuß und der letzter Reifen mit Luft wurde montiert. Bei nächster Gelegenheit sollte der Pneu geflickt werden. Wir fuhren dann eine Werkstatt an, die verwiesen auf einen „Reifenflicker“. Dann fanden wir einen. Der Preis war dermaßen überzogen, dass wir ihm sagten, wir wollten nicht seine Werkstatt kaufen. Er begann zu handeln, aber der Preis war so unverschämt (etwa 20-fach), dass wir weiter fuhren. Er lief uns noch hinterher, wir grüßten freundlich und er ärgerte sich hoffentlich. Hoffentlich halten unsere Reifen weiter durch, aber diesem Gauner wollten wir das nicht gönnen.

Wir übernachteten wieder an den TIR Plätzen, Balkantransport genannt. In Sivas hatten wir immer noch keinen Reifen flicken lassen und unser Benzin ging zur Neige. Wir hatten noch 40 Liter, das würde nicht bis Istanbul reichen. Alle Tankstellen waren ohne Treibstoff. Wir fragten nach, wie es mit Nachschub aussah. Ein paar Einheimische, die in den Schlangen standen, sagten uns, sie stehen jetzt schon 20 Tage hier und haben immer noch kein Treibstoff.
Wir hatten ein richtiges Problem. Irgendwie bekamen wir über einen freundlichen Türken einen Kontakt zu einem Beamten. Dem schilderten wir unsere Misere. Er war befugt, uns einen Schein auszuschreiben, mit dem wir auch an einer leeren Tankstelle eine Tankfüllung bekommen könnten. Er schrieb so einen speziellen Schein aus. Wir zur Tankstelle und ... „bitte volltanken“. Wieder gab es Probleme, ein Stempel wäre erforderlich gewesen, der fehlte. Langes Palaver, aber wir bekamen den Sprit, eine knappe Tankfüllung, unter bösen Blicken der Warteschlange. Mit der Füllung und etwas Reserve auf dem Dach würden wir es bis Ankara schaffen. Wir bedankten uns ganz freundlich, auch an die Wartenden in der Schlange und fuhren Richtung Istanbul. :)

Wir übernachteten auf einem Campingplatz, der vierte und fünfte Reifen ist platt und einer der vier montierten Reifen verliert langsam Luft. Die Strecke durch die Türkei war bis Itzmit, wie schon auf der Hinreise, sehr desolat. Wir fuhren zwar auch mal andere Routen, aber die Straßen waren nicht besser. Von Itzmit führen wir die alte Straße durch die Berge. Eine wunderschöne Landschaft, bergig und bewaldet. Auf dieser Strecke standen wir dann gut eine Stunde nach Benzin an. Unser Tank war völlig leer und die Vorräte aufgebraucht. Wir bekamen dann 25 Liter Sprit und konnten damit in die Hauptstadt kommen.

Der zweite Reifen verlor langsam Luft und wir mussten handeln. Reifen flicken war teuer und wir entschieden, einen gebrauchten Reifen mit Schlauch zu kaufen.
Wir übernachteten in Istanbul und fuhren am nächsten Tag zur Grenze nach Griechenland.

Wir sind also wieder in Europa angekommen.
Ein kleines Kapitel wird noch folgen, dann habt Ihr es geschafft.

Ginkgo

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 Betreff des Beitrags: Re: Reise nach Nepal 1979
BeitragVerfasst: 8. Dez 2010, 16:45 
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Lieber Ginkgo!

Die Geschichten mit den geflickten Reifen kenn ich aus Erzählungen meines Vaters, der mit einer Ente (2CV) zusmmen mit einem lieben Kollegen durch die Türkei kutschiert ist. Die schmalen Reifen der Ente waren natürlich auch dauernd kaputt und die beiden konnten in Rekordzeit das Rad wechseln.

Olaf

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 Betreff des Beitrags: Re: Reise nach Nepal 1979
BeitragVerfasst: 9. Dez 2010, 16:49 
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k&k Hoflieferant, Professor

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Liebe Reisegesellschaft.

Die Reise neigt sich dem Ende zu. Ich hoffe, die Fahrt war angenehm und hat keine bleibenden Schäden hinterlassen. :mrgreen:


15. Die Rückreise

Griechenland – Jugoslawien – Österreich – Deutschland

Die Grenzformalitäten verliefen recht reibungslos. Wir übernachteten auf dem Campingplatz in Fanari und genossen ein ausführliches Duschbad. Die Rückreise verlief also besser als erwartet. Wir hatten dadurch und durch unsere Fahrweise (teilweise rund um die Uhr im ca. vier Stunden Wechsel) enorm an Zeit gewonnen. Also, was lag da näher, als ein paar Tage ausspannen. Wir zweigten auf dem Weg nach Westen auf die Insel Thassos ab.
Auf dem Weg dahin hielten wir an der Straße mal zwischendurch an, Beine vertreten und so. Es roch sehr stark und sehr unangenehm. Wir dachten, hier hält wohl jeder an, wie wir auch.
Im hohen Gras bewegte sich etwas. Da wir einiges gewohnt waren, liefen wir nicht weg, sondern hin. Da sahen wir den kleinen Stinker, eine Wasserschildkröte, die auf dem Weg zum Wasserloch war. Wir waren uns einig, um schöne Fauna und Flora zu entdecken, bedarf es nicht unbedingt einer großen Pause und das Schälen von Kartoffeln. (Wer aufmerksam war, versteht das). :lol:

Wir fuhren mit der Fähre in 45 Minuten auf die Insel, errichteten unser Quartier auf einem Campingplatz und verweilten fünf Tage auf der Insel. Wir erkundeten die Insel und sahen uns überall um. Auf dem Platz waren wir praktisch allein, es gab außer uns nur noch ein weiteres Fahrzeug. Auf diese völlige Ruhe mussten wir uns erst einstellen. Die fünf Tage vergingen relativ schnell und es war die Zeit gekommen, wieder weiter Richtung Heimat zu fahren. Die Rückfahrt von der Insel nach Kavala dauerte 75 Minuten. Entweder hatte sich die Fähre verfahren oder es war starker Gegenwind.

Wir fuhren nach Nordwesten und wollten Albanien in Jugoslawien dicht umfahren. An der griechischen Grenze, wir hatten das Gefühl, es sah ähnlich aus, wie an den asiatischen Grenzen, glaubten wir etwas von Wüste zu erkennen. Der Unterschied, jedoch war, dass die Abfertigung wesentlich professioneller zu ging. Wir übernachteten irgendwo auf einem Parkplatz.
Nach 700 Km kamen wir in Plitwitz mit seinen berühmten Seen an (Winnetou lässt grüßen). Die Fahrt dahin verlief einigermaßen spannend. Wir nahmen unbewusst die schönste Route. Mitten durch die Pampa, Berge, keine Straßen, nur Sandwege und dunkle Gestalten. :alarm: Unser Kartenmaterial war vergleichbar mit einer Wanderkarte für die Wüste. Irgendwann kamen wir an eine Hauptstraße und konnten uns wieder orientieren. Unser Kompass hatte nicht wirklich helfen können.

Wir kamen im Naturschutzgebiet Plitwitz an; mit dem siebten Platten.
Zwei Tage blieben wir und genossen dieses landschaftlich reizvolle Seenparadies. Wir aßen am Abend leckeren Fisch, ganz frisch zubereitet und nicht ganz legal erworben.
Wir fuhren am späten Nachmittag, so gegen 17.00 Uhr weiter Richtung Österreich und übernachteten eine halbe Stunde vor Wien auf einem Autorastplatz. In Wien kamen wir am späten Vormittag an. Die Grenzformalitäten verliefen völlig problemlos.
In Wien blieben wir zwei Tage und sahen uns die üblichen Touristenattraktionen an.
Dann fuhren wir ins Heimatland.

An der deutschen Grenze benötigten wir etwa eine Stunde für die Grenzformalitäten. Und, was soll ich sagen, wir waren wieder zu hause und fühlten uns wieder so richtig wohl!
Die Zöllner schätzten den kleinen Teppich meines Freundes auf 100 DM, Zoll 10 DM; Schnaps aus Österreichl; Tee aus Nepal, weil wir den nicht angegeben hatten, also doppelter Zoll. :headbang:
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30_Zollabgaben.jpg [ 19.16 KiB | 2083-mal betrachtet ]

Wir fuhren mit dem Zöllner wegen der Abrechnung mit dem Fahrstuhl ins Büro, ich muss sagen, es gab eine so heftige Auseinandersetzung, dass nur die kurze Fahrt mit dem Aufzug alle vor einer Eskalation rettete. :evil:
Mit einer gehörigen Wut im Bauch fuhren wir noch zum Tegernsee. Dort hatten wir erfahren, es sei Vatertag und Ostern sei schon lange vorbei.
Dann fuhren wir wieder in den Norden, der Heimat entgegen. Wir kamen zum Abend an, ich brachte meinen Freund noch nach Hause und dann begann ich meine Sachen auszupacken. Es war Samstag.

18. Die Ankunft

Nachwirkungen

Kaum, dass ich eine halbe Stunde zurück war, rief die Frau meines damaligen Partners an, es gebe Probleme und sie müsse unbedingt mit mir reden. Okay, ich fuhr hin, nach 40 Minuten war ich da.
Weiteres nur in Kurzform: Mein Geschäftspartner hatte schon zwei Tage nach meiner Abreise gewettert, wie ich ihn für so lange Zeit im Büro allein lassen könnte; ihr Mann (mein Partner) hat sie verlassen, neue Freundin und so weiter .. ja, volles Programm eben ..
Unsere Partnerschaft schleppte sich noch ein Jahr so hin, dann war Schluss.

Ich bin recht jung nach Asien gefahren und ein Stück reifer zurück gekommen. Meine Erfahrungen waren und sind auch heute noch, von unschätzbarem Wert. Gewisse Dinge würde ich heute natürlich anders machen. Hätte ich die Fahrt im Vorfeld wirklich bis ins Detail durchgeplant und jedes Wenn und Aber genau abgewogen, wäre ich nach meinen gemachten Erfahrungen wohl nicht bis nach Nepal gekommen. Flexibilität und Spontaneität haben mir Lösungen aufgezeigt und mich bei vielen Problemen weitergebracht. Auch eine Portion gesunder Menschenverstand stand hilfreich zur Seite. Gelernt habe ich auch, mich nicht ins „Boxhorn“ jagen zu lassen. Verinnerlicht habe ich daraus, wer aufgibt, hat verloren, wer nicht aufgibt, kann gewinnen.

19. Statistik

Insgesamt fuhren wir auf dieser Reise 23.361 Kilometer.
Reisedauer 69 Tage
Reisekosten etwa 2.200 DM pro Person
Mark zum Dollar 1 DM zu ca. 1,85 $

Wechselkurse 1979 für 1 DM

Österreich 7,35 Schillinge
Jugoslawien 9,81 Dinar
Bulgarien 0,47 Lew
Türkei 14 Lira
Iran 42 Rial
Pakistan 5,16 Rupie
Afghanistan 23 Afs
Indien 4,23 Rupie
Nepal 6,28 Rupie
Griechenland 19 Drachmen

Damit die Reise auch etwas mit Münzen zu tun hat, ein kleines Andeken für uns alle.
Dateianhang:
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Die Reise ist um. Ich bedanke mich für die aufmerksame Mitreise.

Liebe Grüße

Ginkgo

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 Betreff des Beitrags: Re: Reise nach Nepal 1979
BeitragVerfasst: 9. Dez 2010, 17:04 
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:appaus: Lieber Rainer :appaus:

Ich möchte mich nochmals und aus ganzem Herzen für diese famose Berichterstattung bedanken.

Liebe Grüße aus Wien
sendet
Gerhard

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