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 Betreff des Beitrags: Tansania -" Mittellandbahn" 2002
BeitragVerfasst: 11. Jul 2010, 19:11 
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Liebe Freunde,

es wird langsam einmal wieder Zeit, daß an dieser Stelle ein Reisebericht zu Afrika erscheint. Wie üblich, übernehme ich mit Freude diese Aufgabe. Aber auch diesmal werden Münzen nur eine Randerscheinung bilden, es geht vor allem um die Eisenbahn. Aber ich werde mich – wie immer – bemühen, auch ein paar Münzen einzustreuen, sofern es passt, damit zumindest ein paar Leute bis zu Ende lesen. Ich warne schon einmal vor: Dieser Text wird noch länger sein als die vorhergehenden.

Es geht um eine Reise, die ich im August/September 2002 per Bahn von Dar Es Salaam zu den “Großen Seen“ gemacht habe. Damit sind der Tanganyika-See und der Viktoria-See gemeint. Zwei Binnenseen in Afrika, die schon die frühen Forscher wie Livingstone, Burton und Speke herausgefordert haben. In der heutigen Zeit kann man diese beiden Ziele mit der Tansanischen Staatsbahn erreichen, aber man muß schon ein wenig afrikanisches Gespür haben, um eine solche Tour mit Genuß und ohne ständiges Fluchen über die obwaltenden Umstände absolvieren zu können.

Der Bau der “Mittellandbahn“ vom Indischen Ozean zum zentralafrikanischen Lake Tanganyika wurde 1905 in der Hafenstadt Dar Es Salaam begonnen und 1914 mit Erreichen des 1252 km entfernten Kigoma vollendet. Die in Tabora abzweigende Bahnlinie nach Mwanza am Lake Victoria wurde zwar schon zu deutscher Kolonialzeit geplant, aber erst durch die Briten 1928 fertiggestellt.

Zu den großen Seen nach Kigoma und Mwanza ging es Anno 2002 ab Dar Es Salaam viermal in der Woche: dienstags, mittwochs, freitags und sonntags. Der Zug verläßt die heimliche Hauptstadt Tansanias um 17 Uhr nachmittags und erreicht Kigoma am übernächsten Morgen. In Tabora werden zwischendurch die nach Mwanza gehenden Wagen abgehängt und umrangiert. Die Reise folgt weitgehend der berüchtigten Sklavenroute, die von Arabern schon lange vor dem europäischen Einfluß bestand. Lediglich Ausgangs- und Endpunkt wurden verlegt. Zu Zeiten des Bahnbaus hatte Bagamoyo, 75 km nördlich von Dar gelegen, längst als deutsche Kolonialhauptstadt ausgedient. Grund war das flache Gewässer vor der Stadt, das für die arabischen Dhaus kein Problem darstellte, aber für die Woermann-Dampfer schon. Die hätten weit draußen auf Reede gehen müssen. In Dar es Salaam waren die Bedingungen für den Bau eines Hafens viel besser. Deshalb verlegte man auch die Hauptstadt der Kolonie und damit auch den Startpunkt der Eisenbahn dorthin. Im Fall des Endpunktes Kigoma darf man mit Fug und Recht sagen, daß dieser verschlafene Ort nur wegen der Eisenbahn überhaupt irgendjemandem bekannt ist. Aufgrund der Topografie war Ujiji, der alte Hafen am Tanganjika-See viel schwerer erreichbar. Man plante die Bahn also bis Kigoma, das nur ca. 10 km von Ujiji entfernt ist. Über Ujiji, einem wirklich historischen Ort, gibt es in einem späteren Kapitel mehr zu lesen.

Die Bahnfahrt erschließt dem Reisenden hautnah die unterschiedlichsten Aspekte des Landes. Besonders zum Ausdruck kommt dies in dem Angebot der Waren, die während der Halte durch das Abteilfenster verkauft werden. Es wird zu Geld gemacht, was die Gegend hergibt: Verschiedene Obst- und Gemüsesorten, manchmal auch nur Strohmatten, nicht viel mehr als Honig in den Miobo-Waldflächen um Tabora, in Uvinza und Umgebung Salz. Langweilig wird es nie.

Soviel zur Einleitung. Als Auflockerung zu diesem langweiligen Text möchte ich Euch zwei Fotos aus Dar anbieten. Als erstes einen Eindruck vom Hafen von Dar Es Salaam:
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Der Kirchturm mit dem roten Dach im rechten Bildbereich gehört zur Lutherischen Kirche, deren Grundstein 1899 gelegt und die 1902 fertiggestellt wurde. Eines der wenigen Bauwerke aus deutscher Kolonialzeit, die sich bis heute in Dar gehalten haben. Die Kirche mit dem spitzen Dach in der Bildmitte ist die St. Joseph’s Kathedrale, eingeweiht 1903.

Ein zweites Foto stammt vom Fischmarkt. Der junge Mann schleift auf seinem aufgebockten Fahrrad Tag für Tag rückwärtstretend Messer für die fischverarbeitende “Privatindustrie“. Wenn man genau hinsieht, läßt sich auf dem Foto der Funkenflug über seinem rotierenden Schleifstein erkennen. Am Abend fährt er auf seinem Vehikel heim.
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Etwas numismatisches sollte im ersten Kapitel aber auch nicht fehlen. Über den zerfledderten Zustand des Scheins zu 5 Rupien aus 1905 seht Ihr hoffentlich hinweg. Der ist aber garantiert gelaufen….
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Außerdem möchte ich einen Token aus dem Kasino des New Africa Hotels vorstellen, das direkt neben der oben erwähnten Lutherischen Kirche steht. Zur Kolonialzeit stand genau an dieser Stelle das alte Kaiserhof-Hotel.
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Der Brocken aus Kupfer-Nickel hat immerhin einen Durchmesser von 30 mm und wiegt 11,06 Gramm.

Nun geht es aber los. Bevor allerdings der Abfahrtspfiff ertönt…

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BeitragVerfasst: 11. Jul 2010, 19:18 
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...Bevor allerdings der Abfahrtspfiff ertönt, doch noch einige Anmerkungen zum Zug der Tanzania Railway Corporation: In den Zügen der Mittellandbahn kann man first, second oder economy class reisen. Die Unterbringung der Economy-Reisenden erfolgt in Sitzwagen. Fahrgäste der 2. Klasse drängeln sich zu sechst in einem Abteil mit je 2 dreistöckigen Betten, während man in der 1. Klasse recht bequem zu zweit in einem allerdings kleineren Abteil reist. Die oberen Betten sind sogar mit Sicherheitsgurten ausgestattet. Die Belegung der Betten in der 2. Klasse erfolgt dabei nach Geschlechtern getrennt. Reisende Pärchen sollten dabei bedenken, daß im Frauenabteil die mitreisenden Kinder nicht mit gezählt werden und Gepäck meist bei den Damen untergebracht wird. Hier geht es also oft laut und eng zu, während es die Herren der Schöpfung etwas weniger stressig haben. Die Überlegung, 1. Klasse zu reisen, kann sich somit schon lohnen. Im Sommer 2002 kostete ein Ticket für eine einfache Fahrt 1. Klasse von Dar Es Salaam nach Kigoma 45.000 Tansanische Shillingi (TSh), was etwa 47 Euro entsprach. Das erscheint auf den ersten Blick nicht wenig, man sollte aber bedenken, daß man für diesen Preis über 40 Stunden auf 1252 km mit der Bahn unterwegs ist und sich zwei Hotelübernachtungen einspart.

Also los!

Die Fahrt beginnt, wie schon oben gesagt, am Nachmittag um – nein: gegen – 17 Uhr im Bahnhof von Dar Es Salaam. Das alte Bahnhofsgebäude aus der Kolonialzeit steht immer fast noch genauso so da, wie es vor über 100 Jahren erbaut wurde:
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Das Bild der Postkarte stammt zwar vermutlich von ca. 1930 aus britischer Zeit, aber das Gebäude ist noch das alte. Damals war offenbar noch kaum Betrieb auf den Straßen, heutzutage braucht es schon 2 Polizisten, um den Verkehr zu regeln.

Zunächst – noch bei Tageslicht – geht es durch die Vororte der größten Stadt Tansanias. Bald schon wird es aber dunkel und man hat entweder die Wahl, sich ins Abteil zurückzuziehen, oder das Angebot des Speisewagens zu überprüfen. Dort werden neben Bier der heimischen Marken Safari und Kilimanjaro auch kleinere Speisen angeboten. Man hat sechs Kombinationsmöglichkeiten aus Huhn, Fisch oder Beef auf der einen und Reis oder Chips auf der anderen Seite. Danach empfiehlt sich ein lokaler Gin, Konyagi genannt, der sehr bekömmlich ist. Von meinen Besuchen in Tansania bringe ich jedesmal ein paar der kleinen Flaschen mit.
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Auf dem Etikett liest man “Kinymaji safi“. Das bedeutet “Sicheres Getränk“ auf Kisuaheli. Stimmt wohl, jedenfalls habe ich noch keine negativen Auswirkungen gespürt.

Die interessante Stadt Mgorogoro wird leider bei Kilometer 208 mitten in der Nacht passiert. Hell wird es erst wieder bei etwa km 360, je nachdem, wie der Zug im Fahrplan liegt. An dieser Stelle möchte ich aber auch etwas Negatives zur jüngeren Geschichte der Bahn nicht verschweigen. Am 24. Juni 2002 ereignete sich zwischen Igandu und Msangali, etwa 400 km westlich von Dar Es Salaam, ein schrecklicher Unfall. Der in westliche Richtung fahrende Personenzug konnte an diesem Tag aufgrund von Überlänge eine Anhöhe nicht bezwingen und kam zum Stehen. Nach ca. 20 Minuten setzte er sich von selbst talwärts in Bewegung und entgleiste nach rasender Fahrt schließlich bei Kilometer 389. Die in Dar Es Salaam erscheinende “Daily News“ berichtet in ihrer Ausgabe vom 12. September 2002, daß der Zug ca. 1000 Reisende beförderte, von denen 288 bei diesem unfassbaren und vermeidbaren Unfall ums Leben kamen. Außerdem wurden mehr als 400 Personen verletzt. Der materielle Schaden wird mit 4,8 Milliarden TSh angegeben, was ca. 5,6 Millionen Euro entspricht. Als Unfallursache gilt menschliches Versagen von Lokführer, Assistent und Zugschaffner. Die Eisenbahner hatten weder dafür gesorgt, daß während des unfreiwilligen Haltes am Berg die Handbremsen angezogen wurden, noch wurden die Reisenden gewarnt. Ein Räumen des Zuges, was angesichts der Situation angebracht und in der Standzeit durchführbar gewesen wäre, wurde nicht in Erwägung gezogen. Warum keine Zwangsbremsung eingetreten ist, war zum damaligen Zeitpunkt noch nicht geklärt. Im September 2002, also zum Zeitpunkt meines Aufenthaltes, fand gerade die Gerichtsverhandlung statt, Deshalb konnte ich diese Einzelheiten zum Unfall am Ende meines Tripps aus der Tagespresse entnehmen. Elf Wagen des Zuges aus dem Trümmerberg wurden als erhaltenswert eingestuft und kurze Zeit später vom Unfallort abtransportiert. Die restlichen Wagen lagen im August 2002 noch so an Ort und Stelle, wie sie das Streckenräum-Kommando im Juni hinterlassen hat. Einige liegen auf dem Dach, in andere sind inzwischen Leute eingezogen und grüßen freundlich und zähneputzend den morgens früh an der Unfallstelle vorbeifahrenden planmäßigen Zug. Ein paar Monate nach diesem schrecklichen Ereignis war der MG auf der Strecke unterwegs. Hier zwei Fotos von der Unglücksstelle, die aus dem fahrenden Zug heraus gemacht wurden.
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Die Fahrt geht weiter ins Kapitel 3…

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BeitragVerfasst: 11. Jul 2010, 19:28 
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...Die Fahrt geht weiter ins Kapitel 3 und damit weiter nach Westen. Nach dem traurigen Ereignis im Kapitel zuvor jetzt wieder zu etwas erfreulicherem. In Saranda bei km 581 gibt es eine interessante eisenbahntechnische Pause. Hier halten die Personenzüge zum Auffüllen der Wasservorräte der Wagen. Die örtliche Bevölkerung nutzt diesen verläßlichen Stopp zu Zubereitung und Verkauf warmer Mahlzeiten auf dem Bahnsteig, wie gegrilltem Huhn, Maiskolben und vielen anderen schmackhaften Dingen an Reisende und das Zugpersonal. Durch die Tatsache, daß sich die Personenzüge im nahegelegenen Manyoni normalerweise kreuzen, findet das Spektakel zweimal kurz hintereinander statt. Die lokalen Caterer können also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zwei Fotos sollen dies illustrieren. Während auf der Süd- (“Bahnsteig“-)seite des Zuges ein ameisenartiges Gewimmel zu beobachten ist, herrscht auf der anderen Zugseite Totenstille. Ob Ihr es glaubt, oder nicht, die beiden Fotos zeigen ein und denselben Zug zu gleicher Zeit am gleichen Ort.
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Die beiden Zugloks wurden übrigens 1972 von den Montreal Locomotive Works in Kanada nach Tansania geliefert.

Den nächsten interessanten Halt gibt es ca. knapp zwei Stunden und 56 km später in Itigi bei Steckenkilometer 637. Dort kann der Reisende eine alte Bahnhofsglocke anschauen, gefertigt in der Giesserei von Robert Latowski in Breslau, die auch viele Läutewerke für deutsche Bahnen geliefert hat. Leider ist das Stück in Igiti heute außer Betrieb. Trotzdem gibt es zwei Fotos von diesem Bahnhof an dieser Stelle:
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Nach 840 km Fahrt erreicht der Bahnreisende endlich Tabora. Tabora? Da klingelt es doch dem ein oder anderem Münzzammler in den Ohren. Aber zu diesem Ort gibt es mehr nach der Rückkehr aus Kigoma. Auf der Hinfahrt gab es nur einen kurzen Halt am späten Abend. Dann ging es weiter durch die afrikanische Nacht. Als es wieder hell wurde, waren wir schon kurz vor Kigoma. Etwa eine halbe Stunde vor der Ankunft spürt man schon die Luft des Tanganyika-Sees und kann ihn ein paar Mal auch für kurze Zeit sehen. Kurvenreich führt die Bahnlinie nun herunter ins Rift Valley und erreicht – man höre und staune – planmäßig um halb 8 Uhr morgens den Bahnhof von Kigoma….

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BeitragVerfasst: 11. Jul 2010, 19:42 
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….den Bahnhof von Kigoma. Das imposante Gebäude stammt noch aus deutscher Zeit. Ein Bild von der Straßenseite möchte ich Euch nicht vorenthalten.
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#12 Bahnhof Kigoma.jpg
#12 Bahnhof Kigoma.jpg [ 202.54 KiB | 4585-mal betrachtet ]

Kigoma ist ein absolut verschlafener Ort. Es finden sich ein/zwei Teerstraßen, ansonsten aber nur Sandpisten. Die Bahn ist neben dem Schiffsverkehr mit der alten 1913 in der Meyer-Werft zu Papenburg gebauten Liemba (vormals “Graf von Götzen“) die einzige Verbindung zur Aussenwelt. Der alte Schiffs-Veteran verkeht noch immer planmäßig über den See nach Sambia. Aufgrund der politischen Lage werden Burundi und Kongo derzeit allerdings nicht angefahren. Einen Flughafen gibt es nicht. Aber Kigoma ist trotzdem eine überaus liebenswerte Lokalität! Der Tanganyika-See gilt übrigens als bilharziosefrei, als einer der wenigen Binnengewässer Afrikas. Ob das wohl stimmt? Ich habe mir es trotz aller Zweifel erlaubt, ein Bad darin zu nehmen. Es ist wirklich ein kuriosises Erlebnis, wenn einem Buntbarsche, bei denen jeder Aquarianer neidisch werden würde, an den Zehen herumknabbern. Als erste Bildeindrücke sollen ein Blick auf eine Bucht des Sees und eine Vorrichtung zur Trocknung kleiner sardinengroßer Fische dienen. Diese getrockneten Fische (Rastrineobola argentea), lokal Dagaa genannt, werden mit Haut und Haaren (bzw. Flossen) in Dips getaucht und gegessen. Außerordentlich schmackhaft!
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Ich möchte nicht vergessen zu erwähnen, daß der Tanganyika-See der sechtsgrößte und nach dem Baikal-See der zweittiefste Süßwassersee der Erde ist. In Kigoma hatte ich übrigens eine sehr gute und preiswerte Unterkunft direkt am See. Wie ich leider hörte, hat das “Lake Tanganyika View Hotel“ mittlerweile geschlossen. Vermutlich wegen Renovierung. Möglicherweise ist es inzwischen wieder geöffnet, aber ohne die für mich so interessanten Kleinigkeiten, die auf diesen zwei Bilder vom Außenbereich vorgestellt werden sollen. Als erstes soll ein Stilleben mit einer Flasche Kilimanjaro Pilsner kurz vor Sonnenuntergang zur Illustrierung dienen. Wenn man genauer auf das zweite Bild sieht, erkennt man, daß die Träger der holz- bzw. schilfgedeckten Sonnenschutz-Dächer aus alten Schienen der Mittellandbahn der ersten Generation gemacht wurden. So kann man auf dem zweiten Bild deutlich den Schriftzug “Krupp 1912“ lesen. Eine nette Überraschung für jemanden wie mich, der afrikanische Eisenbahnen liebt.
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Aber verlassen wir diesen freundlichen Ort einmal für eine kurze Stippvisite ins 10 km südlich gelegene Ujiji…

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BeitragVerfasst: 11. Jul 2010, 19:47 
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… für eine kurze Stippvisite ins 10 km südlich gelegene Ujiji. Dieser Ort, ziemlich einfach mit einem Minibus von Kigoma aus zu erreichen, hat historisch einiges zu bieten. Jahrhundertelang war er wichtiger Handelsplatz der arabischen Karawanen, die Elfenbein und auch Sklaven aus Zentralafrika von dort aus an die Küste des indischen Ozeans schafften. Anno 1858 erreichten Speke und Burton Ujiji und sahen dort als erste Europäer den Tanganyika-See. Besondere Bedeutung erlangte Ujiji allerdings im Jahre 1871, als Henry Morton Stanley auf seiner Suchexpedition dort tatsächlich den seit Jahren vermissten und für tot geglaubten Forscher und Missionar Dr. David Livingstone fand, der dort entkräftet sein Lager aufgeschlagen hatte. Stanleys Worte bei der Begegnung “Doctor Livingstone, I presume“ sind in die Geschichte eingegangen. Livingstones lakonische Antwort “Yes“ ebenso. An dieses Treffen erinnert ein Livingstone Memorial in Ujiji, einem Dorf, das heute viel kleiner und verlassener als Kigoma ist. Das Memorial habe ich natürlich besucht. Es gibt dort sogar eine Art Kurator. Ein Foto vom Denkmal unter dem vielbeschriebenen Mangobaum, unter dem Livingstone zu ruhen pflegte, sei an dieser Stelle angefügt. Der geneigte Leser möge raten, wer der Kurator und wer der MG ist.
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Was auf dem Schild an der Gedenkstätte steht, könnt Ihr hier lesen (ich hoffe die Auflösung ist gut genug).
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Aber auch ein paar Szenen aus Ujiji selbst sollen nicht fehlen. Zum einen eine typische Straßenszene und zum zweiten ein Bild vom Strand am Tanganyika-See. Richtig nett und provinzionell. Afrika pur!
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Ujiji hatte um 1900 eine Einwohnerzahl von etwa 10.000, im Jahre 1967 wurde noch von 4.100 Seelen berichtet. Heutzutage sind es sicherlich noch weniger. Die Menschen zieht es halt in die Städte, zu denen Ujiji sicherlich nicht gehört. Soweit unser Ausflug in diesen historischen Ort (ohne Münzen). Nach Rückfahrt mit dem Minibus nach Kigoma geht es mit dem Zug zurück in Richtung Osten bis Tabora…

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BeitragVerfasst: 11. Jul 2010, 19:51 
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… geht es mit dem Zug zurück in Richtung Osten bis Tabora. Die Abfahrtszeit in Kigoma ist für 17 Uhr nachmittags terminiert, die Ankunft im 404 Streckenkilometer entfernten Tabora erfolgt planmäßig um 4:30 Uhr. In meinem Fall wurde es kurz vor 6 Uhr, geschah aber trotzdem noch im Frinstern. Da der Fahrplan die Weiterfahrt nach Mwanza am Lake Victoria erst am Abend um 21:30 Uhr vorsieht, hat man einen ganzen Tag Zeit, sich in Tabora umzusehen. Zunächst einmal wird ein Tageszimmer in dem in Bahnhofsnähe liegenden alten Tabora-Hotel gemietet, wo man sich frischmachen und das überflüssige Gepäck lassen kann, damit man das nicht den ganzen Tag mit rumschleppen muß.

Tabora war schon in vorkolonialer Zeit ein wichtiger Handelsplatz für die von der Küste nach Zentralafrika reisenden Karawanen. Ursprünglich von Indern gegründet, entwickelte sie sich durch das Karawanenwesen zu einem stark islamisch ausgerichteten Zentrum im Landesinneren von Tansania, was auch heute noch erkennbar ist. Das Bild einer Straßenpartie darf dieses dokumentieren. Verschleierte Frauen, eine Moschee … so etwas sieht man in Tansania sonst nur in den Küstenstädten am indischen Ozean.
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Den Tag in dieser ruhigen Stadt habe ich sehr genossen. Viel gibt es allerdings nicht zu sehen. Ich möchte an dieser Stelle nur kurz auf den “Deutschen Friedhof“ hinweisen, der dort existiert. Dort sind u.a. etliche Gräber von Mitarbeitern des Bauunternehmens Ph. Holzmann zu finden. Viele dieser beim Bahnbau Beschäftigten sind zwischen 1914 und 1918 vor allem an Tropenkrankheiten zu Tode gekommen. Zwei Bilder mögen diesen Platz illustrieren:
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#23_ Tabora - Friedhof 2.jpg
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Interessanter für einen Eisenbahnfan ist aber vermutlich das ehemalige Bahnbetriebswerk, das in westlicher Richtung vom Bahnhof zu finden ist. Eine Drehscheibe aus britischer Fertigung – ein Nachfahre des Originals aus deutscher Kolonialzeit – ist noch vorhanden. Um die Scheibe herum ist durch den befestigten Boden noch der Standort des früheren Ringlokschuppens auszumachen. Auf den von der Drehscheibe abgehenden Gleisen sowie auf dem gesamten Gelände verstreut rosteten 2002 noch die Überbleibsel von ca. 20 Dampflokomotiven vor sich hin. Sie waren zu diesem Zeitpunkt gerade in Verschrottung. Heute ist wohl nichts mehr davon übrig.

Ein Foto von diesem Gelände darf ich hier hoffentlich bringen:
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Viel mehr gibt es in dieser Stadt nicht zu sehen. Aber Tabora ist ja auch durch das Geldwesen bekannt geworden….

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…Aber Tabora ist ja auch durch das Geldwesen bekannt geworden. Wer kennt nicht das Münzzeichen “T“ auf deutschen Kolonialmünzen? Im ersten Weltkrieg war die ostafrikanische Kolonie schon früh in die Defensive gedrängt. Der Hafen von Dar Es Salaam war durch die Engländer blockiert. Diese marschierten außerdem von Norden, die Belgier von Westen in die Kolonie ein. Einzelne Erfolgsepisoden, wie die “Schlacht von Tanga“ blieben bedeutungslos. Man zog sich in das Innere des Landes zurück und begann, in Tabora Notgeldscheine und Notmünzen zu fertigen. Zu diesen “Busch“-Drucken und –Prägungen gibt es viele Geschichten, die diesen Reisebericht sprengen würden. Leider war ich zum Zeitpunkt der Reise 2002 noch kein intensiver Münzsammler, sondern hatte Dinge wie Münzen nur als Souvenier mitgenommen. Von den folgenden Bildern habe ich somit auch nur das erste von der hier besprochenden Reise mitgebracht (und nicht einmal aus Tabora, sondern aus Dar es Salaam). Es handelt sich um ein recht häufiges Stück zu 20 Heller von 1916 (KM#15a / S#18 / Jäger#727b). Ziemlich gebraucht, aber immerhin von vor Ort.
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#25_20 Heller 727b.jpg
#25_20 Heller 727b.jpg [ 108.49 KiB | 4584-mal betrachtet ]

Die anderen beiden Exemplare, die ich an dieser Stelle vorstellen möchte, habe ich anderweitig erworben. Erstmal ein Notgeldschein zu 1 Rupie von 1916 und dann das bekannte Goldstück zu 15 Rupien (KM#16.2 / S#19.1 / Jäger#728b), das ich vor ein paar Jahren auf einer Saalauktion erwerben konnte und das ich auch schon einmal anderswo im Numismatik-Cafe vorgestellt hatte:
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#26_1 Rupien-Banknote 1916.jpg
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#27_15 Rupien 1916.jpg
#27_15 Rupien 1916.jpg [ 168.39 KiB | 4584-mal betrachtet ]

In ein paar Wochen geht es wieder ins Land. Vielleicht bringe ich diesmal etwas mehr mit.

Aber inzwischen ist es Abend geworden und an der Bar des Tabora-Hotels wird auf die Ankunft des Zuges aus Dar Es Salaam gewartet. Dort hat man gute Verbindungen zur aktuellen Fahrplanlage, und der Reisende braucht nicht stundenlang am Bahnsteig zu stehen. Der Zug hat Verspätung, aber gegen 23 Uhr wird er vorgemeldet. Mit seinem Gepäck ausgestattet, schreitet der europäische Reisende mehr oder weniger gemütlich über Schlaglöcher die wenigen hundert Meter auf stockdunkler Straße vom Hotel zum Bahnhof und erreicht zu passender Zeit den Zug zum Lake Victoria, fällt sofort in tiefen Schlaf und wacht erst auf, als das 380 Bahn-km entfernte Etappenziel Mwanza schon fast erreicht ist...

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BeitragVerfasst: 11. Jul 2010, 20:07 
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…und wacht erst auf, als das 380 Bahn-km entfernte Etappenziel Mwanza schon fast erreicht ist. Am frühen Morgen wird das Zimmer im kleinen “Christmas Tree Hotel“ bezogen, von dem man einen Blick auf den See und den Bahnhof hat. Den Vordergrund wollen wir mal vergessen.
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#28_Mwanza - Blick vom Hotel.jpg
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Der Vikoria-See ist mit 69.000 km2 deutlich größer als der Tanganyika-See (33.000 km2), aber viel flacher, so daß er volumenmäßig hinter dem zuvor bereisten See deutlich zurücksteht. Man kennt den Viktoria-See hierzulande vielleicht besonders deshalb, weil an den Fischtheken der Supermärkte leckerer Viktoria-Barsch angeboten wird. Dieser Fisch (Lates niloticus) heißt eigentlich Nilbarsch und wurde vor Jahren zu Zuchtzwecken im Viktoria-See ausgesetzt. Dort vermehrte er sich rasant und vernichtete als Raubfisch fast alle anderen Fische, wie den hoch geschätzten und von den lokalen Fischern als Hauptfang erbeuteten Tilapia. Der Nilbarsch ist den internationalen Fischfang-Konsortien vorbehalten, weil er so groß ist, daß die einheimischen Fischer ihn mit ihren einfachen Netzen nicht an Land ziehen können. Deren Situation ist mittlerweile so dramatisch geworden, daß der österreichische Regisseur Hubert Sauper den 2005 uraufgeführten Film “Darwins Alptraum“ herausgebracht hat, der den Zustand in Mwanza heutzutage in düsteren Bildern treffend beschreibt. In diesem beeindruckenden Film, den man sich nur ansehen sollte, wenn man über gute Nerven verfügt, kommt auch ein Zeichner mit Namen Jonathan vor. Diesen jungen Mann, der die Streetkids von Mwanza unterstützt, hatte ich schon auf meiner Fahrt 2002 persönlich kennengelernt und ihm ein kleines Bild vom Bismarck-Rock abgekauft, das ich hier vorstellen möchte. Von diesem Felsen, der direkt am Hafen von Mwanza liegt, hatte ich - aus welchen Gründen auch immer - kein Foto gemacht. Aber so etwas ähnliches habe ich schon in meinem Dia-Fundus ausgemacht:
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Der Viktoria-See ist im Gegensatz zum Tanganyika-See alles andere als bilharziosefrei. Das sieht man schon an den Haufen von Muschelschalen, die tagtäglich angelandet werden. Diese Muscheln sind die Überträger der für den Menschen so ungut verlaufenden Krankheit.
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Ein Bad in diesem See ist demnach keinesfalls anzuraten. Eine Bootsfahrt ist jedoch unbedenklich…

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BeitragVerfasst: 11. Jul 2010, 20:11 
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…Eine Bootsfahrt ist jedoch unbedenklich. An einem Vormittag, nachdem die Fischer von ihrer Arbeit zurückgekehrt waren, fragte ich einen Skipper, ob er mich für einen kurzen Ausflug auf den See mitnehmen könnte. Nach einer kurzen Verhandlung betreffs des Trinkgeldes war er dazu bereit. Die dreiköpfige Besatzung legte sich auch kräftig ins Zeug, um mir einiges zu bieten. Ein paar Fotos seht ihr hier. Das war ein schöner Abschluß meines Besuches am Viktoria-See.
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Die Tour dauerte etwa 2 Stunden, und sowohl der Skipper als auch seine beiden Helfer schienen Spaß daran zu haben. Ich natürlich sowieso.

Die Rückfahrt nach Dar Es Salaam erfolgte aus Zeitgründen nicht auf der Schiene, sondern per Bus…

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BeitragVerfasst: 11. Jul 2010, 20:15 
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…Die Rückfahrt nach Dar Es Salaam erfolgte aus Zeitgründen nicht auf der Schiene, sondern per Bus. Man hat die Möglichkeit, innerhalb Tansanias zurückzufahren, was einen hohen Zeitaufwand bedarf, weil dort nicht während der Nacht gefahren werden darf und der Serengeti-Park umfahren werden muß. Oder man wählt eine Fahrtroute durch Kenia, die auf asphaltierten Straßen rasch und innerhalb einer Nacht nach Arusha führt. Diese Möglichkeit hatte ich in Anspruch genommen. Aber ganz so einfach ging es dann auch nicht ab. An der kenianischen Grenze ergab sich ein kleines Problem mit meinem Visum. Ich hatte im Internet gelesen, daß man es direkt an der Grenze bekommt. Der Officer bestand aber (sicherlich fälschlich) darauf, daß man es vor der Reise bei der Botschaft hätte beantragen müssen. Ich hielt den Bus also an der Grenze etwa eine halbe Stunde auf, bis ich endlich den Stempel hatte. Kurz danach wurde unser Bus auch noch in einen Unfall verwickelt, was Polizei und einen längeren Stopp zur Folge hatte. Das mit dem Busticket gebuchte Abendessen fand somit erst gegen 2 Uhr nachts mitten in den Straßen von Nairobi statt. Arusha wurde deshalb erst am späten Vormittag des nächsten Tages erreicht. Für den Reisenden war das eher vorteilhaft, weil er deshalb bei Tageslicht aus dem Busfenster noch den ein oder anderen Eindruck mitnehmen konnte. So wie dieses Bild, das einen Massai mit ein paar Kühen wenige Kilometer vor Arusha zeigt.
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Über Arusha kann ich sonst allerdings nicht viel Positives berichten. Die Stadt wimmelt von Fly-Catchern, die in wirklich perfider Art versuchen, den Reisenden an Reisebüros für den Aufstieg zum Kilimamjaro und Ausflüge zu den nahegelegenen Naturparks zu vermitteln. In jeder Hinsicht lästig! Also schnell weiter mit den nächsten Bus ins nahegelegene Moshi. Dort ist es viel angenehmer und ruhiger. Vom Balkon des Zimmers im Kindoroko-Hotels kann man in Ruhe bei einem Kilimanjaro-Lager den Gipfel des höchsten Berges Afrikas bewundern.
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Und wenn man am Abend an der Bar auf der Dachterasse des Hotels auf eine Gruppe junger Schweden trifft, die sturzbetrunken glaubt, am nächsten Tag den Gipfel besteigen zu können, lehnt man sich gemütlich zurück, im festen Bewußtsein, keinerlei solche Ambitionen zu haben.

In Moshi gibt es übrigens auch einen Bahnhof. Der wird aber leider nicht von Personenzügen angefahren. Trotzdem ist er einen Besuch wert. Anno 2002 stand am Bahnsteig ein Dienst-Käfer der Tanzania Railways, allerdings mit platten Reifen. Was aus diesem VW geworden ist, möge ein Reisender der nächsten Stunde berichten:
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Nicht weit entfernt vom Bahnhof Moshi befindet sich das Gelände des ehemaligen Eisenbahn-Ausbesserungswerkes. Im Jahre 2002 fand man dort noch eine ganze Menge ausgemusterter Dampfloks der Baureihe 60 abgestellt. Diese von Franco-Belge bzw. Beyer-Peacock Anno 1954 an die East-African Railways in 29 Exemplaren gelieferten Maschinen der Garratt-Bauart waren bis etwa 1980 in Tansania im Dienst. Heutzutage gibt es – abgesehen von ein oder zwei Museumsloks - keine aktiven Dampfloks mehr in Tansania. Auch diese hier gezeigten Schrottloks sind inzwischen den Weg des alten Eisens gegangen.
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Per Bus ging es dann von Moshi aus nach Dar Es Salaam und von dort mit dem Flieger zurück nach Deutschland. Es war eine anstrengende aber auch sehr interessante Tour, die ich 2002 nach Tansania machen durfte. Dieses liebenswerte Land kann ich als Urlaubsziel nur jedermann empfehlen. Aber jetzt ist dieser endlos erscheinende Thread doch am Ende angekommen. Wie bei mir gewohnt, ging es in erster Linie um die Eisenbahn, und die Münzen spielten nur eine Nebenrolle. Wer ihn aber trotzdem bis zum Schluß durchgelesen hat, kriegt von mir einen Tansania-Punkt als Gutschrift. Was darunter zu verstehen ist, überlege ich mir noch.

Bis andermal
Dietmar (MG)

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