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 Betreff des Beitrags: Re: Die Aegis
BeitragVerfasst: 29. Dez 2013, 12:11 
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Ich habe da eine vielleicht sehr laienhafte Frage:
Warum findet man die Aegis hauptsächlich bei Prägungen des Traianus und des Hadrianus vor, während unter Septimius Severus z.B.: die Aegis auf den Denaren nicht mehr so häufig vorkommt.
Unter Gallienus und dann Probus, da findet man die Aegis wieder häufiger vor.
Gibt es dafür irgendwelche Erklärungen, oder war diese Form der Büstenverzierung eher eine "Modeerscheinung"?

Liebe Grüße
Gerhard

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Aegis
BeitragVerfasst: 29. Dez 2013, 15:03 
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Da mir dieser Umstand ebenfalls aufgefallen ist, halte ich deine Frage durchaus für berechtigt.
Möglicherweise liegst du mit deiner Vermutung einer Modeerscheinung richtig, oder einer unserer Profis findet dafür noch eine korrekte Erklärung.
Auf jeden Fall ein spannendes Thema.

Ergänzend dazu möchte ich noch einige Beispiele aus dem Randgebiet der antiken der Glyptik zu diesem Thema vorstellen.
Beide Steine werden ebenfalls in das 2. Jh. n. Chr. datiert.

Die Gemme aus dunkelrotem Jaspis trägt das Bild der behelmten Athena- Minerva, bekleidet mit einem Kürass.
Vom Brustpanzer steigen 2 Schlangen auf.
Zitat: G. Dembski, Die antiken Gemmen aus Carnuntum, 121, Nr. 671, Wien 2005, (stückident)

Beim zweiten Beispiel handelt es sich um einen in einem Goldring gefassten, aus einem mehrschichtigen Sardonyx geschnittenem Kameo mit der Darstellung eines Medusenhauptes.

Provenienz: Fa. Rauch, 9. Fernauktion 2005.

Grüße
Harald


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Silberner Fingerring, Jaspis, Athenabüste...jpg
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 Betreff des Beitrags: Re: Die Aegis
BeitragVerfasst: 29. Dez 2013, 15:10 
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Die Ägis in Verbindung mit der schlichten Kopfdarstellung des Kaisers, die wenig oder kein Gewand zeigt, ist eine Minimallösung (häufig schon unter Nero zu finden). Der Variantenreichtum ist sehr groß und kann bis zu den schmucken und aussagekräftigsten Darstellungen führen, die den Kaiser in heroischer Nacktheit linkshin mit großer Ägis und Schwertband zeigen. In der Glyptik wurde schon Augustus immer wieder so dargestellt. Als Vorlage diente wahrscheinlich der Siegelring Alexanders d. Gr. Auf sog. Medaillons erscheint dieses Bild wohl erstmals unter Marc Aurel, Lucius Verus und Commodus. Auf städtischen Münzen wurde offenbar Caracalla in der Zeit seiner Alleinherrschaft erstmals dergestalt abgebildet, z.B. in Serdica, Philippopolis und Pessinus (Galatien). Modeströmungen spielen sicher immer wieder eine gewisse Rolle. Ganz willkürlich wurden Ägisdarstellungen aber v.a. in den erst knapp drei Jahrhunderten der Kaiserzeit m.E. eher nicht gewählt. Zumindest in den Fällen, in denen auf das skizzierte Linksporträt zurückgegriffen wurde, ist eine bewusste Anknüpfung an Alexander zu postulieren. Nach Mitte des 3. Jh. mag auch die Mode eine größere Rolle gespielt haben.


Zuletzt geändert von Laterarius am 29. Dez 2013, 15:13, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Aegis
BeitragVerfasst: 29. Dez 2013, 15:13 
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Vielen Dank für die ausführlichen Info´s.
Da hab ich wieder einiges dazu gelernt.

Viele Grüße
Harald

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Aegis
BeitragVerfasst: 29. Dez 2013, 17:27 
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Salve lieber Lateriarius ;)

Ich meinte aber eher die Reichsprägungen, nicht die "Provinzler", da kann man sehr wohl eine gewisse Kontinuität in der Aegisdarstellung auf den Geprägen erkennen.
Was mich wie gesagt wundert, warum gibt es "fast" keine Aegisdarstellung bei Silberprägungen des Maximinus Thrax, Gordianus Pius, Philippus Arabs? Also ich wüßte ad hoc keinen Denar oder Antoninian mit Aegisdarstellung.
Daher meine Vermutung der "Modeerscheinung" auch schon im 2. Jhdt.


@ Harald:
Deine beiden Ringe sind allerfeinst und Hingucker ersten Ranges :appaus:

Liebe Grüße
Gerhard

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Aegis
BeitragVerfasst: 29. Dez 2013, 23:07 
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Ägisdarstellungen in der von mir beschriebenen Form (nacktes Brustbild des Kaisers nach links mit Ägis und Schwertband) gibt es im 3. Jh. z.B. auf Antoninanen unter Claudius II. (z.B. P. Bastien, Le buste monétaire ... Taf. 112,5f.). Unter Tacitus, Aurelian und Probus sind die Typen gar nicht so selten. Sie wurden im Cafe schon vorgeführt. Für Gordian III. ist mir auch nur ein Silbermedaillon bekannt: z.B. ebd. Taf. 91,8. Die oben gezeigten dezenten Ägis-Formen (wie z.B. die unter Traian und Hadrian) scheint es hingegen in der Tat im 3. Jh. nicht mehr zu geben.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Aegis
BeitragVerfasst: 31. Dez 2013, 15:35 
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Aegisdarstellung des Carus und Carinus sind auch selten, hier zwei Beispiele aus meiner Sammlung.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Aegis
BeitragVerfasst: 31. Dez 2013, 17:00 
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sulcipius hat geschrieben:

@ Harald:
Deine beiden Ringe sind allerfeinst und Hingucker ersten Ranges :appaus:

Liebe Grüße
Gerhard


Lieber Gerhard!

Vielen Dank.
Freut mich sehr, dass sie dir gefallen.

Kleinfunde sind zwar für viele Münzsammler kaum interessant, gerade bei den Gemmen bestehen jedoch viele Gemeinsamkeiten zu den Münzen und möglicherweise waren sogar manche römische Stempelschneider zeitweise auch für die Anfertigung von Gemmen zuständig.



Liebe Grüße
Harald

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Aegis
BeitragVerfasst: 31. Dez 2013, 21:14 
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Eddop hat geschrieben:
Aegisdarstellung des Carus und Carinus sind auch selten, hier zwei Beispiele aus meiner Sammlung.


Zwei prächtige Münzen Ed, vorallem der Carinus gefällt mir sehr gut!

Hier noch mal eine grosse Aegis von Probus auf einer Münze aus Ticinum

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02924p00aa.jpg [ 124.41 KiB | 4858-mal betrachtet ]

Antoninianus
OV: Radiate, helmeted, heroically nude bust left, with spear and aegis, seen from back.
Leg: VIRTVS PROBI AVG
RV: Emperor and Concordia clasping hands.
Leg: CONCORD MILIT
Ex: PXXT
Ticinum
RIC 336var.
var = unlisted with this bust type

Guten Rutsch euch allen!

PS: Teilweise gibt es diese einfachen Aegis darstellungen im 3. Jahrhundert wohl noch, z.B bei diesem Tacitus aus einer Tkalec Auktion
Dateianhang:
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 Betreff des Beitrags: Re: Die Aegis
BeitragVerfasst: 1. Jan 2014, 09:55 
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