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BeitragVerfasst: 25. Dez 2009, 23:35 
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Hofrat
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Es geht eigentlich nicht an, daß in diesem schönen Forum die wohl bekannteste Münze der Antike noch nicht vorgestellt wurde - die attische Tetradrachme mit der Eule.

Über diese Münze wurde schon so viel geschrieben, daß ich Neues nicht zu bieten habe. Ich habe mich vor ein paar Jahren mal in der Numispedia daran versucht. In der Geldgeschichte stellt die Eule ja einen Meilenstein dar. Sie wird oft - ähnlich wie der Taler - als "Eckmünze" der Geldgeschichte bezeichnet. In künstlerisch ästhetischer Hinsicht steht sie ebenfalls für einen Höhepunkt der Prägekunst. So kommt es, daß dieser Typ - obwohl häufig - in ansprechender Erhaltung gefragt ist und entsprechend gehandelt wird.

Hier beginnt nun die Geschichte meiner Eule. Vor Jahren sah ich bei einem Händler ein Stück, das mich zwar ansprach, aber der Preis hielt mich vom Kauf ab. Ich durfte die Eule aber photographieren. Das hier gezeigte Bild habe ich auch in der Numispedia verwendet. Ich sparte also, aber als ich den Betrag zusammen hatte - das war vor drei Jahren kurz vor Weihnachten - da hatte ein solventer Kunde am Tag zuvor mit einem fünfstelligen Betrag das halbe Griechen-Tablar abgeräumt, und die Eule war perdue. Immerhin blieb mir das Bild.

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Ich habe mich dann damit beholfen, daß ich während eines Urlaubs eine ansprechende Kopie erstand. Gestandene Sammler mögen ruhig die Stirn runzeln. Das Stück ist keine Phantasie-Repro sondern der Abdruck eines Stücks aus dem Archäologischen Museum Thessaloniki, entsprechend gekennzeichnet mit der Punze TAM und dem Feingehalt.

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Museum_Athen.JPG [ 70.78 KiB | 5780-mal betrachtet ]


Vor gut zwei Jahren erhielt ich dann eine Einladung, an der Erstellung eines Auktions-Katalogs mitzuwirken. Der erfaßte eine völlig andere Epoche als die Antike und erforderte täglich ca. drei Stunden Arbeit über einen Zeitraum von drei Monaten. Diese Arbeit hat viel Freude gemacht, besonders im nachhinein, weil das Ergebnis der Auktion über die Erwartungen hinausging. Ich erhielt einen Bonus - und dieser Bonus war meine Eule.

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eule_athen.jpg [ 83.02 KiB | 5780-mal betrachtet ]


Wenn ich diese Eule mit der Replik und der "entflogenen" Eule vergleiche, wirkt sie auf mich lebendiger und freundlicher. Das liegt m. E. an zwei winzigen Details. Das archaische, ein wenig basiliskenhafte Lächeln der Athena wird gemildert durch den Winkel im Lidstrich und die etwas volleren Lippen. Auch die Erhaltung ist nicht klinisch makellos: Sie ist umgelaufen und die Erhaltung ein gutes "Sehr Schön" ... und ein Pedigree hat sie natürlich auch:

Athens ca. 454 - 413 BC, AR 4 / Drachm, 17,16 gr. Star, Pl. XXII, 61

Fast eine Weihnachtsgeschichte, nicht wahr?

Gruß klaupo

P.S. Es würde sicherlich nicht schaden, wenn sich dieser Thread zu einem "Eulenflug" entwickeln würde!


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BeitragVerfasst: 26. Dez 2009, 10:12 
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Wirklicher Hofrat
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Lieber klaupo!

Das ist eine feine numismatische Weihnachtsgeschichte mit einer ganz besonders bezaubernden Tetradrachme die du uns aus deiner Sammlung zeigst :whow:

Natürlich darf diese legendäre Prägung aus Athen hier im Griechenforum keinesfalls fehlen, vielen Dank für diese grandiose Einleitung zur Eröffnung des neuen Themas!!

Da will ich nun mal mit meiner "Eule mit den großen Füßen" anschließen ... diese Münze hat in meiner Sammlung einen ganz besonderen Platz, es ist ein unglaublicher Charme den diese berühmten Stücke ausstrahlen, zwar weist mein Exemplar einen Prüfhieb auf, der aber sehr dezent sitzt und im Gesamteindruck wenig stört.

Geprägt 449-393v. 24,7mm 16,98g
Referenz: SNG Copenhagen 31
Ex/Pedigree: Slg. Rohde

Gruß
taurisker


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BeitragVerfasst: 26. Dez 2009, 12:27 
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k&k Hoflieferant, Wirklicher Hofrat
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Lieber klaupo,

herzlichen Dank für diesen tollen Beitrag und die wunderbaren Photos!

Ich wünsche Dir viel Spaß mit Deiner Eule und gönne sie Dir von Herzen!

Münzen, mit denen man eine Geschichte verbinden kann, sind doch immer die besten einer Sammlung!

Leider kann ich keine Eule präsentieren (jedenfalls keine aus Athen), aber Taurisker ist ja schon in die Bresche gesprungen.

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Viele Grüße
helcaraxe
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BeitragVerfasst: 26. Dez 2009, 22:30 
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Lieber Klaupo!

Wenn ich schon nichts numismatisches beizutragen habe so spende ich zumindest Applaus für den wunderbaren Beitrag.
:appaus:

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BeitragVerfasst: 31. Jan 2010, 23:43 
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Wirklicher Hofrat

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Athener Eulen sind etwas Faszinierendes, vorausgesetzt, es sind schöne Exemplare. Als Massenprägungen sind sie ja teils schon so schlampig geprägt, daß Athenas halbes Gesicht fehlt - und dann waren die letzten 2400 Jahre auch oft nicht nett zu ihnen. Auch stilistisch gibt es mehr oder weniger gelungene Stempel. Klaupo stellt uns ja in seinem Beitrag schon zwei wunderschöne Exemplare vor, wobei der stilistische Unterschied zwischen beiden deutlich ist - die "entflogene" Eule schätze ich ca. 20 Jahre älter ein. Schade, daß Dir die entflogen ist - ein herrliches Stück. Dazu empfehle ich folgenden Link: http://rg.ancients.info/owls/ . Reid Goldsborough teilt hier die "Hauptgruppe" der Athener Eulen anhand stilistischer Kriterien in Untergruppen ein, ein sehr dankenswertes Unterfangen.

Meine Eule habe ich 2002 bei Künker ersteigert. Sie ist aus dem 4. Jahrhundert, also noch ein ganzes Eck später als die beiden im ersten Beitrag. Das Hauptproblem bei dieser Serie ist der meistens viel zu kleine Schrötling (offensichtlich zu dieser Zeit in Formen gegossen, siehe das dritte Bild) - hier gibt es wirklich Athenae ohne Gesicht! Bei meinem Stück ist es andersherum, hier fehlt der Hinterkopf. Der Grund, warum ich gerade diese Münze gekauft habe, ist das ungewöhnlich lebendige, eben nicht so stilisierte Athena"porträt". Das hat mir auf Anhieb gefallen. Bemerkenswert ist außerdem das Gewicht; dieses, bzw. die verläßliche Metallqualität und das gleichbleibende Gewicht, war ja die Basis für den Erfolg dieser Handelswährung. Mein Stück ist nun nicht etwa untergewichtig, nein, es reißt in die andere Richtung aus: Es wiegt 17,81(!) g und ist damit die schwerste Eule, die mir bisher untergekommen ist.

Viele Grüße,

Rupert


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BeitragVerfasst: 18. Feb 2010, 22:46 
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k&k Hoflieferant, Professor

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Dann soll auch meine Eule hier ihr Nest finden. Sie hat stilistisch große Ähnlichkeit mit Klaupos Eule. Nicht nur das angedeutete Lächeln der Athena, sondern insbesondere die ziemlich schlanke Eule mit ihren großen Augen. So kann die angegebene Prägezeit von 449-313 durchaus stimmen. Eingestellt ist sie aufgenau 17.1g. Die erste Athena sieht mir zu orientalisch aus.

Überraschenderweise ist sie auch ein Weihnachtsgeschenk!

Mit freundlichem Gruß


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BeitragVerfasst: 19. Feb 2010, 11:54 
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Wirklicher Hofrat
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Na, da entwickelt sich ja eine sehr prachtvolle Eulenkolonie :whow:
Vielen Dank fürs Zeigen!!
LG
taurisker

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BeitragVerfasst: 20. Feb 2010, 16:51 
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Mich wundert's nicht, dass diese Art der Münzen so berühmt und begehrt sind - die sind wirklich wunderschön :whow:

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BeitragVerfasst: 24. Feb 2010, 02:05 
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k&k Hoflieferant, Professor

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Wie steht es eigentlich mit den Eulen des sog. Neuen Stils?


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BeitragVerfasst: 27. Feb 2010, 22:59 
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Hofrat
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Zitat:
Wie steht es eigentlich mit den Eulen des sog. Neuen Stils?

Das bedarf doch eigentlich keiner Frage - und ich bin sicher, du kannst mit einem Prachtstück aus deiner Sammlung aufwarten. Die gleiche Idee kam mir, als ich Homers Eule sah - ein faszinierend individuelles Portrait der Athena!

Ich will aber gern den Anfang machen mit meinem Stück aus der Familie der Stephanophoren, die ja in verschiedenen Städten geprägt wurden ( d.h. eine Seite zeigt einen Kopf, die andere eine von einem Lorbeerkranz umgebene Darstellung). Dazu habe ich mir seinerzeit folgende Notiz gemacht:

Tetradrachme Hekatombaion (=Juli/August) 133 v. Chr.; 16.88 g. Athenakopf r. mit attischem Helm. Rv. Im Kranz: Eule auf Amphore mit A von vorn., l. geflügeltes Kerykeion. SNG München -
Dazu die Anm.: Prägungen mit FANOKLE aus diesem Jahr kennt Thompson nur aus RN 1885, p. 19 und aus der Sammlung von Prokesch-Osten. Beide Stücke standen ihr nicht zur Überprüfung zur Verfügung.

Gruß klaupo


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