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BeitragVerfasst: 5. Dez 2016, 16:55 
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Diesen Typ habe ich in den MÖNG im Jahr 2009 publiziert.

Es existieren mehrere Varianten, davon mindestens vier Prototypen.

Das Aversbild stammt möglicherweise vom Kleinsilber mit beißendem Tierkopf, welches ich bereits vorgestellt habe.
viewtopic.php?f=44&t=5918&hilit=mit+bei%C3%9Fendem+Tierkopf

Auch Parallelen zum Manchinger Kleinsilber sind erkennbar.

Kleinsilber Typ Roseldorf III, Variante 1
Die erste Variante zeigt auf der Vorderseite einen Kopf nach links mit angedeutetemTorques, das Haar in einzelne steil abstehende Strähnen geordnet,in eine Nackenrolle mit großer Kugel auslaufend.

Auf der Rückseite ist ein links springender Stier abgebildet.
Den länglichen Kopf mit großem kugelförmigem Auge und einer Schnauze aus zwei übereinander gesetzten Kugeln krönen zwei in einem flachen Bogen emporragende Hörner mit den für Stieren der späten La- Tenezeit üblichen Kugelenden.
Darunter ist ein vom Manchinger Kleinsilber bekanntes Beizeichen, ein keltischer Knopfsporn abgebildet( auf diesem Ex. infolge Dezentrierung nicht sichtbar).
Unter der Schnauze befindet sich ein volutenartiges Beizeichen, welches in ähnlicher Form von Goldmünzen der ersten boiischen Nebenreihe bekannt ist.
Darüber eine zu einem Dreieck angeordnete Punktformation, bestehend aus 3 großen und 2 kleinen Globuli.

G: 0,43g

Grüße
Harald


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Zuletzt geändert von harald am 7. Dez 2016, 17:12, insgesamt 1-mal geändert.
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BeitragVerfasst: 5. Dez 2016, 21:49 
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Diese Variante ist besonders in ihrer Weiterentwicklung, mit einem durch Stempelabnützung entstandenen Buckelavers, von allen die häufigste.
Der Schrötling entspricht hinsichtlich seiner Form und Legierung der Variante 1.

Variante 2
Die frühesten Stempel
Mögliche Vorbilder für die Aversabbildung könnten sowohl Prägungen der Vindeliker, als auch der Boier sein.
Sowohl das Kleinsilber des Typs Manching mit gewelltem Haaren (Kellner 1990, Nr. 757) und ManchingII (Prokisch 1999, Nr. 830) weisen in der Kopfdarstellung auf dem Avers große Ähnlichkeit auf. viewtopic.php?f=44&t=3808&hilit=kleinsilber+manching
Auch auf einer Variante des boischen Kleinsilbers finden sich Parallelen in der Darstellung des Kopfes.viewtopic.php?f=44&t=1378&p=16419&hilit=Kleinsilber+boier#p16419 (Siehe Nr. 743)

Av: Kopf mit Torques links, darunter kurze,schräg verlaufende Linie.
Gescheitelte Haarkalotte mit Scheitelpunkt, das Haar in einzelne bogenförmige Strähnen mit Endpunkten geordnet.
Das Gesicht besteht aus einer winkelförmigen Nase und das Auge, sowie der Mund sind durch Kugeln in unterschiedlicher Größe dargestellt.

Rv: Springender Stier links.
Das Bild gleicht bis auf wenige Unterschiede der Variante 1.
Über dem Tier drei Punkte, darunter ein keltischer Knopfsporn.
Von der Schnauze ausgehend verläuft ein spiralförmiges Symbol nach unten, welches in seiner Ausführung an einen Zügel erinnert.

G: 0,50g

Grüße
Harald

wird fortgesetzt


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Zuletzt geändert von harald am 7. Dez 2016, 17:13, insgesamt 1-mal geändert.
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BeitragVerfasst: 6. Dez 2016, 09:47 
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Variante 3
Diese Variante kann mit lediglich 3 Belegen als sehr selten bezeichnet werden.
Stark geschüsselter Schrötling aus legiertem Silber.
Das Bild auf dem Avers ist durch Umschnitt des Prägestempels aus der Variante 2 entstanden und zeigt Parallelen zum Kleinsilber der Vindeliker
(Typ Stachelhaar a Ziegaus 2000, Nr. 217-230)

Av
Stark aufgelöster Kopf mit Torques links.
Im Gegensatz zu dem im Profil gezeigten Kopf ist der Halsreif frontal und punktiert mit Zentralpunkt dargestellt.
Von einer doppelten Haarkalotte ausgehende gescheitelte Stachelhaare mit Endpunkten und Scheitelpunkt.
Der Mund besteht aus 2 übereinander gestellten Kugeln und das Auge aus einem Kreis mit zentraler kugel.
In interessanter Nachweis für den Stempelumschnitt ist im Bereich 12h erkennbar:
Es handelt sich um Reste des Stempelbildes von Variante 2 und zwar der Nase und des Auges.
Das heißt, der Stempel wurde im Zuge des Umschnittes um ca. 40 Grad im Uhrzeigersinn gedreht.

Rv
Springender Stier links.
Der Körper, das Auge, sowie die Hornenden sind durch Kugeln in unterschiedlicher Dimension angedeutet, woei die Hörner deutlich größer als bei den anderen Varianten dargestellt sind.
Darunter ein keltischer Knopfsporn, darüber 3 Punkte.
Unter der Schnauze ein angedeuteter Torques.

G: 0,44g


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Zuletzt geändert von harald am 7. Dez 2016, 17:14, insgesamt 1-mal geändert.
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BeitragVerfasst: 6. Dez 2016, 10:56 
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Variante IV

Diese Variante wurde bisher lediglich auf einer einzigen Höhensiedlung Niederösterreichs nachgewiesen.

Stark geschüsselter Schrötling aus legiertem Silber mit hohem Kupferanteil.
Der Averszeigt ein stark aufgelöstes Bild eines Kopfes nach rechts, welches entfernt an den Athenakopf der Athena- Alkis Prägungen erinnert.

Av
Aufgelöster behelmter Kopf rechts mit Helm, kugelförmigem Auge, übergroßer Nase und geöffnetem Mund.
Rv
Stier links mit langgezogener Schnauze und großem Kugelauge nach links.
Das Beizeichen darunter unterscheidet sich von den übrigen Varianten.
Darüber ein winkelförmiges Symbol.

G: 0,43g


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BeitragVerfasst: 6. Dez 2016, 14:55 
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Ein derartiger Knopfsporn aus der Zeit LT D ist sowohl auf mehreren Obolen des Typs Manching, als auch auf diesem Kleinsilber als Beizeichen abgebildet.

Grüße
Harald


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Knopfsporn Eisen LT D.jpg
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BeitragVerfasst: 6. Dez 2016, 22:34 
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Hallo Harald,
sowohl die Münzen als auch Dein Text sind hochinteressant! Es wäre immens spannend, die Verbreitung der Kleinsilber Roseldorf III und der Manchinger Kleinsilber übereinander kartiert zu sehen.
Viele Grüße,
Docisam


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BeitragVerfasst: 7. Dez 2016, 11:51 
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Beiträge: 1940
Hallo DOCISAM!

Vielen Dank.

Das wäre in der Tat sehr interessant.
Zum Typ Manching gibt es mehrere Gemeinsamkeiten.
Infolge des annähernd gleichen Gewichtes, identer Schrötlingsgröße und- Form, sowie ähnlicher Legierung dürften diese Münzen von der Bevölkerung beider Stämme angenommen worden sein.
Die hohe Zahl vindelikischer Viertelquinare aus Roseldorf und anderen boischen Siedlungen, sowie jene boischen Kleinsilbers im Gebiet der Vindeliker sind ein Hinweis auf die engen Handelskontakte zwischen diesen beiden Stämmen.
Der Schatzfund boischer Goldmünzen ist ein weiterer Hinweis darauf.
Ziegaus vermutet, dass es Übergangszonen gab, in denen sowohl die süddeutsche, als auch die boische Währung als gleichwertig akzeptiert wurde.
(Ziegaus Großbissendorf 1995, S131)

Es existiert auch eine Überprägung auf den Typ Manching, welche in Bayern gefunden wurde:
http://www.numismatikforum.de/viewtopic ... II#p236646

Zur Verbreitung:
Das Zentrum liegt sicher in Roseldorf (ca. 60 Nachweise und alle Belege aus den frühesten Stempeln mit Ausnahme von Variante 4).
Weitere Nachweise entlang der Donau aus dem Raum Sankt Pölten, Linz Neubau
Mehrere Ostniederösterreichische Höhen- und Flachlandsiedlungen.

Datierung:
LT. D1

Viele Grüße
Harald

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BeitragVerfasst: 7. Dez 2016, 16:31 
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Eine weitere, bisher unpublizierte Variante:
Av: Links gerichteter Kopf mit Paubacke.
Rv: Stier l, darüber 3 Kugeln, darunter Winkelspitz.

Das Bild auf dem Avers ist eine wohl durch mehrmaligen Umschnitt entstandene Neuschöpfung.

Der Reversstempel ist durch Umschnitt aus der Variante 2 entstanden, wobei das Beizeichen unter dem Tier unterschiedlich gestaltet wurde und die 3 Kugeln darüber anders angeordnet sind.


D: 10mm
G: 0,41g


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