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 Betreff des Beitrags: Re: Enttarnte keltische Fälschung
BeitragVerfasst: 10. Aug 2016, 23:17 
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Hallo Hexaeder,

Habe zufällig wieder einmal meine Nase in den Kaffee gesteckt. Nachdem ich schon länger keinen brauchbaren Fotoapparat besitze, bin ich auf Hilfe angewiesen. So ich es zeitlich schaffe will ich Euch nächste Woche Bilder von kompletten Exemplaren dieses Halbstückes präsentieren und einige Detailinformationen dazu liefern.

Viele Grüße

Sammlerarchiv


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 Betreff des Beitrags: Re: Enttarnte keltische Fälschung
BeitragVerfasst: 18. Aug 2016, 18:14 
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Hallo Sammlerarchiv,

würde mich darüber sehr freuen!

hexaeder

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 Betreff des Beitrags: Re: Enttarnte keltische Fälschung
BeitragVerfasst: 23. Aug 2016, 23:21 
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Hallo Hexaeder,

Ich bin kein PC-Guru und hoffe mein Vorhaben zu schaffen.
Leider schaffe ich es trotz einiger Anläufe jetzt nicht die entsprechenden Bilder aus meiner Galerie in diesen Beitrag einzufügen. Ich werde Hilfe brauchen. Nachdem meine Antwort schon überfällig ist, habe ich mich entschlossen einstweilen den Text zu übermitteln. Die Fotos folgen demnächst.

Viele Grüße

Sammlerarchiv


Angeblicher „Kugelreiter mit venetischen Legenden“:

Erstmals beschrieben von A. Ruske (NZ 115. Bd. 2007 p. 9).
Der Avers zeigt einen „Apollokopf“ n. li. mit breitflächigem Gesicht, Rundauge und leicht ovaler Kugelwange wie er vom Typus inklusive Revers besser in die Tinco-Copo-Stufen-Gruppe B2 passt. Mit der Av.-Abbildung aller 3 Exemplare dieses Typs wird das Münzbild komplettiert. Auf die bisher nicht diskutierte Legende am Rv. soll hier erstmals eingegangen werden. Vorausschicken möchte ich, dass ich keine venetische Legende erkennen kann (weder Interpunktion noch sonst ein angedeutetes Merkmal für venetischen Schriftzug). Ich neige dazu die Inschrift TVIL retrograd (in lateinischer Schrift) zu lesen. Bei einem Deutungsversuch der Lesung von links nach rechts wäre ein mögliches LIVT, wobei diese (lateinische) Form des T in venetischer Schrift nur in Idria di Baca bezeugt ist. Allerdings können die Schriften auch gelegentlich lateinische Buchstaben bzw. Anklänge in den Buchstabenformen beinhalten. Die venetische Schrift hielt sich am längsten im nördlichen karnischen Bereich. Diese wurde hier erst mit der Romanisierung im 1. Jhdt. zurückgedrängt und verschwindet endgültig in augusteischer Zeit. Im Typenkatalog von Göbl existiert keine Spezies wie TINCO-Stufe mit lateinischer Legende.
Bald nach den Kugelreiter- und TINCO-Emissionen (A1 u. A2) werden die westnorischen Keltenmünzen vermehrt gefüttert produziert d. h. vorwiegend subärat aber auch subferrat (ist mit einem Magnet leicht zu erkennen). Dies muss man schon bei der Reinigung eines krustenartigen Fundbelags berücksichtigen, da ein aufgesprungener Silberbelag durch den Reinigungsprozess weiter zerstört werden könnte. Gefütterte Münzen werden bei der anschließenden Patinierung beispielsweise durch kurzzeitiges Anschwitzen mit der Hand an der Münzoberfläche bald dunkel eingefärbt (besonders das Kleinsilber, weil hier die Stärke der Silberhaut naturgemäß wesentlich geringer ist. Man weiß nie wie viele Metallbestandteile des Kerns bereits durch Korrosion verloren gegangen sind. So konnte ich Verluste im Extremfall von über 2 Gramm je Münze registrieren, obwohl nach der Reinigung die Silberhaut noch optisch intakt schien. Bei einem Einzelstück kann daher das Gewicht für die Beurteilung der zeitlichen Stellung problematisch sein. Wenn wir für diese TINCO-Stufe die Gewichte zum Vergleich nehmen (9,96-10,19-7,55g), so lasse ich das aus dem Rahmen fallende geringste Gewicht aus vorstehendem Grunde unberücksichtigt und wir erhalten ein Ø Gewicht von ca. 10,07g. Berücksichtigen wir noch die beiden TVIL-Überprägungen 9,50 (NZ 115. Bd. p. 12) und 10,26g (lt. Kostial) so ergibt das einen Schnitt von 9,98 gerundet für 4 Exemplare, was der relativchronologischen Phase der TINCO-COPPO-Schicht durchaus entspricht.
Etwas schlechter bestellt erscheint mir die absolute Chronologie. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Göbl mit seiner absoluten Chronologie um gut 200 Jahre danebenlag. Erst der Fund von Enemonzo, der sowohl Kugelreiter als auch datierbare römisch-republikanische Münzen enthielt zeigte deutlich seine Fehlinterpretation auf. So wurde die absolute Chronologie von den beiden kompetenten und kritischen Forschern Gorini und Kos bereits für die Kugelreiter auf 180 bis ca. 115 v. Chr. korrigiert. Gorini datiert im Fund von Enemonzo die Kugelreitertypen B1c, C2a u. C2b mit ungefähr 160 v. beginnend, obwohl der röm. Fundanteil v. 211 bis 170 reicht. Bei den Enemonzo-Kugelreiteremissionen mit nur geringen Zirkulationsspuren beträgt das Durchschnittsgewicht von 40 Exemplaren je 11,52g. Die meist prägefrischen Haimburger Kugelreitertypen A1 u. AA1 ergeben eines von 11,988g (v. 202 Exemplaren) bei einer vermuteten Prägezeit von 180 – 160 v. Chr. Gorini argumentiert, dass trotz der röm. Schlussmünzen aus den Jahren 179/170 v. Chr. der Fd. v. Enemonzo erst um 130/125 v. Chr. verborgen worden sein soll. D. h. er geht davon aus, dass im urkeltischen Gebiet der Karner (ursprünglich Taurisker?) zuerst die röm. Münzen umliefen und erst über 40 Jahre später ihr eigenes, bald nach der Ausgabe gehortetes, Geld mit in den Fundkomplex gelangte.
Mir bereiten Gorinis Interpretationen schon Kopfzerbrechen. Warum kann es nicht umgekehrt gewesen sein?
Bevor ich hier fortfahre möchte ich eine gewagte These zur Chronologie präsentieren.
Wenn wir uns die historischen Schwerpunkte an Ereignissen des 2. Jhdts. vor Chr. für Noricum ansehen, so kann ich mir folgende Zusammenhänge vorstellen: Den gewaltigen Fund von Malta-Koschach (ein Teil davon wurde v. Marcer in seiner Dissertationsschrift zusammengefasst, ein gewaltiger Rest des Fundmaterials harrt noch seiner Bearbeitung was er aus beruflichen Gründen momentan nicht schafft) möchte ich mit der Krise mit den Römern im Jahre 186 v. Chr. in Verbindung bringen als eine größere Schar von Galli Transalpini wahrscheinlich ein Stamm norischer Kelten in das Gebiet bei Aquileia eingewandert ist um dort ein Oppidum zu gründen. 183 v. Chr. musste dieser Keltenstamm auf das Drängen Roms diese Ansiedlung wieder Richtung Alpen verlassen. Auch ist es vorstellbar, dass die eigenständige Großsilberprägung bereits mit der Schlacht von Noreia 113 v. Chr. endete, als der röm. Konsul Papirius Carbo von den Germanenstämmen der Kimbern und Teutonen aufgerieben wurde. Als Folge dieser Kriegshandlung als Schutzherr Noricums könnte den norischen Fürsten (Reguli) bereits von Rom aus untersagt worden sein, weiter eigene Großsilbermünzen zu prägen. Gesichert aber ist, dass diese spätestens um 50 v. Chr. endete. Kenntnis haben wir von diesen Ereignissen ohnehin nur von tendenziös verfassten späteren röm. Quellen, die uns den jeweiligen tatsächlichen Verlauf (Hintergrund) breiten Interpretationsraum lassen. Dieses Verbot bewirkte die Thesaurierung aller heimischen Großmünzen durch die keltische Bevölkerung, die sich mit diesem ihrem geliebten Geld identifizierte. So wurden diese Geldstücke über Generationen weitergegeben und können daher auch als Einzelstücke noch Generationen später in Funden auftreten.
Sehen wir uns die Fundsituation am Paradeberg Österreichs am Magdalensberg an. Hier wurde in den letzten 40 - 50 Jahren angeblich kein ansprechenderes Großsilber mehr gefunden, was nicht glaubhaft ist. Kann es sein, dass Chefarchäologen ein Deputat haben? Das Problem ist, dass wir dringend statigraphische Beweise für die aus ihrem archäologischen Zusammenhang gerissenen Münzen brauchen um Klarheit in dieser Frage zu bekommen.
Nach diesem Exkurs zur Chronologie zurück zum Fund von Enemonzo:
Mit der fiktiven Annahme, dass zuerst das frühere heimische Geld vorhanden war und erst später römisches Geld durch Handel in diese Gegend kam würde sich der chronologische Ablauf entscheidend ändern und entspräche einer globalen Entwicklung über die Entstehung der keltischen Münzprägung, wobei wir durch den Fes∙-Typ als früheste heimische Emission vielleicht schon vor den Nachbarstämmen über Münzen verfügten. Bezug nehmend auf das eben Gesagte ist von Bedeutung, dass mir ein weiterer Einzelfund einer Fes∙-Tetradrachme, die am Tscheltschnigkogel bei Villach zutage kam, bekannt wurde und daher ein weiteres Indiz dafür ist, dass dieser Typ hier entstanden sein dürfte.
Noch kurz zur Chronologie:
Auf Basis des oben Gesagten ist diese TVIL-Tetradrachme laut Gorini/Kos ab ca. 115ff v. Chr. zu datieren. Nach meinem obigen Vorschlag fällt diese in etwa in die Prägephase der Münzen des Malta-Koschach Fundes und müsste daher vor 180 v. Chr. geprägt worden sein.

Literatur:
TKN Göbl 1973
LNV 3. Bd. 1987, p. 249/250 + Tf. 35 (Göbl)
Kostial 1997 Kelten im Osten. Sammlung Lanz Nr. 119 p. 42
NZ 113./114. Bd. 2005 p. 79, 81 u. 83 (Marcer)
Gorini Il ripostiglio di Enemonzo e la monetatione del Norico, Padova 2005
NZ 115. Bd. 2007 p. 9, 13 u. 14 (A. Ruske)


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 Betreff des Beitrags: Re: Enttarnte keltische Fälschung
BeitragVerfasst: 26. Aug 2016, 11:40 
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Sammlerarchiv,

möchte mich recht herzlich für deine genaue Erläuterung zu meinem Münzfragment bedanken, die schon vielmehr einem gesamten Artikel über das Fundstück gleicht!
Für die passenden Fotos dazu könnte ich dir folgende Hilfe anbieten.
Leider ist es im "Numismatik Café" nur möglich, Bilder mit maximal 120 KB hochzuladen. Da aber heutzutage jedes Handy und jede Minikamera Bilder mit 3 bis 5 MB (3000 bis 5000 KB) liefern muss man die Fotos dementsprechend "zusammenschneiden". Als Fotograf kann ich dir das Angebot machen, für dich die Bilder mit dem Programm "Photoshop" auf ein entsprechendes "Miniformat" zu verkleinern, ohne einen wesentlich merkbaren Qualitätsverlust. Könnte dann die Bilder in diesen Leitfaden hochladen und du machst die Beschreibung dazu.
Aus diesem Grund sende ich dir eine private Nachricht mit meiner Emailadresse.

Nochmals herzlichen Dank,
hexaeder

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 Betreff des Beitrags: Re: Enttarnte keltische Fälschung
BeitragVerfasst: 26. Aug 2016, 22:34 
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Hier nun die hochgeladenen Fotos.
Auf den Rückseiten der ersten beiden Münzen (699 und 702) kann ich recht eindeutig auch mein Teilstück erkennen. Der retrograde Schriftzug TVIL, sowie die Beine und punktförmigen Hufe passen perfekt! Es besteht kein Zweifel mehr, dass es sich hier um diesen Münztypus handelt! Sind die gezeigten Münzen aus reinem Silber oder auch
Zitat:
gefüttert produziert d. h. vorwiegend subärat aber auch subferrat ?


Herzliches Dankeschön für die Hilfe beim Knacken dieser äußerst harten Nuss!
hexaeder


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Zuletzt geändert von hexaeder am 27. Aug 2016, 08:47, insgesamt 2-mal geändert.
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 Betreff des Beitrags: Re: Enttarnte keltische Fälschung
BeitragVerfasst: 26. Aug 2016, 22:44 
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Die zweite Münze:


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 Betreff des Beitrags: Re: Enttarnte keltische Fälschung
BeitragVerfasst: 26. Aug 2016, 22:45 
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Am Revers der dritten Münze findet sich der Schriftzug TVIL ebenfalls retrograd und noch dazu verkehrt auf dem Rücken des Pferdes liegend!


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