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 Betreff des Beitrags: Früheste Münzen in Bayern
BeitragVerfasst: 6. Apr 2010, 18:24 
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Die frühesten Münzen, die in Bayern nachgewiesen wurden sind kleinste Goldnominale.
Ein Beispiel dieser frühen 1/24 Stater ist der Typ Janus I.
Davon wurden 2 unterschiedliche Varianten im Schatzfund vom Hofodinger Forst in Bayern geborgen.Diese beiden Varianten dürften auf Grund der Vergesellschaftung im Schatzfund gleichzeitig umgelaufen sein.
Die Gesamtzahl des Depots liegt bei 178 Stück, davon konnten 113 Stück wissenschaftlich erfasst werden.

Das Vorbild zu den Münzbildern ist bei der römischen Litra aus den Jahren 225-212v. Chr. mit dem Januskopf und dem Pferd auf der Rückseite zu finden.

Variante b Pferd klein
Nick Fundortliste: 90 Stück in Hofolding, Nahbereich Fentbachschanze
Gewicht: 0,26-0,36g, Dgw: 0,30g

Variante a Pferd groß
Nick Fundortliste: 23 Stück in Hofolding, Nahbereich Fentbachschanze
Gewicht: 0,28-0,34g, Dgw: 0,30g
Besonderheit: Einige Exemplare der Variante a wurden in legiertem Gold geprägt.

Auszug aus M. Nick (S 20-22, Taf. 1,1, S 99):
Janus 1 und 2 sind durch Grabfunde in den Zeitraum 250-210 datierbar und zwar eher am Ende der Periode.
Somit ist die Prägung aller süddeutschen Kleingoldtypen in die 2. Hälfte des 3. Jh.v.Chr. zu setzen.
Der Fund vom Hofoldinger Forst könnte ein Hinweis auf eine längere Prägedauer bis in das 2. Drittel des 2.Jh.v.Chr. sein, was aber ohne archäologischen Befund nicht zwingend erscheint.
Für alle diese frühen süddeutschen Prägungen ist ein boischer Einfluß bemerkbar.
Es existieren zu diesen frühen Teilstücken auch keine anderen Nominale, wie Drittel, oder Ganzstücke, so dass an eine völlig eigenständige Kreation erkennbar ist, die sich auch bei den späteren Regenbogenschüsselchen nicht mehr findet.

Das häufige Vorkommen von 1/24 Stateren mit Januskopf in Gräbern, sowie der Inhalt der Münzbilder könnte ein Hinweis auf eine Funktion im sakralem Bereich sein.
Mit Ausnahme des Schatzfundes vom Hofoldinger Forst wurde jedes 7. Stück bei einer Gesamtzahl von lediglich 13 Stücken in Gräbern gefunden.
Polenz beschreibt in seinem Aufsatz über Münzbeigaben in la-tenezeitlichen Gräbern Mitteleuropas 23 Gräber mit Münzbeigaben, davon 2 mit 1/24 Stateren dieses Typs.
Die Symbolik des Januskopfes ist ein weiterer Hinweis, da dieser in Rom als „Torgott“, oder Wächter verehrt wurde. Mit seinem Blick in beide Richtungen personifiziert er die Durchgänge im topografischen, zeitlichen und übertragenen Sinn.

Zitat Schatzfund:
L. Wamser, Ein Schatzfund keltischer Goldmünzen aus dem Hofoldinger Forst, Gold, Magie Mythos Macht, Katalog zur Auustellung der Archäologischen Staatssammlung München, 2002, S 100- 128.
Diese beiden Münzen sind abgebildet auf den Tafeln 75 und 76, 1 Reihe 1. Stück von links,
3. Reihe 2. Stück von links.

1/24 Stater Typ Janus 1
geschüsselter Schrötling
D: 7mm, 6,9mm
G: 0,34g, 0,29g
Datierung: 220-190v.Chr.
Das rechte Exemplar ist nicht nur leichter, es ist auch aus einer stärker legierten Goldlegierung geprägt.
Vergleicht man beide Stempelvarianten ist zu vermuten, dass die Stempel der rechten Münze die jüngeren sind.

Grüße
Harald


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Typ Janus 1, Av.jpg
Typ Janus 1, Av.jpg [ 103.84 KiB | 3560-mal betrachtet ]
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 Betreff des Beitrags: Re: Früheste Münzen in Bayern
BeitragVerfasst: 8. Apr 2010, 21:32 
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Hallo Harald!

:appaus: , das sind die Beiträge, die dieses Forum auszeichnen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Früheste Münzen in Bayern
BeitragVerfasst: 9. Apr 2010, 18:25 
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merci :D

Liebe Grüße
Harald

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 Betreff des Beitrags: Re: Früheste Münzen in Bayern
BeitragVerfasst: 29. Dez 2020, 20:32 
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Ich grabe diesen thread nach über 10 Jahren mal wieder aus.

Ich interessiere mich schon länger für dieses Stück, habe aber von einem Muenzhaendler meines Vertrauens gelernt, dass es sich bei dem hier abgebildeten Typ des Janus 1/24 Staters um Fälschungen handelt. Andere muenzhaendler haben dies bestätigt.

Auf der anderen Seite wird dieser Typ häufig auf Auktionen gehandelt (und erzielt auch immer deutlich weniger als die “alten” Typen). Lanz scheint nun eine Reihe bei eBay einzustellen, dazu ein Text Auszug von Ludwig Wamser, der zwar die Fundgeschichte, nicht jedoch die Echtheit in Frage stellt.

Wie ist eure Meinung?

Gruss, Andreas


Zuletzt geändert von Lordlindsey am 10. Jan 2021, 13:37, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Früheste Münzen in Bayern
BeitragVerfasst: 6. Jan 2021, 11:10 
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ich kenne den Artikel von Wamser.
Dieser hat mich auch dazu bewogen, beide Münzen zu erwerben.

Mittlerweile spricht leider mehr für neuzeitliche Falsa, als für deren Authentizität..
Das wurde mir von nahezu allen Fachleuten bestätigt.

Deshalb würde ich raten, von einem Erwerb abzusehen.

Meine Erfahrung nach langjähriger Sammeltätigkeit:
Auch wenn nur der geringste Zweifel an der Echtheit besteht, hat man langfristig keine Freude damit.

Ich werde demnächst ein echtes Exemplar einstellen.
Alleine die stilistischen Unterschiede sind extrem.

Grüße
Harald

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 Betreff des Beitrags: Re: Früheste Münzen in Bayern
BeitragVerfasst: 10. Jan 2021, 01:59 
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Danke für die Aufklärung, Harald, das deckt sich dann ja mit meinen Informationen. Dann ist der Wamser Artikel vor der Fälschungsdiskussion entstanden. Der Unterschied zum Original ist in der Tat deutlich. Und du hast völlig recht: jeder noch so kleine Zweifels stört die Freude an der Muenze.

Bei der Gelegenheit kann ich auch den anderen vindeliker 1/24 Stater vorstellen, den ich seit 4 Jahren in der Sammlung habe.

Vs:juenglinkopf, Rückseite: androkephales Pferd mit vogelklauen, mit Vogel auf der Kruppe, springt über Vogel. 0,32g

Gruss, Andreas


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E9BCCA81-2C57-44E5-9A57-ECF5E9C3AADD.jpeg
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Zuletzt geändert von Lordlindsey am 11. Jan 2021, 22:32, insgesamt 1-mal geändert.
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 Betreff des Beitrags: Re: Früheste Münzen in Bayern
BeitragVerfasst: 11. Jan 2021, 12:51 
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Hallo Andreas,

Herzlichen Glückwunsch zu dieser Rarität in überdurchschnittlicher Erhaltung.

Gerne stelle ich in diesem Zusammenhang meinen (sicher echten) 1/24 Stater des Typs Janus 1 vor.
Er stammt aus dem Erststempel und ist stempelgleich mit dem Exemplar bei Steffgen Ziegaus Nr. 3.
Aus dem diesem stilistisch sehr gut geschnittenem Erststempel sind bisher lediglich 4 Exemplare publiziert, eines davon im Handel( Künker 216,20).

G: 0,315g
D: 7-8mm

Man erkennt auf den ersten Blick die großen stilistischen Unterschiede zu den angeblichen Stücken vom Hofoldinger Forst.

Grüße
Harald


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Vierunzwanzigstel Vindeliker Januskopf A Av.jpg
Vierunzwanzigstel Vindeliker Januskopf A Av.jpg [ 65.8 KiB | 292-mal betrachtet ]
Vierundzwanzigstel Vindeliker Januskopf A Rv.jpg
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 Betreff des Beitrags: Re: Früheste Münzen in Bayern
BeitragVerfasst: 11. Jan 2021, 20:45 
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Tolles Stück, Harald. Herzlichen Glückwunsch! Und der ist, soweit ich das einschätzen kann, ganz sicher echt.

Der “Markt” scheint trotz Akteure wie Lanz zu wissen, dass nur dieser Typ als echt einzuschätzen ist: auf Auktionen erzielen diese einen weitaus höheren Zuschlag...

Habe für meinen 1/24 stater noch das Gewicht hinzugefügt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Früheste Münzen in Bayern
BeitragVerfasst: 13. Jan 2021, 13:49 
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Hallo Lordlinsey,

Herzlichen Dank.

[i]Der “Markt” scheint trotz Akteure wie Lanz zu wissen, dass nur dieser Typ als echt einzuschätzen ist: auf Auktionen erzielen diese einen weitaus höheren Zuschlag...

Damit hast zu zweifellos recht.
Vor 10 und erst recht vor 20 Jahren war das Vertrauen der Sammler noch weitaus größer und die heute durchaus berechtigten Zweifel hatten sich damals noch nicht herumgesprochen.

Grüße
Harald

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