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BeitragVerfasst: 5. Jun 2018, 14:06 
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Liebe Freunde mittelalterlicher Gepräge,
es ist ein eigenartiger Denar von Matthias Corvinus (Hunyadi) (1458-1490) aufgetaucht, welchen ich im doch sehr umfassenden Werk von Lajos HUSZÁR nicht finden kann. :book: Diese Art von Denar sollte irgendwo zwischen den Nummern 716 und 726 zu finden sein?

Die Wappenseite (übrigens, das Wappen passt genau) mit dem Schriftzug:
.M.MAThIE._ _ VNGARIE. unterscheidet sich lediglich durch einen Punkt statt einem Kreuz vor dem ersten "M" und wäre eine Variante zu Hu. 716, 717 oder 722.

Wesentlich deutlichere Unterschiede gibt es da allerdings am Revers und zwar schon in der Umschrift:
MAGROn hVNGA* Am Ende der Schrift eine fünfteilige Rosette, aufgebaut aus fünf Dreiblättern. Die Beizeichen beiderseits der Madonna mit Kind, ein gotische "C" und eine Lilie, gibt es in dieser Form nur beim Hu. 717. Hier würde die Umschrift allerdings PATROn VnGAR lauten.
Gut, bei der Umschrift könnte es sich um einen Rechtschreibfehler handeln: MAGROn anstatt PATROn. Das wären lediglich zwei Buchstaben. Aber keiner dieser Denare zeigt eine derartig große Rosette am Ende der Schrift!
Der Denar zeigt beste Silberqualität, deshalb würde ich eine Fälschung eher ausschließen.
Größe: 16 mm
Gewicht: 0,69g
Habe mehrere Stücke von diesen Denaren und auch ein weiterer unterscheidet sich etwas von den edierten Stücken. Allerdings ist der Unterschied nicht so deutlich, wie bei dem jetzt gezeigten Stück.

Hat jemand von euch den Unger?
Gibt es derartige Denare in anderer Fachliteratur?

hexaeder


Dateianhänge:
Denar Matthias Corvinus 1458-1490 unediert AV.JPG
Denar Matthias Corvinus 1458-1490 unediert AV.JPG [ 119.28 KiB | 637-mal betrachtet ]
Denar-Matthias-Corvinus-1458-1490-unediert-RV.jpg
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BeitragVerfasst: 30. Jun 2018, 06:02 
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Wohnort: Püttner Mark
Aufgrund einer persönlichen Mitteilung aus Ungarn habe ich nun den Text auch in englischer Sprache ins Forum hinzugefügt.

Dear friends of medieval coins,
Since I also received a personal message from Hungary, I have now added the text in English to the forum.

A peculiar denarius by Matthias Corvinus (Hunyadi) (1458-1490) has appeared, which I can not find in the very comprehensive work of Lajos HUSZÁR. :book: This type of denar should be somewhere between the numbers 716 and 726?

The front side (by the way, the coat of arms fits exactly) with the lettering:
".M.MATHIE._ _ VNGARIE." differs only by a point instead of a cross before the first "M" and would be a variant to Hu. 716, 717 or 722.

Significantly differences are there on the back of the coin and already in the inscription:
MAGROn hVNGA * At the end of the typeface, a five-part rosette made up of five trefoils. The designations on both sides of the madonna with child, a Gothic "C" and a lily, are only watchable in this form at the Hu 717. Here, however, the inscription would be PATROn VnGAR.
Well, the transcription could be a spelling mistake: MAGROn instead of PATROn. That would be just two letters. But none of these denars shows such a big rosette at the end of the writing!
The denarius shows the best silver quality, so I would rather exclude a fake.
Size: 16 mm
Weight: 0.69g
Have several pieces of these denarii and another is slightly different from the edited pieces. However, the difference is not as clear as in the piece shown now.

Does anyone of you have the Unger?
Are there such denars in other literature?

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BeitragVerfasst: 30. Jun 2018, 10:51 
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Dear heaxaeder,

First of all, this is a wonderful and an absolutely normal piece. Sadly you can't find any reference in the catalogs, because they recorded only types, but not variations.
This is the Huszár 717, Unger 562. type, where are 2 main legend variations on the obverse: mOnETA.MAThIE and m.MAThIE. The first is only on the (chronological) first two mintmarks - always on the K-K shield and rarer on the K-shield (it means that the K-shield is mostly m.MAThie but it occur with the MOnETA variant, too). The third mintmarks from Kremnitz (Körmöcbánya) is always m.MAThIE.
These 3 mintmarks are from the biggest mintage, Kremnitz.
There were 4 other mintages on this type:
Nagybánya (n-...), Nagyszeben (h-T), Kassa (C-lily) and Buda (B-...). All of these are probably always with the legend m.MAThie. On the denars from Kassa and Buda used to be some wrong variations to this: MAGhIE or hVnTARIE.
The legend beginner cross (+) is a trait for the Kremnitz mintmarks but it miss from the others.

On the reverse, there are some variations, too. The PATROn/A - hVNGAR/I/E (or VnGARIE) is (or would be) the official, but there are some wrong variations for this. The MATROnA and MAGROnA is a trait for the pieces from Kassa (C-lily). I've never seen PATROnA on this type from C-Lily.
On the Buda denars are also are some wrong variations: PAGROn, hVnTARIE.

You can see the big rosette on your piece's reverse. There used to be a point, a rosette from 7 points and a normal rosette, like yours. It is true for the obverse, too.

There is an old literature for MATROnA, but is in hungarian: Hunyadi ezüstpénzei by Artúr Pohl.

I hope I could help you. If you have any other questions about it, just ask, or if you have other interesting or just wonderful pieces from this period, I will be glad to see them. This is a much more colorful theme than the collectors think usually.

Kind regards, Wladislai


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BeitragVerfasst: 2. Jul 2018, 15:41 
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Dear Wladislai,

Thank you very much for your detailed comments on my coin. From your remarks I read out that my coin is a variation of Huszár 717 (Unger 562).
Mintmark "C-lily" means that my coin should be from Kassa mintage.
I know 4 of 5 mintages you wrote. Kremnitz, now Kremnica in Slowakia, Körmöcbánya in your language. Buda is now part of your capital. I know really very good Nagybánya, today Baya Mare, capital of Judetul Maramures and Nagyszeben (Hermannstadt), today Sibiu, from several visits in the 1990th. But I have never heard "Kassa"? :book: Is "Kassa" today Košice (Kaschau) in Slowakia?

I will translate your text in German, so that interested readers who do not understand English can read along.

Best regards,
hexaeder

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Zuletzt geändert von hexaeder am 2. Jul 2018, 15:49, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 2. Jul 2018, 15:45 
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Wladislai hat geschrieben:
Lieber Heaxaeder,

Das ist vor allem ein wunderbares und absolut normales Stück. Leider können Sie keine Referenz in den Katalogen finden, weil nur Typen, aber keine Variationen aufgezeichnet wurden.
Dies ist die Huszár 717, Unger 562. Typ, wo es zwei Hauptlegenden Variationen auf der Vorderseite gibt: mOnETA.MAThIE und m.MAThIE. Die erste ist nur auf den (chronologischen) ersten beiden Münzzeichen - immer auf dem K-K-Schild und seltener auf dem K-Schild (es bedeutet, dass das K-Schild meist m.MAThie ist, aber auch bei der MOnETA-Variante). Das dritte Münzzeichen aus Kremnitz (Körmöcbánya) ist immer m.MAThIE.
Diese 3 Münzzeichen stammen aus der größten Auflage, Kremnitz.
Es gab 4 andere Prägungen dieses Typs:
Nagybánya (n -...), Nagyszeben (h-T), Kassa (C-Lilie) und Buda (B -...). Alle diese sind wahrscheinlich immer mit der Legende m.MAThie. Auf den Denaren aus Kassa und Buda gab es früher einige falsche Variationen: MAGhIE oder hVnTARIE.
Die Legende Ein Kreuz am Anfang (+) ist ein Merkmal für die Kremnitz-Münzzeichen, fehlt aber bei den anderen.

Auf der Rückseite gibt es auch einige Variationen. Der PATROn / A - hVNGAR / I / E (oder VnGARIE) ist (oder wäre) der Offizielle, aber es gibt einige falsche Variationen dafür. Die MATROnA und MAGROnA sind ein Merkmal der Stücke aus Kassa (C-Lilie). Ich habe PATROnA auf diesem Typ nie von C-Lily gesehen.
Auf den Buda-Denaren sind auch einige falsche Varianten: PAGROn, hVnTARIE.

Sie können die große Rosette auf der Rückseite Ihres Stückes sehen. Früher gab es einen Punkt, eine Rosette von 7 Punkten und eine normale Rosette wie deine. Das gilt auch für die Vorderseite.

Es gibt eine alte Literatur für MATROnA, aber ist in Ungarisch: Hunyadi ezüstpénzei von Artúr Pohl.

Ich hoffe, ich konnte ihnen helfen. Wenn Sie weitere Fragen dazu haben, fragen Sie einfach, oder wenn Sie andere interessante oder einfach wundervolle Stücke aus dieser Zeit haben, werde ich mich freuen, sie zu sehen. Dies ist ein viel bunteres Thema, als die Sammler normalerweise denken.

Mit freundlichen Grüßen, Wladislai

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BeitragVerfasst: 2. Jul 2018, 15:49 
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Wohnort: Püttner Mark
hexaeder hat geschrieben:
Lieber Wladislai,

vielen Dank für Ihre ausführlichen Kommentare zu meiner Münze. Aus Ihren Bemerkungen habe ich herausgelesen, dass meine Münze eine Variante von Huszár 717 (Unger 562) ist.
Mintmark "C-Lilie" bedeutet, dass meine Münze aus der Münzstätte "Kassa" stammen sollte.
Ich kenne 4 von 5 Prägestätten, die sie geschrieben haben. Kremnitz, jetzt Kremnica in der Slowakei, Körmöcbánya in Ihrer Sprache. Buda ist jetzt Teil ihrer Hauptstadt. Ich kenne Nagybánya wirklich sehr gut, heute Baya Mare, Hauptstadt von Judetul Maramures und Nagyszeben (Hermannstadt), heute Sibiu, von mehreren Besuchen in den 1990er Jahren. Aber ich habe noch nie "Kassa" gehört? Ist "Kassa" heute Košice (Kaschau) in der Slowakei?

Ich werde Ihren Text auf Deutsch übersetzen, damit interessierte Leser, die kein Englisch verstehen, auch mitlesen können.

Freundliche Grüße,
hexaeder

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BeitragVerfasst: 3. Jul 2018, 12:02 
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Yes, Kassa is Kaschau (today in Slovakia as Körmöcbánya/Kremnitz, too). Thre was an important mintage for centuries. The pieces from here mostly very exciting for the collectors, because they are often differ from the other pieces from the same type. Your denar is a nice example for this.


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BeitragVerfasst: 3. Jul 2018, 12:33 
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Wohnort: Püttner Mark
Wladislai,
Thank you very much for your help.
This week I have a lot of work with an extensive stock market report. But I have another unedited Denar from Matthias Corvinus. I will post this specimen next week here on this page.

Kind regards,
hexaeder

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