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BeitragVerfasst: 25. Jul 2017, 22:49 
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Bei der Beschäftigung mit mittelalterlichen Pfennigen stößt man oft auf Doppelgänger oder ähnliche Motive. In manchen Fällen sind es auch Beischläge oder Fälschungen. Unser Freund jetonicus hat im Moneytrend 3/2014 einen sehr interessanten Artikel über dieses Thema bei den Wiener Pfennigen geschrieben. Aus diesem Aufsatz möchte ich 2 Pfennige vorstellen, die ein sehr ähnliches Motiv aufweisen, aber aus verschiedenen Münzstätten stammen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben: Es ist der B 188 aus der Münzstätte Enns und sein Doppelgänger, der vermutlich in Böhmen (Eger?) geprägt wurde. Beide zeigen ein drachenähnliches Tier nach links mit zurückgewandtem Kopf.
Der Verfasser spricht von einer "Motivwanderung". Als Klammer für die beiden Motive könnte Ottokar II. von Böhmen dienen, obwohl der B 188 seinem Bezwinger Rudolf I. von Habsburg zugewiesen wird. Rudolf hat nach der Übernahme der Macht in den ehemals babenbergischen Ländern seine Bedeutung auch durch die Münzbilder dokumentiert (genau so wie zuvor auch Ottokar). Er könnte das Drachenmotiv, das ja ein Zeichen von Kraft und Macht ist, von Ottokar übernommen haben um zu dokumentieren: "Jetzt bin ich der Chef". Dann müsste der Eger-Pfennig allerdings vor dem B 188 geprägt worden sein. Ein wenig spekulieren darf man ja, wenn man kein Wissenschaftler sondern nur Sammler ist.


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CNA B188 Enns Rud.I. Drache.jpg
CNA B188 Enns Rud.I. Drache.jpg [ 52.06 KiB | 2567-mal betrachtet ]
Pfennig Böhmen verm. Eger vergl. B188.jpg
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BeitragVerfasst: 26. Jul 2017, 06:32 
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Danke für den interessanten Artikel!
In dieser Überlegung der Stärke gehört sicher auch dazu dass das Bild des Drachens schon bekannt war. Dadurch wurde die Münze vom Volk erkannt und auch angenommen.

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BeitragVerfasst: 26. Jul 2017, 20:21 
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Hofrat
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Wohnort: Püttner Mark
Lieber OTAKAR,
vorerst möchte ich bemerken, dass es mich sehr freut, dass du hier wieder mehr tätig bist! ;)

Bei jenen von dir gezeigten Stücken handelt es sich um einen Pfennig, der mir auch sehr ans Herz gewachsen ist. So sehr, dass ich in gleich in doppelter Ausführung habe, sowohl als B188 ohne Krone, der Rudolf von Habsburg (1276-1282) zugeordnet wird, als auch als mit Krone, den man der Münzstätte Eger zuschreibt.

Vom B188 bekam ich ein an sich sehr schön geprägtes Stück, ähnlich deinem, mit leichter Prägeschwäche im Hals- und Prankenbereich links. Im Jänner vergangenes Jahr folgte dann auch noch ein weiteres Stück, dass gerade in diesem Bereich besonderes stark ausgeprägt ist. Der Betrachter kann sogar noch acht Punkte im Halsbereich erkennen! Wie in vielen Fällen bei Mittelalterpfennigen müsste man zwei Münzen zu einer zusammenfügen können! ;)

Außerdem dürfte es sich hier um einen anderen etwas veränderten Stempel handeln! Der Unterschied liegt im oberen Bereich des vorderen Fußes, gleich wo er aus dem Körper des Drachen heraustritt. Möglicher Weise hatte der andere Stempel auch keine Punkte am Hals? :?:

hexaeder


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0077 CNA B188 Rudolf von Habsburg (1276-1282)AV.jpg
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BeitragVerfasst: 2. Aug 2017, 20:48 
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Hofrat
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Wohnort: Püttner Mark
Habe gerade gesehen, dass ich euch noch die beiden gekrönten Drachen schuldig geblieben bin.
Jene der Münzstätte Eger zugeschriebenen Pfennige unterscheiden sich recht deutlich durch ein kräftiges Relief von den zumeist recht flachen B 188 Pfennigen aus Enns. Der vordere (rechte) Fuß zeigt einen deutlichen Abstand zum Körper, ja und dann natürlich die dreizackige Krone.

hexaeder


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0053 CNA B188 Beischlag, Rudolf (1276-1282)AV.jpg
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0266 Beischlag zu CNA B188 Rudolf von Habsburg (1276-1282)AV.jpg
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BeitragVerfasst: 2. Aug 2017, 20:59 
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Hofrat
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Wohnort: Püttner Mark
Die MÜNZENHANDLUNG MANFRED OLDING hat gerade 7 Stück dieser Eger-Pfennige in die MA-Shops gestellt. Zu durchaus vernünftigen Preisen. Die böhmische Variante dürfte ungleich häufiger sein, als der B 188 aus Enns. Obwohl hier gleich sieben gleichartige Stücke vorliegen, kann ich mir trotzdem keine Rückseite zusammenreimen. :? Auch meine Stücke zeigen die Rückseitenprägung nur sehr verstümmelt. Der Revers dürfte der starken Profilierung des Averses zum Opfer gefallen sein!
Olding beschreibt diese Pfennige wie folgt:
Zitat:
Pfennig 1220-1300 Böhmen Anonym.
Katalognummer: Fd. Unterhermsgrün 47 Slg. Gaettens 1539
Gekröntes lindwurmähliches Tier nach links schreitend mit rückwärts gewandtem Kopf / Undeutliche Darstellung in Kreis von Rosetten
Schwinkowski verzeichnet diese Stücke als nordböhmische oder fränkische Pfennige, Gaettens verweist die Stücke an die Münzstätte Eger.
Anonym. 1220-1300


hexaeder

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