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BeitragVerfasst: 12. Mär 2017, 15:38 
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Doktor

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Zur "Hand" auf den Fischauer Pfennigen siehe

Hahn, Wolfgang / Luegmeyer, Andrea:
Antike Münzbilder auf einem Fischauer Pfennig des 12. Jahrhunderts In: Mitteilungen der Österreichischen Numismatischen Gesellschaft Bd. 36 (1996) S. 106-110.

Hier wird die Meinung vertreten, daß es sich um einen Handschuh handelt, einem Rechtssymbol im Mittelalter.

Auf böhmischen und anderen Pfennigen kommt die Hand (Manus Dei) anscheinend von oben und steht zwischen A - O.

Übrigens sind im neuen Rauch-Katalog wieder ein paar Fischauer zu sehen... muß wohl ein Fund sein. Hoffentlich kann ihn jemand dokumentieren, bevor er in unzugängliche Kanäle zerstreut wird.

Jetonicus


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BeitragVerfasst: 12. Mär 2017, 16:59 
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Doktor
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Wohnort: aus dem "Land im Gebirge"
Besten dank für den Literaturhinweis!

Zitat:
Die österreichischen Münzstätten im 12. Jahrhundert
Zu den Dünn-Pfennigen von Neunkirchen/Pitten, Fischau und Enns
(Typenkatalog, Konkordanzliste und Literaturhinweise)

_________________
Beste Grüße,
zwanzger

Quaere et invenies


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BeitragVerfasst: 13. Mär 2017, 05:25 
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Professor
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Wohnort: Püttner Mark, Ostarrichi
KarlAntonMartini, klaupo und Jetonicus,

Bernhard Koch schreibt im CNA bei den Kaiser Heinrich V. zugeordneten Pfennigen mit Hand, sowie bei den Prägungen der Äbte mit Einzelhand, noch von einer
Zitat:
...aufragenden Hand zwischen zwei Türmen.....

Bei den Prägungen mit zwei Händen von
Zitat:
.....zwei Händen mit ausgestellten Daumen....


Erwin Löschl schreibt 2013 in 4.1):
Zitat:
Bei diesem Pfennig LNP 2 (entspricht CNA B31) ist zum ersten Mal der Stifterhandschuh im Revers zu sehen.


In 4.2) Klösterliche Prägung mit Handschuh und Kentaur - LNP 5 (=CNA B34) bis LNP 9 (=CNA B40) schreibt er:
Zitat:
Ab 1127 beginnt die Prägung der Äbte. Die Averse zeigen den segnenden Handschuh (Zeichen der Belehnung) oder die Hand Gottes?


In einer ähnlichen Arbeit (Seminar SS 2009) habe ich weitere Einträge zur Hand gefunden, die allerdings im später erschienen Buch von 2013 nicht mehr in dieser Form erwähnt werden:
Zitat:
5,2) Die Münzen Kaiser Heinrich V.
.....es erscheint die segnende Hand: einesteils das Zeichen für den Schutz Gottes, in diesem Fall aber das Symbol für die kaiserliche Macht und die Belehnung das Klosters und der Grafen.


Für die Prägungen des Klosters findet sich hier unter 5,3) folgender Eintrag:
Zitat:
Die Aversseite mit der segnenden Hand zwischen zwei Türmen bezieht sich auf das Gründerkloster Vornbach. Die romanische Kirche in Vornbach hatte eine Zweiturmfassade und es wird dieses Bild für die erste neunkirchner Münze beibehalten. Auf dem Epitaph der Himiltrud in Formbach hält sie in einer Hand das Modell dieser Kirche, in der anderen hingegen den Stifterhandschuh. Der Handschuh ist eine Insignie wie Krone und Szepter, im kirchlichen Bereich bereits im 8. Jahrhundert für Bischof und später auch für Äbte verliehen, sogar päpstlich bestätigt. Er gilt auch als Zeichen des Königsbanns, für eine unter besonderen Schutz stehende Stätte, das heißt Sonderfriede für die Abhaltung eines Marktes. Der Handschuh als Symbol für die Belehnung findet damit eine weitere Bestätigung. Die Münze Koch 39b mit zwei Händen zwischen den Kirchtürmen zeigt die doppelte Belehnung durch den König und den Papst. Die Münzen mit einer Hand K33-38 mit dem Kentaurenkampf im Revers sind kein königliches, weltliches sondern ein symbolisch religiöses Bild. Die sehnende Hand und Kirche ist für die Münzen vor 1140 bestimmend.


hexaeder

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Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.


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BeitragVerfasst: 13. Mär 2017, 06:21 
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Professor
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Wohnort: Püttner Mark, Ostarrichi
Lieber Jetonicus,
Zitat:
Übrigens sind im neuen Rauch-Katalog wieder ein paar Fischauer zu sehen... muß wohl ein Fund sein. Hoffentlich kann ihn jemand dokumentieren, bevor er in unzugängliche Kanäle zerstreut wird.


Hinter vorgehaltener Hand wird von einem Fund aus einem östlichen Nachbarland gemunkelt, über dessen Zeitpunkt und Ausmaß aber noch nichts genaues bekannt wurde. Lediglich die Qualität jener Münzen ist hervorragend, was sich allerdings auch auf die erzielten Preise niederschlägt. Die neuen Gesetzte in Deutschland (Verhaftung bei der diesjährigen Numismata in München) sind Meldungen neuer Funde nicht zugleich zwingend förderlich! Unbedachte realitätsfremde Gesetzesnovellen drängen leider immer mehr Funde auf den Schwarzmarkt. Man kann schon beinahe von Glück für die Wissenschaft reden, wenn derartige Funde über renommierte Versteigerungshäuser vertrieben werden und somit trotzdem die Möglichkeit einer gewissen Dokumentation besteht. Schade, denn in Großbritannien gibt es eine hervorragende Zusammenarbeit mit klaren und fairen Richtlinien, die aber scheinbar am mitteleuropäischen Festland nicht durchführbar sind. Unterbinden kann man mit derartigen Gesetzten allerdings nichts. Die Wissenschaft hat sich damit leider selbst ein gewaltiges Eigentor geschossen!

Bei den neu angebotenen Neunkirchnern handelt es sich um doppelte oder mehrfach vorkommende Exemplare, die höchstwahrscheinlich aus kaufmännischen Gründen zu einen späteren Zeitpunkt angeboten wurden? ;) Dies wurde aber in Insiderkreisen schon vermutet. Die Münzen kommen qualitativ nicht mehr ganz an die Stücke der vorigen Versteigerung heran, werden aber durchaus sehr ähnliche, wenn auch nicht mehr ganz so hohe Preise erzielen. Es wird im Vorfeld darüber schon sehr viel diskutiert. Die Wege aller Neunkirchner aus der vergangenen Versteigerung sind durchaus nachvollziehbar. Vier Pfennige gingen an einen Sammler aus dem Bezirk Neunkirchen, drei weitere an einen Wiener mit Wurzel aus Neunkirchen. Je eine Münze ersteigerte ein älterer Münzhändler aus Wien und ein medial sehr bekannter Politiker. Diesmal wird es etwas schwieriger werden, da die beiden Hauptbieter vom letzten Mal nicht persönlich anwesend sein werden. Was aber nicht heißen soll, dass kein weiteres Interesse besteht.

Es wurde allerdings vermutet, dass bei den seltenen Fischauer Pfennigen wesentlich mehr nachkommt. Dies dürfte allerdings nicht der Fall sein. Leider sind beide Stücke, sowohl im Katalog, als auch im Internet mit CNA B71c und B72 falsch beschrieben. Meiner Meinung nach handelt es sich bei beiden Stücken um die selbe B69 Variante, bei der sich am Revers Halbmonde (oder Hufeisen) anstatt der Punkte zwischen den Perlkreisen befinden. Diese Münze hatte bei der letzten Versteigerung mit Abstand den höchsten Preis bei den Fischauer Pfennigen erzielt. Die wäre wahrscheinlich nicht der Fall gewesen, wenn gleichzeitig drei Stücke angeboten worden wären. Hier wird vermutlich diesmal ein älterer Wiener Münzhändler kräftig mit steigern, der beim letzten Mal ständig überboten wurde.

Grüße,
hexaeder

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Zuletzt geändert von hexaeder am 14. Mär 2017, 06:09, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 13. Mär 2017, 12:24 
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Doktor

Registriert: 14. Jan 2016, 22:49
Beiträge: 121
Bitte entschuldigt, ich muß mich verbessern (hatte gestern nicht die Möglichkeit, in der Literatur nachzusehen): der Artikel ist
W. Hahn, A. Luegmeyer: Die österreichischen Münzstätten im 12. Jahrhundert etc. NZ 103, 1995, S. 23-37, Tafeln 2 + 3.

Grüße,
Jetonicus


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BeitragVerfasst: 24. Mär 2017, 17:49 
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Aspirant

Registriert: 26. Dez 2009, 09:04
Beiträge: 2
Betr. Formbacher Münzen
Zu den seinerzeitigen Artikel im Moneytrend arbeite ich nun an einer aktuellen geänderten Ausgabe, welche aber als CD erscheinen wird. Ich glaube darin alle in der Diskussion angeschnittenen Fragepunkte besprochen zu haben. Ich bin über die Numismatische Gesellschaft im Münzamt zu erreichen. Natürlich auch über Prof. Emmerig oder Prof. Hahn im Institut :book:


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