Numismatik-Cafe

Münzen-Sammeln-Freunde
Aktuelle Zeit: 20. Jan 2019, 06:56

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 96 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1 ... 6, 7, 8, 9, 10
Autor Nachricht
BeitragVerfasst: 3. Jan 2019, 07:34 
Offline
Hofrat
Benutzeravatar

Registriert: 22. Feb 2015, 23:25
Beiträge: 558
Bilder: 0

Wohnort: Püttner Mark
Lieber Jetonicus,
danke für deine ausführlichen Worte zur Randgestaltung der Mittelalterpfennige. Deine Ausführungen decken sich vollständig mit meinen Beobachtungen. Besonders interessant und auch äußerst sinnvoll finde ich die Theorie, dass mehrere Pfennige zu einer Münzrolle zusammengehalten wurden und dann behämmert:
Jetonicus hat geschrieben:
Bei den Neunkirchner und anderen früheren Pfennigen wurden die Rand-Kerben wohl nicht einzeln mit einem Messer hergestellt, sondern wahrscheinlich durch einen Hammer, der feilenartige Rillen hatte. Der Arbeiter hielt mehrere Pfennige zwischen Daumen und Zeigefinger, stellte diese kleine Münzrolle (bei 6 Uhr) auf eine (wahrscheinlich auch feilenartig gerillte) Unterlage und schlug mit dem Hammer auf die oben zwischen den Fingern (bei 12 Uhr) hervorstehende Münzrolle. Dann wurden die Münzen zwischen den Fingern weitergedreht und an der nächsten Randstelle gehämmert. Auf diese Weise wurden ringsum vor allem die vorstehenden Zacken und Ecken der Münzen getroffen und gestaucht. Jetonicus
Bisher bin ich davon ausgegangen, dass man die Münzen einzeln behämmert hat. Dies hätte man aufgrund der geringen Stärke der Münzen allerdings nur mit größter Vorsicht machen können. So gesehen erscheint eine Rolle von 10 (oder auch mehr Pfennigen) mehr als logisch. Da diese Pfennige einen relativ großen Durchmesser haben, kann man sie problemlos zwischen Daumen und Zeigefinger (oder Mittelfinger - da ist der Winkel des Fingers flacher) halten, ohne sich beim Hämmern auf die Finger zu schlagen.
Interessant wäre es, eine Feile aus dem 12. Jhdt. sehen zu können. Die Ränder der B 32 Pfennige könnten durchaus auf einem feilenartigen Untergrund entstanden sein, beim B 34 und B 35 wäre ich aber eher bei einem ein- oder mehrschneidigen, klingenartigen Gegenstand. Beim Schlagen von oben sieht es unter dem Stereomikroskop eher danach aus, als hätte es sich um einen glatten Hammer gehandelt. Dies deshalb, weil manche Rillen wiederum deutlich "verschlagen" wurden. Ich denke, da haben wir ein interessantes Thema für unser nächstes Zusammentreffen. Belegmünzen sind reichlich vorhanden und auch ein Stereomikroskop gehört zum Inventar.
Der Pfennig Emmerig 60b aus Regensburg (Heinrich X., der Stolze, 1116-1140, Regensburg um 1130-1140) sieht nicht nur aus wie eine Kombination aus den Reversen des B 34 und B 35, sondern trägt auch die selben Spuren der Randbearbeitung. Diese Behämmerung dürfte damals eine durchaus gängige Praxis gewesen sein, denn die feinen und relativ großen Münzen lassen sich dadurch besser von glatten (Tisch-)Oberflächen wegnehmen.
LG,
hexaeder

_________________
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 9. Jan 2019, 06:45 
Offline
Hofrat
Benutzeravatar

Registriert: 22. Feb 2015, 23:25
Beiträge: 558
Bilder: 0

Wohnort: Püttner Mark
Jetonicus hat mir zwei Fotos eines weiteren Neunkirchner Pfennigs von Typ B 32b zukommen lassen, der auch erst kürzlich versteigert wurde (Rauch 107/2058). Aufgrund technischer Probleme habe ich die Bilder nun in den Leitfaden hochgeladen.
Dieser Pfennig unterscheidet sich beidseitig von jenen Belegen, welche hier bereits vorgestellt wurden. Das Haupt am Avers trägt wiederum jene für diesen Münztypus bezeichnende kettengliederartige Kopfbedeckung (Diadem?). Allerdings fehlt bei diesem Stück die eingeringelte Kugel vor dem Kopf. Das Fehlen der Kugel am Avers ist bisher nur bei zwei Stücken des B 32a aufgetreten (auf Seite 8 in diesem Leitfaden).
Auch der Revers zeigt, soweit man es auf dem Foto erkennen kann, eine andere Aufteilung der ringelförmigen Beizeichen. Eines davon befindet sich links neben der aufragenden Hand und (höchstwahrscheinlich) ein weiteres unter dem gabelförmig nach unten auslaufenden Ende.

Herzlichen Dank an Jetonicus für die zur Verfügung gestellten Fotos.
(Habe die ursprüngliche png-Datei im Photoshop in eine jpg-Datei umgewandelt und danach unter 120kb zusammengeschrumpft. Danach haben sich die Fotos hochladen lassen.)

hexaeder


Dateianhänge:
B 32b Jetonicus Av.jpg
B 32b Jetonicus Av.jpg [ 119.75 KiB | 124-mal betrachtet ]
B 32b Jetonicus Rv.jpg
B 32b Jetonicus Rv.jpg [ 118.59 KiB | 124-mal betrachtet ]

_________________
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.
Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 9. Jan 2019, 14:09 
Offline
Wirklicher Hofrat
Benutzeravatar

Registriert: 5. Jun 2010, 18:32
Beiträge: 1168
hexaeder hat geschrieben:
Lieber Jetonicus,

Interessant wäre es, eine Feile aus dem 12. Jhdt. sehen zu können.
hexaeder

Mit Bildern vo MA-Feilen kann ich dienen. Sie sehen eigentlich genau so aus wie heutige Feilen, aber eine Besonderheit habe ich entdeckt: die Perlfeile. Sie wurde zur Formung von Perlen oder Perlenschnüren aus Gold- oder Silberdraht hergestellt. Ich könnte mir vorstellen, dass man dieses Gerät auch zum Schlagen (Feilen) der Münzränder verwendet hat.
Entnommen sind die Bilder dem hochinteressanten Buch von Erhard Brepohl "Theophilus Presbyter und die mittelalterliche Goldschmiedkunst". Dieses Buch (in lateinischem Urtext und deutscher Übersetzung) ist eine wahre Fundgrube für alleWerkvorgänge (vom Schmelzofen bis zu Punzen) der Goldschmiedekunst.
OTAKAR
Dateianhang:
Perlfeile 001.jpg
Perlfeile 001.jpg [ 11.93 KiB | 116-mal betrachtet ]


Dateianhänge:
Feilenformen im MA 001.jpg
Feilenformen im MA 001.jpg [ 21.15 KiB | 116-mal betrachtet ]

_________________
Nütze das Leben! Es ist schon später als du denkst!
Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 16. Jan 2019, 07:06 
Offline
Hofrat
Benutzeravatar

Registriert: 22. Feb 2015, 23:25
Beiträge: 558
Bilder: 0

Wohnort: Püttner Mark
Lieber OTAKAR,
herzlichen Dank für den interessanten Beitrag mit den MA-Feilen. Da sich die alten Exemplare nicht wesentlich von den heutigen unterscheiden kommen sie eher als Unterlage zur Rundung der Pfennige nicht in Frage. Das Muster der abgebildeten Stücke ist rautenförmig, die Abdrücke auf den Münzrändern verlaufen aber im rechten Winkel zur Münzkante. Die Perlfeile oder ein Werkzeug mit noch mehr Rillen würde da schon mehr Sinn machen. Aber Jetonicus hat auch nur von einer feilenartig gerillten Unterlage geschrieben.
Bei einem künftigen Besuch muss ich meine Nase kurz einmal in dein interessantes Buch "Theophilus Presbyter und die mittelalterliche Goldschmiedkunst" von Erhard Brepohl stecken!
LG,
hexaeder

_________________
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 16. Jan 2019, 20:06 
Offline
Doktor

Registriert: 14. Jan 2016, 22:49
Beiträge: 179
Lieber Otaker, lieber Hexaeder,
ich stelle mir die Werkzeuge zur Rand-Riffelung so vor:

eine kleine Eisenplatte mit einer Reihe von (ca. 10) eng beieinander liegenden parallelen Rillen als Unterlage und
ein Hammer mit mehreren (10?) parallelen Linien auf dem Hammerkopf.
Die zu bearbeitende Münzrolle wurde zwischen die Finger genommen, auf die Platte aufgesetzt (die Münzränder quer zu den parallelen Linien!) und mit dem Hammer oben auf die Münzränder geschlagen. Dann wurde die Münzrolle auf der gerillten Platte ein Stück (vielleicht 1-2 mm) weitergerollt (wegen der Rillen auf der Platte rutschten die Münzen nicht durch) und dann wieder mit dem Hammer draufgeschlagen. Ab und zu wurde die Münzrolle ein wenig hochgehoben und auf der gerillten Platte zurückgesetzt und das Spiel wiederholt, bis die Münzen rundherum geriffelt waren. Dann kam die nächste Münzrolle dran.

Man sollte jemanden fragen, der dabei war...

LG
Jetonicus


Nach oben
 Profil  
 
BeitragVerfasst: 17. Jan 2019, 18:13 
Offline
Wirklicher Hofrat
Benutzeravatar

Registriert: 5. Jun 2010, 18:32
Beiträge: 1168
Lieber jetonicus,

als Praktiker mache ich mir auch schon so meine Gedanken (wir waren ja nicht dabei). Zunächst einmal: Wenn die Münzen alle mit Vierschlag bearbeitet wurden, waren sich sicher nicht ganz rund. Wie soll da das "Weiterrollen" eines ganzen Münpaketes auf der gerillten Platte funktionieren? Und dann noch der Schlag mit dem gerillten Hammer. Ob die Brüder damals so geschickt waren, dass sie mit dem Hammerschlag immer genau die richtige Stelle trafen :headbang: ?
Nehmen wir an, die Münzen sind (einigermaßen) rund und es gab diese gerillte Grundplatte, dann würde ich als Praktiker einen Holzblock mit der runden Ausnehmung für die Münzen drauflegen und dann mit dem Hammer zuschlagen, wobei immer noch nicht sicher ist, dass die Kerben dann schön radial in die Münze gedrückt werden.
Dateianhang:
Randbearbeitung 1-1.jpg
Randbearbeitung 1-1.jpg [ 20.46 KiB | 44-mal betrachtet ]

Ich komme lieber noch einmal auf die Perlfeile zurück. Wenn man das Münzüpaket in die Ausnehmung des Holzblocks legt und dann die Perlfeile quer draufsetzt, kann man mit dem Hammer der Reihe nach saubere Schläge setzen und das Paket nach jedem Schlag weiterdrehen.
Dateianhang:
Randbearbeitung 1- 2.jpg
Randbearbeitung 1- 2.jpg [ 20.91 KiB | 44-mal betrachtet ]

Was meint ihr zudiesem Vorschlag? (Bin ganz stolz auf meine Paint-Konstruktion)
LG
OTAKAR

_________________
Nütze das Leben! Es ist schon später als du denkst!


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 96 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1 ... 6, 7, 8, 9, 10

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
POWERED_BY
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de

Münzen Top 50