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Unbekannter Einseitiger
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Autor:  handjive [ 30. Dez 2013, 22:38 ]
Betreff des Beitrags:  Unbekannter Einseitiger

Dieser kleine Einseitige wirft Rätsel auf.

Durchmesser= 1,2cm (Seitenlänge ca.1cm)
Gewicht= ca. 0.2g

Der RV ist blank.

Weiss jemand mehr???

Bin über jede Information froh.

Vielen Dank & LG.

Handjive

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Autor:  handjive [ 31. Dez 2013, 15:41 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Unbekannter Einseitiger

Also das was ich erkennen kann sind die Buchstaben 'L' bzw 'AL'.
Ein echtes Rätsel...

Autor:  handjive [ 13. Jan 2014, 19:35 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Unbekannter Einseitiger

Ich habe leider bisher noch kein Vergleichsstück finden können.
Es dürfte aber ein Wiener Pfennig sein, unter Albrecht.

Kennt jemand diese vmtl. seltene Variante?

LG.

Max

Autor:  Erwin Löschl [ 18. Apr 2017, 17:05 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Unbekannter Einseitiger

Ist wahrscheinlich eine bayriche Münze, unter Beierlein Wittelbacher suchen,
Erwin Löschl

Autor:  Jetonicus [ 24. Apr 2017, 11:17 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Unbekannter Einseitiger

Zunächst: Vierschlag, quadratisch, 0,2 g, also ein Hälbling.
Wenn man das Bild um 90° gegen den Uhrzeigersinn dreht, dann erkennt man ein AL (in Ligatur), darunter den obersten Balken des Bindenschildes und darüber einen Bogen des Dreipasses; Beizeichen in den Dreipaßwinkeln (Sterne, Lilien, Kleeblätter...) sind nicht zu erkennen. Es handelt sich anscheinend um einen Al-Ber-Tus-Pfennig bzw. Hälbling, wie er im CNA (F a 1, 2, 5, 6) beschrieben wird.
Allerdings ist die Sache nicht so einfach.
Die Buchstaben AL entsprechen in ihrer Art keineswegs den im CNA beschriebenen Pfennigen: das links unter die Zeile reichende A, der fast blockartige mittlere Balken, der sehr dünne (schräge) Querstrich des A, das eigenartige L...
Wegen der scharfen Ausprägung kann man davon ausgehen, daß die Buchstaben nicht verprägt oder zerquetscht sind.
Folgende Möglichkeiten sind vorstellber:
* Es ist ein schlecht geschnittener Albertus-Pfennig (mir eigentlich nicht bekannt);
* Es ist ein Beischlag unbekannter Herkunft vielleicht wie F c 11 (so ein Stück habe ich noch nicht in der Hand gehabt und das Bild im CNA ist unscharf) oder ein anderer Beischlag;
* Ein unter Leopold IV. in Wien geprägter Vormundschaftspfennig für Albrecht V., etwa 1406/08 - 1411: auf den damaligen Pfennigen schaut das L so aus (vgl. F b 1); aber solche Albertus-Pfennige sind unbekannt!
* Etwas ganz anderes.
Man muß abwarten, ob nicht irgendwo ein entsprechender Pfennig auftaucht, bei dem mehr zu sehen ist.
LG
Jetonicus

Autor:  hexaeder [ 25. Apr 2017, 06:16 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Unbekannter Einseitiger

Lieber Jetonicus, handjive,

die Überlegung von Jetonicus hatte ich auch schon und sie ist sehr wahrscheinlich.
Gerade bei diesen Hälblingen kann ich auf einen großen Fundus zurückgreifen. In Frage kommen würde hier der Hälbling vom Fa2, der im CNA keine eigene Nummer bekommen hat, sondern nur mit "Hälbling LAbb.11" erwähnt wurde. Fa3 hat oben eine Krone (auch der Hälbling) anstatt dem AL und auch die weiteren Typen sind eher unwahrscheinlich.
Habe den am besten geprägten Fa2 Pfennig (aus 15 Stk.) und den deutlichsten Fa2 Hälbling (aus 17 Stk.) fotografiert und hier beigefügt. Außerdem habe ich das Fundstück von handjive richtig gedreht und den Kontrast etwas verändert, damit es sich zum direkten Vergleich besser eignet.

Diese Hälblinge habe ich von 0,10g (ein vollständiges Stück ohne Ausbrüche!) bis 0,33g. Der Gewichtsdurchschnitt bei 17 Stück dieses Typs liegt bei 0,20 bis 0,25g. Gerade bei den Hälblingen diese Typs dürfte man sich bei der Prägung keine besondere Mühe gemacht haben, denn es ist kein einziger perfekter dabei! Bin der Meinung, dass man hier auch den Stempel für die größeren Pfennige einfach auf einen kleineren Schrötling verwendet hat. Man kann in der Menge die Pfennige von den Hälblingen sehr gut unterscheiden, da der Hälbling ein nur etwa halb so großes Quadrat/Rechteck von Vierschlag erkennen lässt, welches sich unterschiedlich auf der Vorderseite, als auch auf dem Revers befinden kann.

hexaeder

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Autor:  Jetonicus [ 25. Apr 2017, 10:55 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Unbekannter Einseitiger

Lieber handjive, lieber hexaeder,
die Wiener und Grazer Hälblinge wurden zu dieser Zeit mit den Pfennigstempeln geprägt. Wie hexaeder schreibt, unterscheiden sie sich von den Pfennigen durch das geringe Gewicht und durch den (meist) quadratischen, dünnen Schrötling. Von allenfalls beschnittenen Pfennigen unterscheiden sie sich durch den Vierschlag: er ist viel kleiner als bei Pfennigen. Leider sind sie oft sehr schwach ausgeprägt: man wollte beim Prägen vermeiden, daß die Schrötlinge durchgeschlagen werden, denn dabei kann es die Schrötlinge zerreißen... trotzdem findet man immer wieder Hälblinge mit abgerissenen Ecken.
Ich schicke das Bild [Bild kommt später, die Datei ist zu groß] eines Sternpfennigs mit großen Buchstaben CNA F a 6 (Var.) (die Variante mit schräger A-Querhaste), bei dem man die Buchstaben - vor allem das AL - gut erkennen kann (auch die anderen Wiener Albertus-Pfennige haben solche oder ähnliche Buchstaben). Da kann man den Unterschied zum Stück von handjive gut erkennen.
Seit einiger Zeit habe ich einen neuen Artikel "Die frühen Wappenpfennige" in Arbeit. Er beginnt mit F a 1 und soll bis ca. 1462 reichen (außer den Pfennigen von Albrecht VI. und ohne Beischläge). Aber die Arbeit hängt seit längerem bei den Schinderlingen. Falls jemand von Euch Varianten hat oder kennt, dann bitte ich um Mitteilung und Bilder.
Schade, daß beim Hälbling von handjive nicht mehr zu sehen ist - so wage ich nicht, ihn irgend wem zuzuordnen. Übrigens habe ich das Bild gestern auch Hahn und Emmerig gezeigt (Baiern kommt nicht in Frage) und sie waren genau so ratlos wie ich.
Jetonicus

Autor:  Jetonicus [ 25. Apr 2017, 17:29 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Unbekannter Einseitiger

Hier ist CNA F a 6 Var.

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Autor:  hexaeder [ 26. Apr 2017, 06:44 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Unbekannter Einseitiger

Lieber Jetonicus,

habe ein Foto von einem weiteren Fa6 von Albrecht V. beigefügt. Das Stück ist etwas abgegriffener, aber ebenfalls recht deutlich in allen Details erkennbar. Natürlich hast du recht. Ob es sich bei dem Stück von handjive um eine Münze von Albrecht III (1365-1395) oder Albrecht V. (1411-1439) handelt, könnte man nur dann mit Sicherheit sagen, wenn man entweder gotische Blätter (Kleeblätter oder Kugeln) oder Sterne als Beizeichen in den Dreipasswinkeln erkennen könnte. Habe mich auf den Fa2 eingeschossen und den Fa6 unbeachtet gelassen.
Generell kommt mir jene von handjive gezeigte Münze, vom Relief her gesehen, sehr flach vor. Auch die Form der Buchstaben weicht etwas von jener der "typischen" Belege ab.

Habe viele Hälblinge aus einer Barschaft, die ich den Typen Fa2, Fa3, Fa4, Fa8 zuordnen konnte. Die Bestimmung ist im Falle dieser Kleinmünzen nicht immer mit vollkommener Sicherheit möglich, da niemals das gesamte Prägebild erkennbar ist. Habe auch Schinderlinge und Münzfälschungen aus dieser Zeit. Vielleicht ist da etwas brauchbaren für deinen Artikel dabei? Vielleicht können wir uns auch einmal treffen, denn ich wohne nicht weit von Wien entfernt.

hexaeder

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Autor:  Jetonicus [ 26. Apr 2017, 20:06 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Unbekannter Einseitiger

Lieber Hexaeder,
es ist nicht leicht, schöne und möglichst vollständig ausgeprägte Exemplare der Pfennige dieser Zeit zu bekommen! Deines kann sich durchaus sehen lassen! Mir sind nur wenige Varianten dieses Sternpfennigs bekannt: mit dickem oder dünnen Dreipaß und mit runden oder ovalen Dreipässen. Bei dem von mir vorgestellten Pfennig ist das B verkehrt; leider ist das Stück an dieser Stelle schwach. Mir ist ein zweites, besseres Stück im Museum in Aspern bekannt, dummerweise habe ich es damals (vor 4 Jahren) nicht photographiert.
Das andere Bild zeigt einen F a 6 Var. mit waagrechter Querhaste. Die beiden Var. sind ziemlich gleich häufig und es gibt von beiden Hälblinge.
Würde mich sehr freuen, wenn ich Deine Wappenpfennige (und nicht nur diese!) sehen könnte! Meine email-Adresse ist ja bekannt, glaub ich... Auf einen Gedankenaustausch freut sich
Jetonicus

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