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BeitragVerfasst: 28. Dez 2015, 17:00 
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Als selbst gemachtes Weihnachtsgeschenk ist mir diese kleine Medaille (25 mm Durchmesser) aus "White metal" über den Weg gelaufen. Sie memoriert den 27. März 1848 als Tag der Ankunft der chinesischen Dschunke "Keying" in England. Sign. ALLEN & MOORE. - Dargestellt ist die Dschunke mit besegeltem Hauptmast und auf der Rückseite eine Aufzählung technischer Daten. - 1846 hatte eine Gruppe britischer Kaufleute die Dschunke in Hong Kong gekauft, obwohl dies verboten wae, Sie segelte im Dezember 1846 von Kanton aus nach New York über das Kap der guten Hoffnung und St. Helena. Im Juli 1847 erreichte sie New York und wurde dort von hunderttausenden besichtigt (25 cent Eintritt), die nächste Station war Boston und Anfang März 1848 begann die Reise nach London, das in 21 Tagen erreicht wurde. Auch dort war das Schiff eine Attraktion, auch die Queen kam mit Familie zur Besichtigung, die für das normale Volk 1 Shilling pro Kopf kostete. Das Schiff bestand überwiegend aus Teakholz und war innen im Stil eines chinesischen Palastes eingerichtet. Bis auf die Offiziere bestand die Mannschaft aus Chinesen. Das Schiff blieb bis 1853 in London und wurde dann nach Liverpool verkauft, wo es 1855 offenbar abgewrackt wurde. - Insgesamt sind zehn verschiedene Medaillen auf die "Keying" bekannt, diese ist bei Mitchiner unter Nr. 6627 gelistet. Grüße, KarlAntonMartini


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BeitragVerfasst: 31. Dez 2015, 15:12 
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Eine habe ich noch für das alte Jahr:

Jaques Antoine Dassier (1715-1759) war Sproß einer Genfer Medailleursfamilie, die im 18. Jahrhundert europaweit agierte. Er war von 1740 bis 1745 "zweiter Graveur" an der Tower Mint. Sein Chef war Sir Andrew Fountaine, KG, der als Nachfolger von Isaac Newton 1727 "Warden of the Mint" geworden war. Anders als Newton betrachtete Fountaine dieses mit 400 Pfund im Jahr dotierte Amt als Sinekure, arbeiten mußte sein Stellvertreter. Fountaine war als Sohn eines Parlamentsmitgliedes und Gutsherrn in Norfolk nicht auf Einkommen angewiesen, hatte jedoch eine gute Ausbildung erhalten und Zugang bei Hof. Er reiste viel durch Europa und galt als gefragter Kenner und Sammler antiker Kunst. In London war er Kammerherr bei Caroline von Ansbach, der späteren Königin.

Dassier gab während seiner Zeit in London eine Suite aus 13 Medaillen heraus, die lebende prominente Persönlichkeiten Englands darstellte. (Und es war wohl auch taktisch klug, daß Dassier seinen Chef darunter zählte.) Die Medaillen haben einen Durchmesser von 56 mm, es gibt sie in Silber und Bronze. Das hier gezeigte Exemplar wiegt 79,4 g. Bei Eimer Nr. 590.

Die Medaille zeigt das Porträt Fountaines, die Umschrift nennt ihn ANDREAS FOUNTAINE EQ. AURAT. Ungewöhnlich ist die deutsche Form des Vornamens. Ebenso nicht ganz korrekt ist die Titulierung, denn Eques auratus ist die Übersetzung von Knight bachelor, des Ritterstandes ohne Mitgliedschaft in einem Ritterorden. Fountaine war aber Ritter des Hosenbandordens. Auf der Rückseite ist in altrömischer Form (sicher eine Anspielung auf Fountaines Antikenbegeisterung) A.A.A. F.F. III VIR das Amt des Wardens of the Mint (die republikanischen Münzmeister nannte man Auro Argento Aere Flando Feribundo Tresvires) angegeben, darunter die Jahreszahl 1745 und die Signatur.

Damit verabschiede ich mich ins Neue Jahr und wünsche Euch allen einen Guten Rutsch! Grüße, KarlAntonMartini


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BeitragVerfasst: 31. Dez 2015, 21:58 
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Danke für die Vorstellung, hier kann man sich gut vorstellen, dass Dassier nur 12 Medaillen herausgeben wollte, aber ihm dann noch sein Chef einfiel, der ja auch irgendwie geschmeichelt/besänftigt werden musste. ;)

Gruß Chippi

_________________
Wurzel hat geschrieben:
@ Chippi: Wirklich gute Arbeit! Hiermit wirst du zum Byzantiner ehrenhalber ernannt! ;-)

Münz-Goofy hat geschrieben:
Hallo Chippi, wenn du... kannst, wirst Du zusätzlich zum "Ottomanen ehrenhalber" ernannt.


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BeitragVerfasst: 3. Jan 2016, 22:29 
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Zwei Medaillen auf das gleiche Schiff, den ersten eisenbeplankten Schraubendampfer der Welt, die am 19.7.1846 vom Stapel gelaufene Great Britain:

- Jeton von J. Gardner, 27 mm, Messing. Mitch. 6579. Das ist die kleinste der insgesamt acht bekannten Medaillen auf das Ereignis. Erwähnt wird auf der Rückseite der Konstrukteur T.R.Guppy, obwohl Isambard K. Brunel (1806-1859, nicht mit dem Vater Marc I. Brunel verwechseln) die technische Leitung des Projekts hatte. Die Einweihung erfolgte in Gegenwart von Prinz Albert. Die Musik dazu nahm man vom Karlsbader Musikdirektor Joseph Labitzky ( 1802-1881), einem damals sehr populären, heute völlig vergessenem Musiker. Beispiel: https://www.youtube.com/watch?v=z8vgR2fsB5E

Das Schiff hatte ein bewegtes Leben. Zunächst wurde es von der Great Western Steamship Co. auf der Nordamerika-Passage eingesetzt. Das für die damalige Zeit mit 98 m gigantische Schiff trug max. 360 Passagiere. Bereits 1846 lief das Schiff jedoch auf Grund und ruinierte damit seine Eigentümerin. 1852 war es umgebaut erneut im Einsatz, diesmal brachte es Einwanderer nach Australien (und Gold zurück); da war die Kapazität auf 730 Passagiere glatt verdoppelt worden. Gut zwei Monate dauerte so eine Passage. Ab 1881 war das Schiff nur noch im Segelbetrieb tätig, es brachte Kohlen auf die Falklands und blieb dort als Kohlenlager liegen, 1937 endete auch diese Verwendung und das Schiff erwartete seine Verschrottung.

Einige technikbegeisterte Sponsoren, darunter Paul Getty d.Ä. ermöglichten 1970 das Schleppen des Schiffes nach Bristol und dessen Restaurierung. Darauf:

- Medaille von A.J. (?), 39 mm, Bronze (?), vergoldet, Eimer --. Die Vorderseite zeigt den Dampfer nach dem Vorbild einer der Stapellauf-Medaillen (leider weiß ich nicht, welche). Die Rückseite bezieht sich auf die Rückkehr des Dampfers nach Bristol am 19.7.1970, also exakt 127 Jahre nach dem Stapellauf. Dargestellt ist Brunels innovation, die Antriebsschraube, flankiert von einer Rose (für England) und einer Heidelbeere (?) (für die Falklands). Die Medaille wurde von der Royal Mint geprägt im Auftrag der Fa. Overton, Farrell & Sons (ein Medaillenvertrieb in London). In Silber betrug die Auflage 5.000 Stück. Möglicherweise wurden die Medaillen auch an Personen ausgegeben, die sich um die Rückkehr des Schiffswracks nach England engagiert hatten. - Jedenfalls ist das Schiff heute perfekt restauriert als Attraktion in Bristol zu besichtigen. https://www.youtube.com/watch?v=P0BaVbw9aUI
Grüße, KarlAntonMartini


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