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BeitragVerfasst: 10. Jul 2012, 06:19 
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Vielen Dank für diese Hinweise! Der falsche Name bezieht sich wohl auf den Vorvorgänger Clemens XIV., der ein sehr aufgeklärter Monarch war. Die beiden Kardinäle, die durch das kaiserliche Veto verhindert wurden, galten auch als aufgeklärt. Dagegen galt Pius VI., der 1799 verstorben war, als Konservativer. Die Namenswahl "Pius VII." wurde von den Zeitgenossen programmatisch gedeutet. ( Das war ja bei Benedikt XVI. nicht viel anders.)

Dieser Token wird von den Fachleuten (Atkins, Cobwright) zu den "Evasives" gerechnet. Das waren die (ich hab anderswo schon welche vorgestellt), die königliche Kupfermünzen nachahmten, deren Erscheinngsbild jedoch verfremdeten, um einer Bestrafung zu entgehen. Es gibt davon freilich etliche, deren Bild und Text so weit vom Vorbild ist, daß damit offenbar andere Zwecke verfolgt wurden. Hier gibts noch eine Forschungslücke. Da diese Gruppe von Token von Dalton & Hamer, dem wichtigsten Katalog für die Periode vor 1800, ausgelassen wurden, ist die Zahl der Sammler sehr klein. Grüße, KarlAntonMartini


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BeitragVerfasst: 24. Aug 2012, 13:54 
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Dieses Stück sieht ziemlich langweilig aus, die Wertangabe, ein Vogelkopf, ein bißchen Text. Naja. - Der Name des Herausgebers hätte von Charles Dickens erfunden sein können: Sir Sotherton Branthwayt Peckham Mickletwaithe, Bt. (1786-1853) - Das war ein Landedelmann, der in Sussex, Iridge Place ein Landgut betrieb. Hier ein Blick auf das Herrenhaus: http://c1903.r3.cf3.rackcdn.com/KPF193182_1.jpg
Er war geboren als Mr. Mickletwaithe, als nachgeborener Sohn eines nachgeborenen Sohnes hatte er den in der Familie erblichen Titel eines Viscount nicht geerbt und durch Heirat mit einer Miss Peckham deren Landgut übernommen. Am 4. November 1834 jedoch konnte er die junge Princess Royal vor einem durchgehenden Pferd retten, ihre Kutsche war umgeworfen worden und die Pferde hatten sich losgerissen. Für diese Heldentat wurde er von der nunmehrigen Queen am 27.7.1838 zum Baronet gemacht. Der Titel erlosch jedoch mangels männlichen Nachwuchses mit seinem Tod.
Der Token selbst im Nennwert von 1 Shilling soll ein landwirtschaftlicher Truck-Token sein, d.h. er diente zur Lohnabrechnung bzw. provisorischen Entlohnung von Landarbeitern. In Sussex wurden solche meist bei der Hopfenernte verwandt. Das Stück soll selten sein, meine Literatur gibt kein Zitat her.
Der Vogel ist die Helmzier (Crest) des Familienwappens der Micklethwaites, ein Greifenkopf. Da der Adelstitel nicht erwähnt wird, gehe ich von einer Prägung vor 1838 aus. Grüße, KarlAntonMartini


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BeitragVerfasst: 24. Aug 2012, 15:39 
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BeitragVerfasst: 7. Sep 2012, 18:10 
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Allerdings - Danke.

Olaf

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BeitragVerfasst: 9. Okt 2012, 17:45 
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Auch hier steht nicht viel drauf. Patent No. 14 (oder 74?) Br. dürfte British heißen. Was der Mr. Walker sich hat patentieren lassen, weiß ich leider nicht. Die Marke ist ein etwa centstückgroßer Brakteat aus Messing. Vom Stil her tippe ich auf Anfang 18. Jahrhundert. Die am Rand erkennbaren Kerben lassen vermuten, daß das Stück irgendwo eingepaßt war, vermutlich in dem patentierten Produkt. Grüße, KarlAntonMartini


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BeitragVerfasst: 10. Okt 2012, 11:30 
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Von wann die Marke die Marke stammt, habe ich noch nicht feststellen können, aber das "BR" dürfte nicht zwangsläufig mit "British" aufzulösen sein sondern eher ein Serienkürzel darstellen. Ein anderer Token aus dieser Serie trägt lediglich das Kürzel "B" und die Nr. 12 1/2. Der Mann scheint recht produktiv gewesen zu sein. Hier der Link:

http://www.icollector.com/R-Walker-s-Pa ... c_i6983067

EDIT: Sorry ... doch wohl British!
Zitat:
County Museum, Shugborough
Item 66.136.0117
Token
1914
White metal token, very thin. 3 dimples cut out of rim. 13 copies. Taken from Staffordshire Volunteers, 1914.
Obverse: 'R. WALKER'S PATENT. NO.14'. Crown in centre.

Gruß klaupo

P.S. Der direkte Link funktioniert leider nicht, deshalb habe ich die Beschreibung hier einkopiert. Meine Suchworte bei google waren "R Walker's Patent" No (mit den Anführungszeichen!)


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BeitragVerfasst: 10. Okt 2012, 13:54 
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Vielen Dank! Wir kommen einer Lösung näher. Ich hatte bei meiner google-Suche die "" anders gesetzt und nichts gefunden. Ich dachte, daß Nr. 14 die Patentnummer war. Aber das ist falsch, wie sich aus der Nr. 12 1/2 klar ergibt. Offenbar wurden diese Marken zur Kennzeichnung physikalischer Apparate verwendet: https://digitalarchive.wm.edu/bitstream ... sequence=1
Grüße, KarlAntonMartini


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BeitragVerfasst: 25. Okt 2012, 16:18 
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Van Diemen's Land hieß bis 1856 die britische Strafkolonie, die seither als Tasmania bekannt ist. Dort war - ehe 1853 die Deportation gestoppt wurde - ein Großteil der aus dem Mutterland verbannten Straftäter gelandet. Man nannte die Bewohner "Vandemonians", deshalb mußte ein anderer Name her, als die Insel zu einer ordentlichen Siedlungskolonie werden sollte. Einer dieser Verbannten war Reuben Josephs, 1790 in London geboren, hatte er mit seinem Bruder als "taylor" einen Gebrauchtkleiderhandel betrieben, bis er 1827 wegen Hehlerei deportiert wurde. Seine Frau folgte ihm, erwarb aus ihrem Vermögen eine kleine Siedlerstelle und erreichte, daß Reuben ihr als Hausarbeiter zugewiesen wurde. Seine Strafe wurde gemildert, 1841 war er endgültig frei. Seine brave Frau verstarb leider schon 1844. Reuben Josephs wurde dann einigermaßen wohlhabend und gewann 1852 die Ausschreibung um die Pacht des Straßenzolls an der Landstraße Richtung New Town. Die Erträge aus der Zollverpachtung sollte den Bau und Unterhalt der noch spärlichen tasmanischen Landstraßen finanzieren. Für 1871 ist bekannt, daß diese Zollstelle an den Staat 1250 Pfund abführte, wie hoch der Anteil des Pächters war, ist leider nicht überliefert, es wird sich aber sehr gelohnt haben. Reuben Josephs nahm sich eine zweite Frau und verstarb im November 1862. Er ist heute noch in Hobarts jüdischer Gemeinde als großer Spender zur Fertigstellung der Synagoge bekannt. Diese Synagoge, 1845 eingeweiht, steht heute noch und ist die älteste in Australien.
Der Zolleinnehmer Josephs nutzte den extremen Kleingeldmangel wie andere Kaufleute zur Prägung eigener Token zu einem halben und zu einem Penny. Prägen ließ er in England, die Literatur ist nicht einig, ob bei Heaton in Birmingham oder bei Taylor in London. Der Münzgewinn dürfte nicht unerheblich zum Ertrag aus der Zollstelle beigetragen haben. Fehlt nur noch das Bild des Tokens, viele Grüße, KarlAntonMartini:


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BeitragVerfasst: 2. Nov 2012, 09:06 
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Ein spitzenmäßiger Token! Vielen Dank!

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BeitragVerfasst: 8. Nov 2012, 13:53 
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Eine Schildkröte, wohl als Symbol der Weisheit zeigt diese Marke einer heute nicht mehr bestehenden "Uxbridge School". Das ist heute ein Stadtteil Londons, damals war es ein Marktflecken auf dem Weg nach Oxford. Das Stück ist vor 1865 entstanden (schon bei Neumann katalogisiert), es gibt mehrere Varianten davon. Vermutlich war es eine Prämienmarke. Es gibt Exemplare, in die der Name eines Händlers eingepunzt ist. Womöglich hat er nach dem Ende der Schule den Tokenbestand übernommen und als Farthingtoken weitergenutzt. Bell katalogisiert das Stück als Farthingtoken, Nr. 4960. Grüße, KarlAntonMartini


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