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 Betreff des Beitrags: Re: Glücks-Token
BeitragVerfasst: 29. Okt 2015, 22:01 
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Danke und Glückwunsch zur gut erhaltenen Nr. 12! - Das kleine Nest Dundee hatte ja sehr viele Token. Dabei sind viele mit den Signaturen I.W.I., Wright oder schlicht W. Ob das alles den gleichen Stempelschneider oder eben Entwurfszeichner bezeichnet, oder mehrere Personen, ist mir noch unklar. Auf dem Token Perth D&H 1 signiert ein Wright junr., das IWI könnte sich also als John (oder James) Wright junior auflösen lassen. Das oval abgeteilte Feld gibt es auch auf anderen Token, etwa aus Irland, County Wexford. Jedenfalls war das ein sehr begabter Zeichner, vielleicht ein Exilfranzose, der sich ein englisches Alias zugelegt hat? Grüße, KarlAntonMartini


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 Betreff des Beitrags: Re: Glücks-Token
BeitragVerfasst: 30. Okt 2015, 00:00 
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Vielen Dank an Klaupo! :appaus:

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 Betreff des Beitrags: Re: Glücks-Token
BeitragVerfasst: 3. Okt 2016, 17:05 
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Nach fast einjähriger Pause möchte ich hier mit einem Penny-Token fortfahren, der eine m.E. interessante Überprägung zeigt.

Dateianhang:
1816_Dublin_Wellington_Bewley_n_W-1810.jpg
1816_Dublin_Wellington_Bewley_n_W-1810.jpg [ 105.18 KiB | 1588-mal betrachtet ]

Zitat:
Ireland - Dublin, 1 Penny 1816 Wellington - Edward Bewley. Av. WELLINGTON & VICTORY. Belorbeerte Büste mit Namen des Stempelschneiders I. Parkes im Halsabschnitt, Jahreszahl 1814. Rv. EDWARD BEWLEY. Britannia sitzt nach links auf Felsen, hält Speer und Olivenzweig, rechts daneben Schild mit Hibernia, im Hintergrund links Schiff unter Segeln, auf der Standlinie I P F Parkes (hier unleserlich), Exergue 1816. 33 mm. Withers 1810.

Auffällig im Revers sind zunächst nur die Teile eines Zahnrads hinter der Britannia, dann auch bei 11h Kopf und Schulter des linken Arbeiters (s. Abb. unten). Bei genauerem Hinsehen erkennt man dann im Avers unter der Nase von Wellington ein Kleeblatt und ein weiteres Kleeblatt auf dem Hals. Wellington wurde also auf einen bereits geprägten Penny überprägt. Der Zufall wollte es nämlich, daß sich in meiner Sammlung ein typengleicher Halfpenny für die Unterlage fand.

Dateianhang:
1813_Dublin_Hilles_Halfpenny_b_W-1820.jpg
1813_Dublin_Hilles_Halfpenny_b_W-1820.jpg [ 102.01 KiB | 1588-mal betrachtet ]

Zitat:
Hilles Ironmongers Dublin Halfpenny 1813. Av. HALFPENNY TOKEN J . HILLES DUBLIN. Zwei Männer an einem mechanischen Walzwerk. PAYABLE IN BANK OF IRELAND NOTES 1813. Ein Kleestengel. 28 mm. Davis Dublin No: 58, Withers No: 1820.
James Hilles war Eisenwarenhändler mit einem Geschäft in der Abbey Street in Dublin. Sein Token hatte also anscheinend nur eine kurze Laufzeit, ehe er durch Edward Bewley einer neuen Verwendung zugeführt wurde. Für die Überprägung wurde natürlich kein Halfpenny verwendet sondern ein typengleicher Penny-Token (Withers 1815).

Es wäre interessant zu ermitteln, ob derartige Überprägungen nur vereinzelt oder serienmäßig durchgeführt wurden.

Gruß klaupo


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 Betreff des Beitrags: Re: Glücks-Token
BeitragVerfasst: 4. Okt 2016, 08:25 
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Sehr interessant! Ich hoffe, dass sich KAM hierzu noch äußert!

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 Betreff des Beitrags: Re: Glücks-Token
BeitragVerfasst: 4. Okt 2016, 18:26 
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Einen Kommentar von KAM würde ich auch sehr begrüßen!

Ich habe in der Zwischenzeit mal nach weiteren Wellington-Token gleichen Typs gegoogelt und neben "unversehrten" Stücken immerhin zwei Exemplare gefunden, für die ebenfalls der Hilles-Token als Unterlage verwendet wurde.

Einmal bei Numista ...

http://en.numista.com/catalogue/pieces80767.html

... und einmal bei picclick (hier ist der Kleestengel auf dem Revers zu erkennen) ...

http://picclick.co.uk/1814-1816-Overstr ... 81033.html

Es könnte also gut sein, daß Bewley einen Restbestand von Hilles übernommen und weiterverwendet hat.

Über Edward Bewley habe ich noch herausgefunden: "The issuer was a grocer at 35, South Earl Street (Dublin)."

Gruß klaupo


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 Betreff des Beitrags: Re: Glücks-Token
BeitragVerfasst: 4. Okt 2016, 19:16 
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Die Hilles-Token und auch andere irische Token wurden überprägt (bei Withers auf die Schnelle ein halbes Dutzend entdeckt), meist mit einem anonymen Bild und häufig unter Rückdatierung. Offenbar wollte man die Token trotz eines befürchteten Verbots weiter verwenden können. In England waren Token - mit Ausnahme der Workhouse-Ausgaben - ja schon 1815 verboten worden. Edward Bewley hat sich von Withers nicht finden lassen, obwohl die immer sehr gut recherchieren, sie wiederholen die spuriose Angabe des älteren Katalogautors Davis, lassen aber offen, ob Edward Bewley nicht ein fiktiver Name ist. Etliche dieser "irischen" Token scheinen später in Kanada verwendet worden sein. Grüße, KarlAntonMartini


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 Betreff des Beitrags: Re: Glücks-Token
BeitragVerfasst: 5. Okt 2016, 11:01 
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Danke für die Erläuterungen! So werden doch immer wieder Aspekte aus dem Umfeld der Token angesprochen, die bisher - wenn überhaupt - eher in Nebensätzen erwähnt wurden: Rückdatierung zur Umgehung von Verboten, evtll. sogar fiktive Namen der Herausgeber oder anonyme Bilder. Zu letzterem Aspekt habe ich gelesen, daß Wellington gern als Motiv gewählt wurde, weil er eine allseits anerkannte Persönlichkeit war, die keine - unter Umständen riskanten - politischen Diskussionen in Gang setzen würde.

Gruß klaupo


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 Betreff des Beitrags: Re: Glücks-Token
BeitragVerfasst: 9. Okt 2016, 21:03 
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Der von klaupo vorgestellte Token verdient noch ein paar Worte. Vorweg einige Daten zur irischen (Münz-)geschichte:
1801: Staatsrechtliche Vereinigung Irlands mit Großbritannien
1817: Vereinigung der Staatshaushalte
1821: Währungsangleichung, bisher waren 13 pence irish 12 pence british
1822 letztmalige Ausprägung eigener Geldstücke für Irland
Das Verbot kupferner Token in England von 1817 (mit Ausnahme zweier Workhouse-Token) galt nicht für Irland.

In Dublin gab es nach 1811 fünf Emittenten von Token. Davon fallen zwei als vermutlich erfunden heraus: Edward Bewley und George Ord. Geale and MacBride hat nur einen Halfpenny herausgegeben, der von der Machart der anderen Token abweicht. Es bleiben also James Hilles und Edward Stephens. Hilles war Eisenwarenhändler, von ihm gibt es einen Penny mit zwei selteneren Varianten und einen sehr häufigen Halfpenny, alle datiert 1813. Edward Stephens hatte einen Baustoffhandel. Von ihm stammen die meisten Dubliner Token dieser Zeit, Withers hat 39 Nummern einschließlich der Varianten. Die Token von Hilles und Stephens dürften alle von Isaac Parkes geprägt worden sein.

1. Stephens gab zuerst Pennies heraus mit der Jahreszahl 1813, die einen Hahn zeigen.

2. Es folgte eine Ausgabe mit dem Porträt Wellingtons, WELLINGTON & ERIN GO BRAGH, 1813, die Rückseite hat die gekrönte Harfe mit der Umschrift E. STEPHENS DUBLIN. Dieser Typ existiert auch mit der Jahreszahl 1814. (Wellington war Anglo-Ire, die Koppelung mit dem irischen Spruch, der sich etwa mit "Irland über alles!" übersetzen läßt, spricht den katholischen Bevölkerungsteil an.) Diese Pennies wurden teilweise auf solche mit dem Hahnen-Motiv überprägt.

3. Dann gibt es einen Typ wieder mit Wellington, WELLINGTON & ERIN GO BRAGH, die Rückseite zeigt die gekrönte Harfe mit leicht geänderter Umschrift: EDWD. STEPHENS 1816. Von dieser Ausgabe gibt es viele Stempelvarianten, teilweise mit Signatur von I.PARKES.

4. Die nächste Ausgabe zeigt das Porträt des Prinzregenten mit der Umschrift LUKE XX CHAP XXV VER. Damit wird die bekannte Bibelstelle "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist..." zitiert. Darunter klein E STEPHENS. Diese Vorderseite wird mit drei verschiedenen Rückseiten gekoppelt:
a) Gekrönte Harfe, IRELAND 1818
b) Britannia, HIBERNIA 1822
c) Drap. Büste (George III, Wellington?), Umschrift ebenso LUKE XX..., ohne Datum. Diese Variante ist sehr selten, es kann sich auch um eine unbeabsichtigte Stempelkopplung handeln.

5. Es gibt einige Stempel der Token von Edward Stephens, die für anonyme Token verwendet wurden:
Die Rs. von 4c mit den Rs. von 4a, 4b (dazu auch mit einem ähnlichen Stempel 1821)

6. Und dann gibt es Stempel, die für die Überprägung von Stephens-Token verwandt wurden:
a) Männl. Büste ONE POUND VALUE FOR 240, gekrönte Harfe IRELAND 1806, überprägt auf 2, (also 1813/14)
b) dito, Britannia HIBERNIA 1815, überprägt auf 2 und 3, letztere datiert 1816.
c) Männl. Büste ST. PATRICK APOS 432 (das Jahr, in dem der Hl Patrick nach Irland gekommen sein soll), gekrönte Harfe IRELAND 1806, überprägt auf 3 und auf Hilles Tokens
d) ähnl. d. vorigen, Britannia HIBERNIA 1815, überprägt auf 2.

Von Stephens gibt es keine Halfpennies, deshalb gibt es hier nur Überprägungen von Hilles Tokens, die Stempel sind ähnlich 6c. Und dann eben den von klaupo vorgestellten Penny den es auf frischer Unterlage wie auf Hilles Pennies gibt. Dessen Vs. WELLINGTON & VICTORY 1814 ist - soweit ersichtlich - sonst nirgends verwendet worden. sehr selten ist ein weiterer Penny, dessen Vs. den Stempel von Stephens 3 hat.

Gut, das war jetzt etwas speziell. Grüße, KarlAntonMartini


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 Betreff des Beitrags: Re: Glücks-Token
BeitragVerfasst: 13. Jan 2017, 15:38 
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Scarboro1.jpg [ 199.48 KiB | 801-mal betrachtet ]
Um den Begriff Glücks-Token mal etwas anders zu definieren, stelle ich dieses kleine Stück vor. Es ist entstanden aus der Überprägung einer Münze, vermutlich eines 3d-Stücks mit einer Ansicht des Seebads Scarborough (North Yorkshire), hier der South Bay, auf der Vorderseite und einem Irischen Klee und einer schottischen Distel auf der Rückseite. Eingraviert ist das Monogramm AEW. Vermutlich ein Juwelier in Scarborough, das ja um 1900 ein florierendes und mondänes See- und Heilbad hat solche Überprägungen hergestellt und sie dann den Wünschen seiner Kundschaft entsprechend graviert. War es das Andenken an die Flitterwochen von A. und E. W.? Gibt es solche Stücke öfters? Das große Gebäude rechts auf dem Hügel ist auf heutigen Ansichten nicht mehr zu erkennen. War es eines der Häuser, die im ersten Weltkrieg von deutscher Marineartillerie zerstört wurden? - Da gibt es noch viele Fragen. Ich war so ca. 1998 das letzte Mal in Scarborough, da waren deutliche Verfallsspuren zu erkennen. Aber vielleicht hat sich da auch etwas getan. Grüße, KarlAntonMartini


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 Betreff des Beitrags: Re: Glücks-Token
BeitragVerfasst: 1. Feb 2017, 17:21 
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Eine sehr britische Institution der Unterhaltung für Jedermann war die Music Hall. Ich habe hier eine kleine Marke, die ca. 1850 in Manchester ausgegeben wurde. Und zwar von Benjamin Lang, dem Eigentümer der Victoria Musical Gallery. Messing, 5,3 g., 27 mm. Mitchiner 8204. Signiert ist sie mit HIRON.
Bisher hatte ich das Stück unter Werbemarken abgelegt. Ein jetzt erschienener Artikel von Terry Barrett, "Three Manchester Music Halls" (TCSB Vol. 12, Nr. 1) gibt neue Informationen. Der Kunde erhielt die Marke beim Bezahlen des Eintritts von 2 pence und konnte damit einen Drink an der Bar erwerben. Üblich waren Ginger Ale, Porter, Ale und Kaffee. Auffällig ist, daß von einem anderen Etablissement in Manchester, dem Royal Casino, bekannt ist, daß der Umsatz an alkoholfreiem Ingwerbier etwa zehnmal so hoch war wie der an Bier. Sollten die Manchesterians alle so brav gewesen sein? Meine Tochter, eine heute aktive Clubgängerin mit kleinem Lehrlingsgehalt, meinte aber, die Leute hätten ihr Taschenfläschchen mit Schnaps dabei gehabt und dann mit Ginger Ale gemixt. - Eine beachtliche Zahl dieser Marken wurde nicht eingelöst, im Royal Casino etwa 12.000 Stück im Jahr, was dem Wirt einen Zusatzgewinn von 50 Pfund einbrachte. Daraus kann man die Herstellungskosten dieser Stücke errechnen. 12.000 Marken entsprachen einem Geldwert von 100 Pfund, also kostete die Herstellung pro Stück etwa 1 penny. - Auch Benjamin Lang hatte offenbar erheblichen Bedarf an diesen Marken. Zunächst ließ er sie bei Hiron herstellen, nach 1851 bei Pope & Co. und danach bei anonymen Herstellern. Die Stücke sind deshalb nicht wirklich selten. Grüße, KarlAntonMartini


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