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 Betreff des Beitrags: Glücks-Token
BeitragVerfasst: 20. Mai 2011, 15:38 
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Um mal wieder einen britischen Token vorzustellen: 104, Cornhill war die Adresse der Londoner Börsenmakler und lizenzierter Lotteriebroker der von 1694 bis 1826 bestehenden English State Lotterie. Davon gab es zwar nur maximal 30 im Land, doch die meisten drängten sich in London, am Cornhill allein waren sechs Lotto-Büros ansässig. Einer davon, Mr. Richardson schien der cleverste Werbetreibende davon zu sein. Er kaufte sich eine Bäuerin vom Land, eine Mrs. Goodluck und zahlte ihr jährlich 50 Pfund dafür, daß sie pro Forma Gesellschafterin wurde und er so als Richardson Goodluck & Co. firmieren konnte. Dann ließ er sich von John Milton (1759-1805), der Münzgraveur im Tower war, Stempel für Werbemarken schneiden, die als Halfpenny-Token umlaufen konnten. Das vorgestellte Stück wurde dann bei John Westwood in Birmingham in größerer Auflage geprägt. Es zeigt die Fortuna auf dem Rad und mit verbundenen Augen, die Lotterielose in den Händen hält. Links und rechts stehen zwei Lotterietrommeln, in denen die Losnummern gemischt wurden. Daraus zog ein Schüler (Bluecoat Boy) aus dem Christ's Hospital die Gewinn-Nummern. Auf der anderen Seite preist sich die Fa. Richardson als Verkäufer eines Gewinnloses über 30.000 Pfund an. Na gut, das war zwar schon im Oktober 1792, aber so genau muß man es den Kunden ja nicht auf die Nase binden... - Das Stück hat keine Randschrift, es fehlt auch jeder Bezug auf einen Geldwert und das übliche Versprechen, den Token einzulösen.
Katalogzitat: Dalton & Hamer, Middlesex, 467
Grüße, KarlAntonMartini


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 Betreff des Beitrags: Re: Glücks-Token
BeitragVerfasst: 20. Mai 2011, 19:45 
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Wirklicher Hofrat

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Was es so alles gibt! Vielen Dank für das Vorstellen dieses interessanten Stückes.
Schönes Wochenende wünscht
ischbierra


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 Betreff des Beitrags: Re: Glücks-Token
BeitragVerfasst: 20. Mai 2011, 20:03 
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k&k Hoflieferant, Professor

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Ein sehr interessantes Stück!

Wo bekommst Du solche Toke her?

Ginkgo

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"Wenn über das Grundsätzliche keine Einigkeit besteht, ist es sinnlos, miteinander Pläne zu machen." Konfuzius


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 Betreff des Beitrags: Re: Glücks-Token
BeitragVerfasst: 20. Mai 2011, 20:12 
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Ginkgo hat geschrieben:
Ein sehr interessantes Stück!

Wo bekommst Du solche Toke her?

Ginkgo


Ich hab die meisten zum Glück schon vor 20 bis 30 Jahren erworben, meistens in England, viele in Newcastle.


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 Betreff des Beitrags: Re: Glücks-Token
BeitragVerfasst: 22. Mai 2011, 16:37 
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KarlAntonMartini hat geschrieben:
... Das vorgestellte Stück wurde dann bei John Westwood in Birmingham in größerer Auflage geprägt. Es zeigt die Fortuna auf dem Rad und mit verbundenen Augen, die Lotterielose in den Händen hält. Links und rechts stehen zwei Lotterietrommeln, in denen die Losnummern gemischt wurden. Daraus zog ein Schüler (Bluecoat Boy) aus dem Christ's Hospital die Gewinn-Nummern. ...

Einen solchen Bluecoat Boy bei des Ziehung kann man auf einem weiteren Token des cleveren Mr. Richardson ansehen:

http://www.mcsearch.info/record.html?id=140702

Gruß klaupo


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 Betreff des Beitrags: Re: Glücks-Token
BeitragVerfasst: 20. Jun 2011, 17:24 
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Auch handfestere Gewerke nutzten Token, um neben der Behebung des Kleingeldmangels ihr Geschäft zu präsentieren. Hier ist es der Hersteller und Händler von gegossenen (Talg-)kerzen Francis Shackelton. Er hatte sein Geschäft in 12 Little Suffolk Street, Hay Market. Da er Hoflieferant des Herzogs von York war, zeigte er dessen Schild und auf der anderen Seite eine Kerzengußform. Der Stempelhersteller Dixon und der Produzent Lutwyche stießen bei der Dasrstellung des Wappens allerdings an ihre Grenzen. Die Auflage des Stückes betrug ca. 25.000 Stück, dafür wurden zwei Stempelpaare gebraucht. Die Randinschrift gibt die Geschäftsadresse an: PAYABLE IN SUFFOLK ST. HAY MARKET. (D&H Middlesex 477) Grüße, KarlAntonMartini


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 Betreff des Beitrags: Re: Glücks-Token
BeitragVerfasst: 20. Jun 2011, 17:31 
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Tolles Stück :appaus:

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Was du ererbt von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Glücks-Token
BeitragVerfasst: 20. Jun 2011, 17:44 
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Wirklicher Hofrat
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Herzlichen Dank, KarlAntonMartini, daß Du uns - verbunden mit den für einen (britische Token betreffenden) Crétin wie mich außerordentlich aufschlußreichen Hintergrund-Informationen - nach und nach das ein oder andere Stück aus Deiner Sammlung vorstellst. An diesem Schachtelsatz hätte Mark Twain, der Chirurg der deutschen Sprache, sicherlich seine Freude. Ich hoffe, wir bekommen Nachschub.
Liebe Grüße
MG

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Heute liegt in aller Ewigkeit vor morgen. Bringe den heutigen Tag zu Ende, dann kümmere Dich um den nächsten (afrikanisches Sprichwort) Bild


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 Betreff des Beitrags: Re: Glücks-Token
BeitragVerfasst: 23. Jun 2011, 18:18 
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Klaupo hatte oben auf die Blue-Coat Boys hingewiesen, die als Lotterie-Glücksfee (ja was ist eigentlich das männliche Gegenstück zu Fee?) dienten. Die Blue-Coat School hieß eigentlich Christ's Hospital. (Es dürfte nicht überraschen, daß es diese Einrichtung heute noch gibt.) Bis 1799 stand sie unter dem mehrfach wegen seiner Brutalität in die Literatur eingegangenen James Boyer. 1800 gabs einen neuen Direktor, dessen Namen ich leider nicht weiß. Der reformierte Einiges, dazu gehörte auch, daß man für die Schüler ein hausinternes Geld schuf. Es wurden Marken geprägt zu 6 pence, 1 penny, 1/2 penny. Diese Stücke Stücke nahmen Dalton & Hamer in ihren Token-Katalog (Middlesex 278) auf und so gelten sie vielen Sammlern heute als Token. Hier das relativ seltene Halfpenny-Stück:


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Zuletzt geändert von KarlAntonMartini am 23. Jun 2011, 18:39, insgesamt 1-mal geändert.
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 Betreff des Beitrags: Re: Glücks-Token
BeitragVerfasst: 23. Jun 2011, 18:38 
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Die Stadt Cordoba war unter den Mauren eine der blühendsten und größten Städte Europas und das dort gepflogene Handwerk setzte Maßstäbe. Die Kunst aus Geißenleder schöne Dinge herzustellen, insbesondere weiche Schaftstiefel war von dort schon um das Jahr 1000 nach England gekommen, die Handwerker wurden als "Cordwainer" bekannt. Bald entstand eine Zunft (Livery Company), die in der Royal Charter den Namen Worshipful Company of Cordwainers führt. Die gibts natürlich auch noch. Hier (oben links) das Wappen. In blau ein goldener Sparren und drei silberne Geißenköpfe: http://www.cordwainers.org/

Ohne diesen Ausflug in die Heraldik wäre der folgende Token eines Mr. William Allen, 36 Chandos St. Covent Garden, London von 1795 nicht zu interpretieren. Denn sein Gewerk gibt Mr. Allen nur mit dem Wappen der Cordwainer an, dazu führt er auf der anderen Seite sein Familienwappen, das sechs "Martlets" zeigt, stilisierte Vögel ohne Füße, eigentlich sind es Mauersegler. (D&H Middlesex 246)

Die Randschrift lautet: PAYABLE IN CHANDOS STREET COVENT GARDEN


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