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 Betreff des Beitrags: Re: Französische Jetons
BeitragVerfasst: 13. Mär 2012, 22:44 
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Schöne Stücke. Interessant für mich, daß Varin der Nachfolger Briots war, der nach London ging. Dort hatte dieser auch das Problem mit der Ablehnung der Spindelpresse durch die Münzarbeiter, es gelang ihm nicht so glücklich, das Problem zu lösen, wie Varin in Paris. Die Münzarbeiter waren ja eine kleine Gemeinschaft von Spezialisten, die den Staat ernsthaft blockieren konnten, vergleichbar heute zB den Fluglotsen. Das wäre ein lohnendes Thema: eine europaweite Darstellung der Einführung der Spindelpresse. Vielleicht gibts das schon? Grüße, KarlAntonMartini


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 Betreff des Beitrags: Re: Französische Jetons
BeitragVerfasst: 19. Apr 2012, 20:45 
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Hier folgen nun zwei weitere Beispiele aus der Endphase der "Jetons royaux" vor dem Heraufziehen der Französischen Revolution. Beide Stücke sind undatiert und unsigniert.
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1731-89_Vetat_Mori_L16-n.jpg
1731-89_Vetat_Mori_L16-n.jpg [ 113.87 KiB | 3126-mal betrachtet ]

Zitat:
Académie Royale des Inscriptions et Belles Lettres. Jeton non daté (vor 1788) Av. Büste Louis XVI. nach r. LUDOV XVI REX CHRISTIANISS (unsigniert, B. Duvivier). Rv. VETAT MORI ("Sie bewahrt vor dem Tod"); Weibliche Gestalt in antiker Gewandung (Allegorie der schönen Künste), in der erhobenen Linken einen Kranz, steht zwischen Altar mit sechszeiliger (unleserlicher) Inschrift und Obelisk. Exergue : REGIA. INSCRIPT. ET. HUMAN. LITT. ACADEMIA : ("Académie Royale des Inscriptions et Belles Lettres"). Silber 7,66 g, 28,5 mm. Feuardent 4396.

Die Akademie für Inschriften und Belletristik, gegründet 1663 von Colbert, besteht - ohne das Attribut "Königliche" - noch heute als Teil des Institut de France. Diesen oben abgebildeten Jeton gibt es auch datiert 1731 mit der Büste Louis XV. im Avers.

Dateianhang:
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Zitat:
Série Municipale (Städte-Serie), Jeton non daté (vor 1788), Av. Büste Louis XVI. nach r. (unsigniert, B. Duvivier). LUDOV XVI REX CHRISTIANISS Rv. Vue de la Ville de Paris (Blick auf die Seine mit dem Pont Neuf, im Hintergrund die Île de la Cité und Notre Dame). Silber 9,15 g, 29 mm. F. 3470.

Bei diesen beiden Jetons möchte ich auf ein paar Aspekte aufmerksam machen, die man zwar wahrnimmt, aber kaum sonderlich beachtet. Gemeint ist eine gewisse Beliebigkeit in der Kombination der Stempel bei mehr oder minder zeitloser Thematik. Für diese beiden Jetons wurde z.B. für das Avers derselbe Stempel verwendet. Man erkennt das gut an dem bogigen Kratzer über dem Kopf des Königs.

Auch das Portrait des Monarchen war austauschbar, wenn er einmal das Zeitliche gesegnet hatte. Der Blick auf Paris wird zu Zeiten Louis XVI. in den 80-er Jahren des 18. Jahrhunderts so ausgesehen haben, wie auf dem Jeton dargestellt. Gestaltet wurde das Revers aber bereits 1701 mit dem Portrait Louis XIV. In der Folgezeit konnte das Portrait auch durch das Monogramm einer Privatperson ersetzt werden, d.h. es waren Auftragsarbeiten möglich, bei denen der Auftraggeber den Stempel auswählen konnte. Ein interessanter Verwendungszweck dieser individuellen Jetons wurde im Bulletin Nr. 54 (1977) des "Club Francais de la médaille" angesprochen. Pariser Händler verwendeten solche individuellen Jetons u.a., wenn aus der Provinz Waren nicht in ausreichender Menge in der Hauptstadt angeliefert wurden und unter den Interessenten verlost werden mußten. Die Jetons wurden dann in einem Beutel gemischt, blind gezogen, und mancher Händler ging leer aus.

Hier noch zur Illustration des Revers mit dem Pont Neuf ein zeitgenössisches Gemälde von Raguenet.

Gruß klaupo


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 Betreff des Beitrags: Re: Französische Jetons
BeitragVerfasst: 19. Apr 2012, 21:06 
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klaupo hat geschrieben:
Die Jetons wurden dann in einem Beutel gemischt, blind gezogen, und mancher Händler ging leer aus.



Danke für die ausführliche Vorstellung! - Wie kann man sich das vorstellen? Waren genügend Jetons im Sack, aber mit unterschiedlichen Motiven?


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 Betreff des Beitrags: Re: Französische Jetons
BeitragVerfasst: 20. Apr 2012, 10:11 
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Das Procedere der Verlosung wird leider nicht beschrieben. Es ging in der Regel um Güter der Grundversorgung. Die Waren aus dem Umland wurden zentral auf Handelshöfen angeliefert und dort mit Binnenzöllen belegt und besteuert. Erst dann kam der Händler zum Zuge, der seinen Bedarf an Waren-Einheiten anmeldete - möglicherweise bereits zu diesem Zeitpunkt durch Hinterlegung von abgezählten Jetons, wenn die verfügbaren Mengen geklärt waren. Ich gehe davon aus, daß nicht unbedingt aufwendig gestaltete (und damit teure) neue Jetons zum Einsatz kamen, sondern gebrauchte, deren eine Seite individuell gestaltet war, um sie dem jeweiligen Kaufinteressenten zuordnen zu können. War nicht genügend Ware vorhanden, wurde das Vorhandene gleichmäßig verteilt, die Restmenge mit Hilfe der nicht einlösbaren Jetons verlost. Die Händler waren ja in der Regel in Gilden organisiert, die ihr eigenes Reglement hatten. Dazu gehörten möglicherweise auch Preisabsprachen, denn von einer Abgabe nach Höchstgebot ist mir nichts bekannt. Das sind zugegebenermaßen recht vage Überlegungen, die auf spärlichen Informationen fußen, aber mehr als den Auszug (s. unten) habe ich leider nicht zu bieten.

Gruß klaupo


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 Betreff des Beitrags: Re: Französische Jetons
BeitragVerfasst: 26. Jun 2012, 21:50 
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Nachdem hier bereits Richelieu auf einem Jeton als Steuermann des Staatsschiffs vorgestellt und auch Louis XIV. schon erwähnt wurde, greife ich das Schiffsmotiv noch einmal auf. Diesen Jeton der Finanzkammer habe ich bereits im NF vorgestellt, aber mittlerweile ist mir ein besseres Bild gelungen, ich habe die Übersetzung der Legende korrigieren und eine Referenz hinzufügen können.
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Zitat:
Finanzkammer, Jeton 1713. Av. Kopfbild Louis XIV. mit Allonge-Perücke r., Umschrift LUDOVICUS MAGNUS REX, Signatur des Graveurs TB (Thomas Bernard). Rv. Segelschiff r., Umschrift NON SIBI SERVAT OPES (Nicht für sich selbst verwendet er die Reichtümer), Exergue CHAMBRE AUX / DENIERS / 1713. Silber, 6.1 g, 29 mm. Feuardent 2449.

Die "Reichtümer" verweisen vermutlich auf Güter und Waren, die aus den Kolonien nach Frankreich gelangten. Anders als der schöne Richelieu-Jeton ist dieses Stück ein Original.

Damit komme ich zum zweiten Stück, das ich hier vorstellen möchte - diesmal keinen Jeton, sondern eine imposante Medaille (50 mm, 43,02 g), die mir einiges Kopfzerbrechen bereitet. Thematisiert wurde der Ausgabeanlaß "Cambrai réuni à la couronne" allerdings auch auf einem späteren Jeton, möglicherweise eine Gedenkausgabe auf denselben Anlaß, nämlich die Eroberung von Cambrai - hier vornehmer ausgedrückt als "Angliederung an die Krone".
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Zitat:
Médailles françaises, p. 181, Nr. 424 - Cambrai réuni à la couronne. LVDOVICO VICTORE ET PACIS DATORE (Louis victorieux et donnant la paix). - Buste de Louis XIV, en grande peruque, couronné de lauriers, col nu, draperie sur les épaules, vu de dos, la tête tournée de profile à gauche. Rv. DVLCIVS VIVIMVS (Notre vie est devenue plus douce). - Vue de la ville de Cambrai, du côté de la campagne. Sur unde bande déroulée dans le ciel, le mot CAMBRAY. Module : 50 millimètres.

Ich habe diese französische Beschreibung absichtlich gewählt, denn die Quelle stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und ist für mich nur noch als beschnittener Bildschirmdruck verfügbar (d.h. ich finde sie nicht wieder). van Loon ist - allerdings sehr spät, wie er schreibt - ebenfalls auf diese Medaille aufmerksam geworden. Hier ist seine Referenz - Histoire métallique des XVII provinces des Pays-Bas, Tome troisieme, p.237. La Haye 1732.
Das Jahr für den Ausgabeanlaß ist als Chronogramm in der Reverslegende enthalten. Auffällig ist, daß keine der beiden Quellen einen Medailleur nennt. Meine Vermutung ging daher anfangs auf einen "Refrappe" - einen (allerdings sauberen) jüngeren Guß, denn solche Güsse sind häufig daran erkennbar, daß der Name des Medailleurs entfernt wurde. Einige wenige Details legen die Annahme eines Gusses ebenfalls nah, z.B. die leichten Ausbrüche in den Buchstaben von CAMBRAI im Revers. Was mich irritiert, ist daß genau diese Medaille mit den gleichen Eigenarten sowohl in einer Händlerliste als als auch bei MCSearch (vom selben Anbieter) ohne Hinweis auf einen jüngeren Guß zu finden ist - s. Ausschnitt unten mit einkopiertem Detail. Möglicherweise ist auch das Original ein Guß? Ich kann also nicht verbindlich sagen, ob ich hier ein Original vorgestellt habe ... etwas zum Anschauen ist es allemal.

Gruß klaupo


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 Betreff des Beitrags: Re: Französische Jetons
BeitragVerfasst: 26. Jun 2012, 22:59 
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Ein schönes Rätsel! Bei mir fängt es schon mit der Jahreszahl an. Ich komme - wenn ich die Buchstaben auf der Rückseite zusammenzähle (ohne S) auf 1678. Die Eroberung hat lt. Wiki 1677 stattgefunden. Die Medaille wurde Ludwig XIV. ausdrücklich gewidmet, der Dativ kommt in der frz. Übersetzung nicht so zum Ausdruck(?). Grüße, KarlAntonMartini

PS. Dufour und Mauger waren es nicht.


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 Betreff des Beitrags: Re: Französische Jetons
BeitragVerfasst: 16. Nov 2012, 23:07 
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Die Jetons, die ich diesmal vorstellen möchte, wurden von den Vögten der Kaufleute (frz. Prévôts des marchands) von Paris ausgegeben. Um eine Vorstellung von diesem Amt zu bekommen, muß man ein wenig in die Vergangenheit der Stadt und ihrer Verwaltung zurückblicken.

Ungefähr in der zweiten Hälfte des 11. Jh. benannte der König einen Vogt (franz: Prévôt ) für die Verwaltung der Stadt und der umliegenden Burgvogteien, - eine Art Bürgermeister, der dem König unmittelbar unterstand. Aber schon im 12. Jh. etablierte sich neben diesem Vogt in der Stadt ein weiterer, der von den Bürgern unmittelbar gewählt wurde. Dieser wurde aus der wirtschaftlich herausragenden Gilde der Seineflusshändler gewählt - daher seine Bezeichnung „Vogt der Kaufleute“. Die Seine war seinerzeit der bedeutendste Handelsweg von und nach Paris, und entspechend zeigte das Siegel der Gilde ein Seine-Schiff. Dieses Siegel wurde die Vorlage für das Wappen der Stadt Paris. Die königlichen Lilien wurden erst später zugefügt.

Im Umfeld des Vogts der Kaufleute entwickelte sich bald eine Art Händleraristokratie und eine umfangreiche Administration, aber schon im 15. Jh. wurden er und seine Schöffen bereits aus den Reihen der königlichen Beamten gewählt und nicht mehr aus den Reihen der Kaufleute. Aus diesem Umstand erklären sich die Wappen der Vögte auf den Jetons. Sie spiegeln die letzte Hochphase dieses Amtes. Alle Jetons wurden von Jean Duvivier (1687-1761) gestaltet.
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1740_Paris_Prevot_Aubery_n.jpg
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Zitat:
Jeton 1740, Paris - Prévôts des Marchands, Félix Aubery 1740–1743. Av. Bekröntes Wappen (auf Gold fünf rote Balken) des Félix Aubery, Schildhalter zwei Wilde Männer, DE. LA. PR(évô)TE. DE. M(essi)RE. FEL(ix). AUBERY. M(ar)QUIS. DE. VASTAN. M(ai)TRE. DES. REQ. HON. 1740., Signatur D. V.
Rv. Stadtwappen von Paris in Kartusche, Legende: VILLE DE PARIS, Signatur D. V. Silber, 31,0 mm, 11,15 g, Feuardent 3709, Corre. 190
(Anm. Die Abk. M(ai)TRE. DES. REQ. HON. habe ich nicht sinnvoll auflösen können).

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Zitat:
Jeton 1753, Paris - Prévôts des Marchands, Louis Bazile de Bernage 1743–1758, Av. Bekröntes Wappen des Louis Bazile de Bernage, aufgelegt auf den Orden des Grand-Croix de Saint-Louis mit Band, darauf die Legende LUD. MAG. INSTUT. 1691. Randschrift V PREV(ô)te. DE M(essi)re. LOUIS BAZILE DE BERNAGE CON(seill)er. D'ETAT ORDre.(1753).. ; im Innenkreis Fortsetzung der Randschrift : COMM. GRAND CROIX DE L'ORDRE DE St LOUIS.
Rv. Stadtwappen von Paris in Kartusche, VILLE DE PARIS, Signatur DV. Silber, 31,0 mm, 10,37 g. Feuardent 3722, Corre.463
(Anm. Der Jeton entstand also in der 5. Amtsperiode des Louis Bazile de Bernage).

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1763_Paris_Prevot_de_Pontcarre_n.jpg
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Zitat:
Jeton 1763, Paris - Prévôts des Marchands, Jean-Baptiste Éric Camus de Pontcarré 1758–1764. Av. Bekröntes Wappen (auf Blau in Silber drei Halbmonde um fünfstrahligen Stern) in Kartusche, Schildhalter ein Löwe, darunter ein weiterer Löwe ruhend, Umschrift III. PREV(ô)té. DE M(essi)re. J. B. EL. CAMUS DE PONTCARRE DE VIARME C(onseilleu)r D'Et(at) .
Rv. Bekrönte Stadtgöttin von Paris sitzt rechts, nach rechts weisend, gestützt auf Schild mit Stadtwappen, im Hintergrund die Tuilerien und Notre Dame. VILLE DE PARIS, Signatur J. DU VIV. Exergue Girlande und Lilie. Silber, 31,0 mm, 10,20 g. Feuardent 3732, Corre 1065,
(Anm. Der Jeton entstand also in der 3. Amtsperiode des Jean-Baptiste Éric Camus de Pontcarré)


Der letzte Vertreter dieses Amtes war Jacques de Flesselles. Er hatte beide Ämter - die des Vorstehers der Kaufleute und des Stadtoberhauptes von Paris - auf sich vereinigt. Nach der Erstürmung der Bastille am 14. Juli 1789 wurde er inmitten einer aufgebrachte Menge von einem Unbekannten erschossen und geköpft. Damit gehörte der letzte Prévôt neben dem Kommandanten der Bastille zu den ersten adeligen Opfern der französischen Revolution.

Gruß klaupo


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 Betreff des Beitrags: Re: Französische Jetons
BeitragVerfasst: 17. Nov 2012, 11:32 
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Wieder sehr schöne Stücke! Zu Felix Aubery de Va(s)tan habe ich noch beizutragen, daß er sich 1740 gegen den Anführer der Hafenkaufleute durchsetzte, die vermutlich aus spekulativen Gründen kaum Getreide in die Stadt brachten und so eine Hungersnot bei den Armen beförderten. Es kam zu Revolten, die die Herrschaft Ludwig des XV. bedrohten. Aubery verhängte zunächst eine Strafe von 10.000 Livres gegen Jean Delu, den Anführer der Hafenmafia und setzte dann Prämien aus für Getreide, das über die Mindestverpflichtung hinaus geliefert wurde. Er verstarb am 20.6.1743 mit 52 Jahren.

Vor seiner Berufung zum Kaufmanns-Vogt bekleidete er das Amt eines Maitre des requetes, das waren die obersten Regierungsbeamten. Die Abkürzung interpretiere ich deshalb als Maitre des Requetes honoraire.

(Ich bitte das Weglassen der Accents etc zu entschuldigen.)

Grüße, KarlAntonMartini


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 Betreff des Beitrags: Re: Französische Jetons
BeitragVerfasst: 19. Nov 2012, 22:00 
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KarlAntonMartini hat geschrieben:
Wieder sehr schöne Stücke! Zu Felix Aubery de Va(s)tan habe ich noch beizutragen, daß er sich 1740 gegen den Anführer der Hafenkaufleute durchsetzte, die vermutlich aus spekulativen Gründen kaum Getreide in die Stadt brachten und so eine Hungersnot bei den Armen beförderten. Es kam zu Revolten, die die Herrschaft Ludwig des XV. bedrohten. Aubery verhängte zunächst eine Strafe von 10.000 Livres gegen Jean Delu, den Anführer der Hafenmafia und setzte dann Prämien aus für Getreide, das über die Mindestverpflichtung hinaus geliefert wurde. Er verstarb am 20.6.1743 mit 52 Jahren.

Vor seiner Berufung zum Kaufmanns-Vogt bekleidete er das Amt eines Maitre des requetes, das waren die obersten Regierungsbeamten. Die Abkürzung interpretiere ich deshalb als Maitre des Requetes honoraire.

(Ich bitte das Weglassen der Accents etc zu entschuldigen.)

Grüße, KarlAntonMartini


Übrigens gab es solche Spekulationen mit Lebensmittel auch im antiken Athen (und nicht nur dort), es sind schöne Gesetzestexte und Strafen überliefert.
http://books.google.de/books?id=be1Vv5C ... CDEQ6AEwAA
http://www.uni-koeln.de/phil-fak/ifa/zp ... 132097.pdf

Gruß Chippi

_________________
Wurzel hat geschrieben:
@ Chippi: Wirklich gute Arbeit! Hiermit wirst du zum Byzantiner ehrenhalber ernannt! ;-)

Münz-Goofy hat geschrieben:
Hallo Chippi, wenn du... kannst, wirst Du zusätzlich zum "Ottomanen ehrenhalber" ernannt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Französische Jetons
BeitragVerfasst: 26. Nov 2012, 22:06 
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Zunächst einmal ein spätes "Danke!" für die biographische Anmerkung zu Aubery de Vastan und die Auflösung des Titels. Beides habe ich meinen Notizen angefügt.

Der Jeton, den ich diesmal vorstellen möchte, paßt so gar nicht in die Reihe, die ich bisher gezeigt habe. Als Teil eines Lots fristete er in meiner Sammlung lange ein Schattendasein, da ich ihn lediglich für einen - allerdings recht hübschen - Werbe-Jeton der Schuhindustrie hielt. Bei cbg.fr wurde ich eines besseren belehrt.
Dateianhang:
1870_St_Crepin_Chaussures_n.jpg
1870_St_Crepin_Chaussures_n.jpg [ 99.19 KiB | 2805-mal betrachtet ]

Zitat:
LA COMMUNE Type Dupré au module de 5 centimes 1870 - R2
Av. REPUBLIQUE FRANÇAISE. Tête de la République aux cheveux longs à gauche, drapée et coiffée d'un bonnet phrygien ; sans signature Dupré. (Kopf der Republik mit langem Haar, drapiert und mit phrygischer Mütze bedeckt nach l., ohne Signatur Dupré).
Rv. LE ST CREPIN CANON OFFERT PAR L’INDUSTRIE EN CHAUSSURES 1870. (Anm. Das Regelwerk von St. Crépin, vorgelegt von der Schuhindustrie 1870) dans une couronne fermée composée de deux branches de chêne opposées nouées à leur base par un ruban. (Eichenkranz aus zwei Zweigen, zusammengehalten durch ein Band)
Commentaire: C’est certainement la matrice originale de Dupré qui a été utilisée. Nous n’avons trouvé aucune information concernant ce canon.

Das Stück wird also der kurzlebigen Pariser Kommune zugewiesen und als selten angesprochen. Interessant ist zunächst, daß für das Avers nach Ansicht von cbg.fr der Originalstempel von Dupré verwendet wurde. Ein originales Vergleichsstück s. hier . Die Legende im Revers blieb aber vorläufig rätselhaft - auch cbg.fr bietet keine Erklärung. Nachdem ich St. Crépin zunächst für einen Ortsnamen gehalten hatte, fand ich heraus, daß es sich um St. Crispin, den Schutzpatron der Lederhandwerker, handelte. Das führte auch nicht weiter, denn einen "Canon" (eine Art Regelwerk) von ihm konnte ich nicht finden. Die (vermutliche!) Lösung des Rätsels lag weit ab - in Kanada!

Dort hatte die "Société des chevaliers de Saint Crépin" - eine Art Gewerkschaft - ihren Sitz im frankokanadischen Montreal. Diese hatte einen Katalog von Forderungen an die Unternehmer der lederverarbeitenden Industrie zusammengestellt. Um der zunehmenden industriellen Fertigung und damit dem Einsatz unqualifizierter Arbeitskräfte in den Fabriken entgegenzuwirken forderte sie u.a., ausschließlich qualifizierte Schumacher aus den Reihen der Gewerkschaft zu beschäftigen und zum anderen eine Rücknahme der Lohnsenkungen sowie eine Anhebung der Löhne, um den Anstieg der Lebenshaltungskosten auszugleichen. ( nach Jean Claude Dupont u.a. Les Métiers du cuir. 1981, p. 293 f.) Es war der imgrunde aussichtslose Kampf der kleinen Handwerker gegen die Industrialisierung, wie wir ihn in Deutschland und anderweitig z. B. von den Webern kennen und der in Frankreich mit der Pariser Kommune seinen Höhepunkt erreichte.

Ein Rätsel bleibt dennoch. Bei genauem Hinsehen erkennt man, daß das Avers mit einem Gegenstempel versehen wurde. Deutlich erkennbar ist DOU, eher geraten BLE. Das Stück war dazu anscheinend in einen Schraubstock gespannt worden (Zähnung im Avers bei 4h und 10h). Für diese Markierung habe ich nur die vage Erklärung, daß es vielleicht tatsächlich als Zahlungsmittel Verwendung fand (als 5 Centimes) und dieser Wert aus mir unbekannten Gründen verdoppelt wurde. Das bleibt aber reine Spekulation!

Gruß klaupo


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