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BeitragVerfasst: 5. Nov 2009, 12:04 
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k&k Hoflieferant, Professor
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Hallo Sammelfreunde, gestern Abend noch mit Passmarken beschäftigt, wußte ich noch nicht, daß ich heute eine sensationelle Neuentdeckung in den Händen halten werde. Eine Gefangenenmarke aus Deutsch-Südwestafrika in Kupfer! Doch zunächst kurz einige Erklärungen. Wer das Büchlein von Gordon McGregor, "Die Kriegsgefangenenmarken von Deutsch-Südwestafrika" kennt, weiß über die Materie Bescheid. Anfang 1906, nachdem wieder halbwegs Ruhe nach den Aufständen im Schutzgebiet eingekehrt war, begann man die Kriegsgefangenen genau zu registrieren. Es erhielten dazu die Bezirksämter Windhuk, Okahandja, Karibib, Omaruru, Swakopmund u. Lüderitzbucht insgesamt 23 000 Gefangenenmarken zugewiesen. Die Marken wurden für männliche Gefangene aus Messing (von reichlich vorhandenen abgefeuerten Granathülsen), für weibliche Gefangene aus Weißblech (Zink) hergestellt. Der Kriegsgefangenenstatus wurde endgültig am 1.4.1908 aufgehoben. Alle Eingeborenen konnten in ihre Heimatdörfer oder zu ihren früheren Arbeitsstellen zurückkehren. Die Akten darüber sind erhalten und beweisen, daß die Behauptung der "zehntausenden in Swakopmund unter mysteriösen Umständen umgekommenen Herero" eine neue Geschichtsfälschung ist. Zudem war ein Drittel der Gefangenen Nama und nicht Herero.
Es ist zu vermuten, daß die Masse der Gefangenenmarken eingeschmolzen wurde. Sie sind außerordentliche Raritäten, es sind nur etwa 10 Gefangenenmarken aus Messing bekannt. Von den Marken aus Zink wurden bis heute keine gefunden. Das kann daran liegen, daß Zink im Boden nicht über diese lange Zeit erhalten blieb. Heute konnte ich eine Gefangenenmarke begutachten, die tatsächlich aus Kupfer ist und dem Bezirksamt Okahandja zugeordnet wurde. Es ist die erste Marke aus Kupfer, die jemals aufgetaucht ist und unzweifelhaft echt. Nach über 100 Jahren eine sensationelle Neuentdeckung.

Gruß, Südwester


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Dateikommentar: Gefangenenmarke Okahandja aus Kupfer, Rückseite
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Dateikommentar: Gefangenenmarke Okahandja Nr. 7091 aus Kupfer, Gewicht 16,5 Gramm, Durchmesser 45mm
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Dateikommentar: Gefangenenmarke Omaruru Nr. 13319 aus Messing, Gewicht 15 Gramm, Durchmesser 45mm
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Dateikommentar: Gefangenenmarke Swakopmund Nr. 17450 aus Messing, Gewicht 15 Gramm, Durchmesser 45mm
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BeitragVerfasst: 5. Nov 2009, 18:53 
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Hallo Südwester!

Danke für die interessante Geschichte. Wo wurden die Marken getragen?

Klosterschüler

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BeitragVerfasst: 5. Nov 2009, 20:20 
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k&k Hoflieferant, Professor
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Klosterschueler hat geschrieben:
Hallo Südwester!

Danke für die interessante Geschichte. Wo wurden die Marken getragen?

Klosterschüler


Guten Abend Klosterschüler,

getragen wurden die Gefangenenmarken mit einer Lederschnur um den Hals.

Gruß, Südwester

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BeitragVerfasst: 7. Nov 2009, 12:17 
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k&k Hoflieferant, Professor

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Danke fürs Vorstellen!


Wie kann man denn die Marken den einzelnen KGL zuordnen?

Anhand der Nummernkreise?


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BeitragVerfasst: 10. Nov 2009, 06:45 
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k&k Hoflieferant, Professor
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coin-catcher hat geschrieben:
Danke fürs Vorstellen!


Wie kann man denn die Marken den einzelnen KGL zuordnen?

Anhand der Nummernkreise?


Guten Morgen Nils,

in dem "Werk" von G. McGregor ist die Aufschlüsselung abgedruckt. Danach haben die Bezirks- und Distriktsämter folgende Nummern der Gefangenenmarken erhalten (zur Erinnerung: gelb = Männer, weiß = Frauen):

Etappenkommandantur Windhuk gelb 1 - 3000, weiß 3001 - 6000
Etappenkommandantur Okahandja gelb 6001 - 8000, weiß 8001 - 10000
Etappenkommandantur Karibib gelb 10001 - 11000, weiß 11001 - 12000
Militärbahn gelb 12001 - 12500, weiß 12501 - 13000
Etappenkommandantur Omaruru gelb 13001 - 15000, weiß 15001 - 17000
Etappenkommandantur Swakopmund gelb 17001 - 18000, weiß 18001 - 19000
Etappenkommandantur Lüderitzbucht gelb 19001 - 21000, weiß 21001 - 23000.

Das heißt nicht, daß diese Marken alle ausgegeben wurden. Da keine Marken nachbestellt wurden, war die Schätzung der Gefangenenzahlen seitens des Gouvernements zu hoch. Anhand der vorhandenen Akten im Staatsarchiv in Windhuk ist es mit viel Mühe sogar möglich, einzelne Namen den Marken zuzuordnen. Mir sind bis jetzt nur Marken von Okahandja, Omaruru und Swakopmund bekannt. Die Marken sind generell extrem selten, der aktuelle Marktpreis liegt um die 500 Euro, bei einem derartigen Angebot sollte man sofort zuschlagen, also den Schiurlaub im Allgäu absagen.

Gruß,
Südwester

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 Betreff des Beitrags: 2 Gefangenenmarken aus Swakopmund
BeitragVerfasst: 28. Feb 2010, 14:13 
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k&k Hoflieferant, Professor
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Zwei weitere Gefangenenmarken können aus Swakopmund nachgemeldet werden:

Nr. 17129 u. 17262. Beide Marken wurden an Gefangene in Swakopmund ausgegeben.
Auf dem sehr seltenen Foto aus dem Swakopmunder Lager sind deutlich die Gefangenenmarken zu sehen. Das mittlere halbwüchsige Mädchen und der Junge (oder auch Mädchen) links daneben sind eindeutig Namas (Hottentotten), die beiden Jungs rechts vermutlich Hereros. Deutlich ist das bisher nicht bekannte Querformat zu sehen. So hell wie die Marken sind, ist es wahrscheinlich Weissmetall (also Weibermarken). Wurden diese auch an Kinder ausgegeben? Messing oder Kupfer kann es nicht sein, denn diese Metalle bekommen in der aggressiven Swakopmunder Salzluft und durch den Körperschweiß in wenigen Stunden einen dunklen Oxydüberzug.

Ein Gruß zum Sonntag

Südwester


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Dateikommentar: Swakopmunder Gefangenenlager, Sammlg. Dotzauer
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Dateikommentar: Gefangenenmarke 17129, Sammlg. B., Swkpd.
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Dateikommentar: Gefangenenmarke 17262, Sammlg. B., Swkpd.
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BeitragVerfasst: 3. Mär 2017, 09:45 
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Hallo,

nach 7 Wochen frisch aus Namibia zurück möchte ich von meinen vielen Funden auch eine in Omaruru gefundene Gefangenenmarke vorstellen.

Dieses Mal besuchte ich mehrere Gefechtsfelder des Herero-Aufstandes.

Die Marke ist aus Messing, Durchmesser knapp 45 mm.

Im Heimatmuseum haben sie dort auch noch zwei Marken, falls Interesse stelle ich die Fotos auch noch ein.

Gruß v. arche-foto


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BeitragVerfasst: 4. Mär 2017, 10:03 
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Glückwunsch zum neuen Token! Interesse ist immer da. Nur zu mit den Bildern von den Marken aus dem Museum.

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BeitragVerfasst: 4. Mär 2017, 10:12 
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Hier also die Marken im Omaruruer Heimatmuseum. Eine wurde weiter verwendet und eingeschlagen ist:

Frans Haagen
1931


Grössere Auflösung siehe hier:

http://www.kolonialgeschichte.de/forum/ ... 3c28#p1611


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Dateikommentar: Gefangenenmarken im Museum Omaruru, VS
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dswa_gefangenenmarke_omaruru_aa.jpg [ 77.41 KiB | 290-mal betrachtet ]
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BeitragVerfasst: 4. Mär 2017, 17:03 
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Vielen Dank!

Bei dem Link zur Kolonialgeschichte sehe ich keine Bilder. Da muss man sich wohl erst anmelden.

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