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 Betreff des Beitrags: Re: Glücks-Token
BeitragVerfasst: 11. Aug 2019, 15:35 
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Wirklicher Hofrat
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Hier mal wieder ein Token, der seinerzeit zwei Motive aus der ferneren und jüngeren Vergangenheit Großbritanniens zusammengeführt hat.

Dateianhang:
1795_Kent_Deptford_n.jpg
1795_Kent_Deptford_n.jpg [ 106.29 KiB | 4824-mal betrachtet ]

Zitat:
Kent - Deptford Halfpenny Conder Token 1795 (Cu, 8,95 g, 29 mm), D&H #13
Av. Wilhelm der Eroberer zu Pferd steht drei bewaffneten Kriegern aus Kent gegenüber. KENTISH LIBERTY PRESERVED BY VIRTUE & COURAGE (Kents Freiheit durch Mut und Tapferkeit bewahrt). Exergue: 1067.
Rv. Heck eines mit Kanonen bestückten Kriegsschiffs namens "ROYAL GEORGE". PROSPERITY TO THE WOODEN WALLS OF OLD ENGLAND (Wohlergehen für die hölzernen Mauern von Old England). Exergue: KENT HALFPENNY / 1795 / (Initialen) TDH.
Rand: PAYABLE AT THO'S HAYCRAFTS DEPTFORD.

Das Avers greift eine Überlieferung auf, der zufolge Männer aus Kent nach der Schlacht von Hastings Wilhelm dem Eroberer den Durchzug durch Ost-Kent verweigerten, bis dieser ihnen die Wahrung ihrer alten Rechte und Privilegien zusicherte. Ein Gedicht - "Men of Kent & Kentish Men" – hat diese Situation thematisiert. Vollständig nachzulesen hier:

https://www.kfhs.org.uk/kent-history

Etwas schwieriger ist zu klären, um welches Schiff es sich im Revers des Tokens handelt, obwohl der Name "Royal George" eindeutig zu lesen ist. Es gab nämlich seinerzeit im Laufe der Jahrzehnte mehrere Schiffe der britischen Marine, die diesen Namen trugen. Numista verweist auf das damals größte Kriegsschiff der Welt – vom Stapel gelaufen 1756 und 1782 bei Wartungsarbeiten vor Portsmouth mit 800 Menschen an Bord gesunken. Aufgrund dieser Katastrophe halte ich die Zuweisung für fraglich und tendiere eher zu einem jüngeren Linienschiff gleichen Namens, das 1788 vom Stapel lief und 1794 als Flaggschiff in der 4. Seeschlacht bei Ushant gegen die französische Revolutionsflotte im Einsatz war. An diese Schlacht wird in England als ruhmreiches Ereignis unter dem Namen "Glorious First oft June" auch auf anderen Token erinnert, obwohl es eigentlich keinen Sieger gegeben hatte. Die Erinnerung an eine Katastrophe erscheint mir dagegen eher unwahrscheinlich.

Bleibt noch zu erwähnen, daß der Herausgeber des Token -Thomas Haycraft – in Deptford als Eisenwarenhändler (Ironmonger) tätig war und daß Dalton & Hamer dem Token ein RR beigegeben haben sollen (was ich bezweifle, da er doch recht häufig angeboten wird).

Gruß klaupo


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 Betreff des Beitrags: Re: Glücks-Token
BeitragVerfasst: 14. Aug 2019, 19:47 
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Ich sehe es auch so, daß da die Royal George von 1788 gemeint war. Schönes Exemplar, die Stempel waren schon etwas gebraucht, über den Ohren des Pferdes zeigt sich ein Stempelbruch. - Mein D&H hat für die Nr. 13 (Kent) ein common. Grüße, KarlAntonMartini


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 Betreff des Beitrags: Re: Glücks-Token
BeitragVerfasst: 25. Sep 2019, 19:05 
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Wirklicher Hofrat
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Pferdegespanne wurden in diesem Thread (s. Seite 13) bereits vorgestellt, aber die dienten in erster Linie dem Post- oder Personenverkehr. Hier folgt nun ein Penny-Token mit einem weiteren Gespann – diesmal für den Warentransport.

Dateianhang:
1800-ND_Michell_Caravan_Token_W-830_n.jpg
1800-ND_Michell_Caravan_Token_W-830_n.jpg [ 109.01 KiB | 4340-mal betrachtet ]

Zitat:
Middlesex - John Mihell's London copper penny token, undated. Av. Siebenzeilige Legende: “MIHELL'S ORIGINAL CARAVAN OFFICE No. 15 LITTLE COMPTON STREET SOHO LONDON”. Rv: Planwagen von zwei Pferden gezogen nach links. Legende: “PRO BONO PUBLICO - ESTABLISHED 1800”. Rand geriffelt. 16,9 g, 35 mm. Withers 830.

John Mihell war Getreidehändler in London. Die bedauerliche Lochung zeigt, daß der Token anscheinend schon von einem früheren Besitzer geschätzt wurde. Mich stört sie nicht, da der Token mit zwei Euro sicher nicht überbezahlt war. Einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul ... zumal er im Davis nicht gelistet ist und Withers ihm ein “RARE” zugewiesen hat.

Gruß klaupo


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 Betreff des Beitrags: Re: Glücks-Token
BeitragVerfasst: 25. Sep 2019, 19:54 
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Ein schönes Stück! Vielen Dank fürs Zeigen!

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 Betreff des Beitrags: Re: Glücks-Token
BeitragVerfasst: 3. Okt 2019, 23:01 
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Interessant finde ich die Darstellung des Planwagens und daß die zwei Pferde hintereinander angeschirrt waren. Das Loch würde mich auch nicht stören. Grüße, KarlAntonMartini


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 Betreff des Beitrags: Re: Glücks-Token
BeitragVerfasst: 8. Jan 2020, 15:57 
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Die folgende Serie mag nicht unbedingt zu den klassischen Token gehören, die hier bereits vorgestellt wurden. Einige Typen daraus dienten jedoch zeitweilig wohl als Geldersatz. Der folgende Beitrag wurde textlich überwiegend unter Federführung von @KarlAntonMartini von mir für die Numispedia erstellt, die gegenwärtig (und nach meiner Einschätzung für geraume Zeit, wenn überhaupt) im Netz nicht mehr erreichbar ist.

Der Model Penny ist das Ergebnis eines Versuchs aus den 40-er Jahren des 19. Jh., die schweren britischen Kupfermünzen durch gleiche Nominale in kleinerem Format zu ersetzen. Die ersten Muster fertigte Joseph Moore (1816 - 1892), ein bekannter Graveur und Medaillenschneider aus Birmingham, im Jahr 1844. Nachdem diese Muster vom Staat abgelehnt worden waren, ging Moore im Jahr 1848 dazu über, diverse Nominale vom 1/32 Farthing bis zur Crown als Models zu produzieren, einige davon in hohen Auflagen bis zu 10.000 Stück, wohingegen ein Vorkommen des 1/32 Farthing bisher in keiner Sammlung nachgewiesen ist. Die hier vorgestellten Teilstücke des Farthing haben einen Durchmesser von 7 mm (1/16 Farthing) respektive 10 mm (¼ Farthing)

Die Models von 1848 waren vermutlich zur Verwendung als Spielgeld oder Counter gedacht. Sie fanden jedoch in der Bevölkerung so großen Anklang, daß die Royal Mint ihnen öffentlich ihren Status als gesetzliches Zahlungsmittel aberkennen mußte. Häufigstes Nominal war der Model Penny.

Dateianhang:
1848_Model-Penny_Formatvergleich_n.jpg
1848_Model-Penny_Formatvergleich_n.jpg [ 108.54 KiB | 2754-mal betrachtet ]

Der Model Penny ist eine Bimetall-Münze. Der Ring mit einem Außendurchmesser von 22,5 mm besteht aus Kupfer (Cu) und zeigt beidseitig die Legende ONE PENNY MODEL (es sind Varianten bekannt). Die Pille besteht mehrheitlich aus Nickel-Zink (Ni-Zn), selten aus Messing (Me) und zeigt im Avers das jugendliche Portrait der Königin Victoria mit der Legende VICTORIA REG sowie im Revers die Ziffer 1. Oft sind auf dem Model Penny Stempelrisse zu erkennen.

Neben dem Model Penny ist der nächsthäufige Typ der Model Halfpenny. Der Ring mit einem Außendurchmesser von 19,5 mm besteht ebenfalls aus Kupfer (Cu) und zeigt beidseitig die Legende HALFPENNY MODEL (auch hier sind Varianten bekannt). Die Pille besteht ebenfalls mehrheitlich aus Nickel-Zink (Ni-Zn), selten aus Messing (Me) und zeigt im Avers das jugendliche Portrait der Königin Victoria mit der abgekürzten Legende V R sowie im Revers die Ziffer 1/2. Der Model Halfpenny ist um einiges seltener als der Model Penny.

Beide Typen sind interessante Belege für Bimetall-Prägungen des 19. Jh. und relativ häufig. Anscheinend dienten einige von ihnen auch als Betätigungsfeld für kreative Zeitgenossen.

Dateianhang:
1848-ND_Model_Penny_Engraved_n.jpg
1848-ND_Model_Penny_Engraved_n.jpg [ 93.45 KiB | 2754-mal betrachtet ]

Zur Illustrierung der Größenverhältnisse habe ich die Models maßstabsgerecht mit einem regulären zeitgenössischen Penny (34 mm) arrangiert.

Gruß klaupo


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 Betreff des Beitrags: Re: Glücks-Token
BeitragVerfasst: 21. Jan 2020, 16:17 
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Mitunter macht auch ein falscher Token glücklich. Das Original dieses Stücks gibt es vielleicht fünf Mal und es erzielt Preise im deutlich fünfstelligen Bereich. Der Zehner für diese Fälschung/Nachprägung ist trotzdem gut angelegt, denn das Stück hat eine interessante Geschichte, in Kürze: Philip Parry Price war ein Mediziner in Philadelphia, es gibt von ihm einige Druckschriften zu medizinischen Themen. Um 1790 ging er zurück nach England, erbte etwas und verlängerte seinen Namen um "Myddelton". Er verfiel auf das Projekt, eine Siedlung in Kentucky zu gründen und dafür englische Landwirte und Facharbeiter anzuwenden. Vermutlich zur Werbung für diese Idee bestellte er bei Watt&Boulton in deren Soho-Werken in Birmingham Token. Die Stempel fertigte C.H. Küchler. Die Vorderseite zeigt eine weibliche Figur (Allegorie der Hoffnung), die zwei Kinder einer anderen Frauensperson (Allegorie der Freiheit) zuführt. Auf der Rückseite sieht man eine geschlagene Britannia. Dargestellt ist damit der Sieg der freien und hoffnungsschwangeren Kolonien über das Mutterland, dessen Kinder nun nach Kentucky auswandern sollten. Geprägt wurden nur 53 Exemplare in Silber und ein halbes Dutzend Stücke in Kupfer, alle in Proof-Qualität. Myddelton konnte aber seine Rechnung nicht bezahlen und so kamen 46 der silbernen Stücke zurück zu Soho, wo sie dann peu á peu an Sammler verkauft wurden. Myddelton hatte nicht berücksichtigt, daß die Briten die USA immer noch als Feindesland sahen und die Werbung für Auswanderung dorthin seit 1783 strikt verboten war. Bis 1799 mußte Myddelton seine Strafe im Newgate-Prison absitzen, er hatte kein Geld um die 500 Pfund hohe alternative Geldstrafe zu bezahlen. Unter diesen Umständen schien es Watt und Boulton ratsam, den Token nicht weiter herzustellen, nur der Vorderseitenstempel wurde für eine Stempelkopplung verwendet, die hier andere Seite wies das Stück als Half Penny der Copper Company of Upper Canada aus (KM Tn 86). Auch dieser Token kam über einige Probeabschläge nicht hinaus. - Natürlich kann man aktuell Nachprägungen des Myddelton-Tokens kaufen, in Proof und ordentlich als COPY gekennzeichnet. Dazu gehört mein Stück aber nicht. Meine leise Hoffnung ist, daß es sich hier um einen späten Abschlag von korrodierten Originalstempeln handelt, die wie viele andere aus Soho um 1850 von W. J. Taylor hergestellt wurden. Oder ist es doch ein Guß? Grüße, KarlAntonMartini


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 Betreff des Beitrags: Re: Glücks-Token
BeitragVerfasst: 22. Jan 2020, 18:10 
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Noch ein hoffentlich besseres Bild. Der exakt kreisrunde Schrötling spricht für eine Prägung im Collar. Aber ich bin mir nicht sicher, ob es nicht trotzdem ein Guß ist. Wenn geprägt, dann von ziemlich rostigen Stempeln. Grüße, KarlAntonMartini


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Kentucky(2).jpg
Kentucky(2).jpg [ 117.5 KiB | 2551-mal betrachtet ]
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 Betreff des Beitrags: Re: Glücks-Token
BeitragVerfasst: 12. Feb 2020, 15:10 
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Heute war in der Post ein hübsch erhaltener Token von 1792 aus Yarmouth. Das Münzbild ist nicht so spannend, ein Dreimaster (Yarmouth war Haupthafen der Nordseeflotte) und das Stadtwappen, drei Löwen mit Fischschwänzen (Yarmouth lebte sehr vom Heringsfang). Die kleine Punze rechts vom Wappen findet sich auf beinah allen dieser Token, Bedeutung unbekannt. Die Randschrift aber machts: PAYABLE AT THE GLASS WAREHOUSE OF W. ABSOLON. - DH Norfolk 52
Dieser William Absolon jr. (1751-1815) handelte mit Glasartikeln, darunter so außergewöhnlich schöne wie diese: https://www.artfund.org/supporting-muse ... f-yarmouth
Die Gläser sind so alt wie der Token.
Ein originales Glas von Absolon kostet heute schon mal 3.000 Euro, gut, daß ich nur Token sammle: https://www.bonhams.com/auctions/12085/lot/717/
Von Absolon gibt es auch Papiergeld, hier zu 2 Pence: https://www.spink.com/lot/120501453
Grüße, KarlAntonMartini


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