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 Betreff des Beitrags: Re: Französische Jetons
BeitragVerfasst: 25. Nov 2017, 21:29 
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Die beiden folgenden Jetons des Dekanats der medizinischen Fakultät Paris weisen einige Besonderheiten auf. Beide Stücke sind vermutlich Anfertigungen im Sammlerauftrag, d.h. nicht gekennzeichnete Abschläge (Refrappes) von den Originalstempeln. Das obere Stück ist zudem ein Hybride (Zwitter, engl. Mule), d.h. eine Stempelkopplung von zwei verschiedenen Jetons, deren Originale in diesem Fall nicht einmal im selben Jahr geprägt wurden. Man erkennt im Revers dieses Stücks, daß im Exergue das Prägejahr (im Original 1725) getilgt wurde. Als Refrappe ist es leicht zu erkennen, da es sich um eine Kehrprägung handelt. Das untere Stück weist die übliche französische Wendeprägung auf, ist bei Feuardent gelistet und daher nicht eindeutig als Refrappe anzusprechen.

Dateianhang:
1731-1754_Baron_Kehr-_und_Wendeprägung_n.jpg
1731-1754_Baron_Kehr-_und_Wendeprägung_n.jpg [ 115.67 KiB | 52-mal betrachtet ]

Zitat:
Oben: Faculté de médecine de Paris, Hyacinthe-Theodore Baron, père (1686 - 1758), Doyen 1731 / 1732. Av. Buste à droite. Insc. H. T. BARON F. M. P. DECANUS 1731 32. Signé JCR (Roettiers). Feuardent 4564. Rev. États de Bourgogne, La majorité du roi. (Burgund, Die Oberhoheit des Königs) Jeton 1725. Soleil au-dessus d'un cadran solaire (Sonne über Sonnenuhr). Insc. REGIT ME ET DIRIGIT ORBEM. (Sie herrscht über mich und lenkt den Erdkreis) Exergue: 1725. AR. Feuardent 9836 (Cu). 9,41g, 29,5 mm. Hybride.
Original für das Avers s. hier.
Original für das Revers s. hier.
Unten: Faculté de Médecine de Paris. Hyacinthe-Theodore Baron, fils (1707-1787), Doyen 1751-1754. Av. Son buste à droite, signé D.V. (Du Vivier) HY . THEOD . BARON . DECANUS. Rv. URBI . ET . ORBI. SALUS. (Der Stadt und dem Erdkreis Gesundheit) Armes de la faculté. Les trois cigognes. (Wappen der Fakultät mit den drei Störchen) À l'exergue FACULT . MEDIC . PARIS . 1754. 7,35 g, 28,5 mm. Feuardent 4613 AR8.
Original s. hier

Die französischen Beschreibungen sind für beide Jetons fehlerhaft. Dargestellt sind zwei Personen (Baron pater 1730 - 1734, Baron filius 1750 - 1754). Ihre Amtsperioden werden jedoch beide dem Senior zugeordnet. Ich habe meine Beschreibungen daher erweitert, indem ich das verwandtschaftliche Verhältnis und die Lebensdaten zugefügt habe. Andernfalls hätte der Eindruck entstehen können, der Junior habe bereits im zarten Alter von drei Jahren seit 1710 den Arztberuf ausgeübt, und das ist doch recht unwahrscheinlich.

Beide Barons kamen aus einer Familie, aus der über einen Zeitraum von ca. 150 Jahren immer wieder Ärzte hervorgegangen waren. Der jüngere Baron war als Arzt bei mehreren Feldzügen im Einsatz gewesen, ehe er an die Universität wechselte. Er hinterließ u.a. einen mehrbändigen chronologischen Katalog, welcher alle Pariser Ärzte seit dem 13. Jh. erfaßte.

Dem älteren Baron gelang während seiner Amtszeit ein wegweisende Reform der medizinischen Fakultät. Dazu muß man wissen, daß zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Medizin als Arzneimittel-Heilkunde studiert und praktiziert wurde. Daneben gab es separat die Chirurgie, die den operativen Bereich für sich in Anspruch nahm. Die beiden Berufszweige standen in erbitterter Konkurrenz zueinander - den Medizinern wurde der Zugriff auf das erforderliche Arbeitsmaterial - Leichen für die Sektion - verwehrt. Baron hob diese Trennung auf, indem er den Studiengang Anatomie mit abschließendem Examen in das Studium der Medizin einfügte. Als Studienmaterial dienten damals Gehenkte, auch Diebstähle auf Friedhöfen waren üblich. Eine Zeitlang überfielen die Studenten auch Leichenzüge der jüdischen Gemeinden. Diese fanden jedoch bald einen einfachen Weg, um die Diebstähle zu unterbinden: Sie verlegten ihre Leichenzüge in die frühen Morgenstunden, denn da pflegten die Studenten noch zu schlafen.

Auf diese Reform des älteren Baron wurde ebenfalls ein Jeton verausgabt. Der Club français de la médaille ließ diesen Jeton 1981 bei der Monnaie de Paris nachprägen. Er zeigt im Revers rechts eine Amputation, links eine Obduktion mit dem Wappenschild der Fakultät im Vordergrund.

Dateianhang:
1733-34_Baron_Refrappe_1981_F-4568_n.jpg
1733-34_Baron_Refrappe_1981_F-4568_n.jpg [ 110.05 KiB | 52-mal betrachtet ]

Die Grafik ist entnommen dem Bulletin numéro 70/71 - Premier trimestre 1981, p. 131 des Clubs.

Gruß klaupo


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