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Kuschan
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Autor:  otakar [ 25. Mär 2013, 21:25 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Kuschan

Also Chippi, da gibt es eine Bucht, in der es so manches anschwemmt; man muss nur oft genug danach suchen. Ich danke für die aufmunternden Worte. Leider ist nicht alles, was ich aus dem indisch-griechischen Raum aufgefischt habe, von so guter Qualität. Ich stelle Euch hier noch einige Kushan-Exemplare vor. Ich habe schon einmal eine Tetradrachme von Vima Takto gezeigt. Nun habe ich ein noch schöneres Exemplar ersteigert, das auf beiden Seiten das Tamgha des Herrschers zeigt. Auch eine Drachme Vima Taktos kann ich Euch zeigen, sie ist aber nicht so schön. Die Tamghas sind bis Huvishka auf fast allen Münzen vertreten und man kann die Münzen daher leicht ihren Herrschern zuordnen. Die Tetradrachme von Vasu Deva zeigt das gleiche Motiv wie der Goldstater. Auch den Windgott Oado habe ich inzwischen mehrmals in meiner Münzlade. Hier eine Tetradrachme von Kanishka. Aus der Spätzeit der Kushans stammt der Stater von Kipanada. Man merkt hier schon den Niedergang des Reiches an der schlechteren Münzqualität. Kipanada war eigentlich nur mehr ein geduldeter Vasalle der Sassaniden. Leider ist die Münze etwas poliert, daher spiegelt sie stark und ist schwer zu fotografieren.
OTAKAR

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Kushan Vasudeva I. Tetradrachme.jpg
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Autor:  klaupo [ 19. Nov 2014, 15:33 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Kuschan

Nach langer Pause bei den Kushan knüpfe ich hier mal an den Kipanada-Stater (nach ca. 365 AD) von @otakar an, da in meiner Sammlung ein ähnliches Stück von einem seiner Vorgänger liegt.

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300-330_AV_dinar_Shaka_n.jpg
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Zitat:
Kushan - Shaka ca. 300 - 330 AD
AV Stater (Dinar) ND Av. König mit nimbierter Krone steht links, hält in der Rechten eine bebänderte Standarte und opfert an einem Altar, darüber ein Dreizack, Brahmi Schriftzeichen unter dem rechten Arm,"Shaka" im rechten Feld. Rv. Diademierte Göttin Ardoxsho thront frontal, hält einen geflochtenen Krönungskranz und ein Füllhorn, links oben die Tamgha. 7,71 g, 20 x 19 mm. Göbl 589 (579?), MAC -

Eine kurze Anm. sei gestattet: Ich habe die Beschreibung ins Deutsche übertragen, weil ich keine ausführliche Übersetzung gefunden habe. Ob ich den Begriff "filleted investiture garland" mit "geflochtenem Krönungskranz" richtig getroffen habe, weiß ich also nicht. (Im Netz schreibt fast jeder vom anderen ab - ich manchmal auch, aber ich möchte wissen, was ich da abschreibe).

Interessant scheint mir, wie die Nachfolgedynastie der späten Kushan, die Kidariten und ihre Nachfolger, das Motiv "König - Ardoxsho" fortgeführt und nach eigenen Vorstellungen gestaltet haben.
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500_AV_Stater_Kidarite_n.jpg
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Zitat:
Kidara und Nachfolger (Jammu und Kashmir), AV Dinar, Pratapaditya II. (ca. 5.Jh oder später)
Av. Formalisierter stehender Kushan-König, Legende Kidara + Ka. Rv. Semi-realistisches Portrait der throneneden Göttin Ardoxsho, Legende Ka + Sri Pratapa rechts. 7,42 g, 17,5 x 20 mm. Mitch ACW 3645-3647.

Auch wenn es nicht danach aussieht, der Typ ist tatsächlich Gold - allerdings mit sehr stark reduziertem Feingehalt. Spannend finde ich, wie sich das Motiv zum Abstrakten hin entwickelt hat. Man könnte fast auf den Gedanken kommen, daß hier ein Wechsel der künstlerischen Darstellung, wie er z.B. in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts zu beobachten ist, vorweggenommen wurde.

Gruß klaupo

Autor:  helcaraxe [ 24. Dez 2014, 16:35 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Kuschan

Danke fürs Zeigen, von diesem Zweig der antiken Numismatik habe ich ja herzlich wenig Ahnung.

Die Reversdarstellung auf der zweiten Münze erinnert mich allerdings lebhaft an einen Backenzahn - vielleicht hatte der Graveur ja auch Zahnweh! ;-)

Autor:  otakar [ 20. Dez 2015, 22:02 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Kuschan

Hallo Freunde,
ich möchte das Thema noch ein wenig weiter spinnen. Die Kushans wurden im 3. und 4. Jahrhundert langsam von den Sassaniden erobert oder durch dynastische Verbindungen assimiliert, was dazu führte, dass sie zwar formell einen König haben durften, aber der sassanidische Herrscher als "König der Könige innerhalb und außerhalb des Reiches" anerkannt werden musste. Mir ist vor kurzem eine Münze aus dieser Übergangsperiode in die Hände gefallen. Sie zeigt noch den klassischen Kushan-Stil mit Stier und Gottheit auf rv und dem Herrscher auf av, allerdings in einer derben, kriegerischen Pose; sie wird Peroz I. zugeschrieben. In diesem Zusammenhang ist mir ein lesenswerter Artikel über ein Referat an der Haller Münzbörse in die Hände gefallen.
https://www.academia.edu/12095685/Sasan ... S._137_167
Freundliche Grüße!
OTAKAR

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Kushan-Sassaniden Peroz I. Bronze Einheit rv.JPG
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Kushan-Sassaniden Peroz I. Bronze Einheit av.JPG
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Autor:  ischbierra [ 20. Dez 2015, 23:38 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Kuschan

Hallo Otakar,
das ist so eine Münze ganz nach meinem Geschmack. Ungewöhnlich. Nicht die üblichen Römer oder Griechen - die natürlich auch schön sind - sondern Stücke aus den Bereichen wo Kulturen sich begegnen und durchdringen. Baktrien, Westliche Satrapen, Arabobyzantiner sind auch solche interessanten Gebiete. Damit Dein Peroz nicht so allein bleibt, zeige ich noch meinen.
Gruß ischbierra

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260-295 Peroz I., AE-Drachme, Mitch 1275ff (1).JPG
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260-295 Peroz I., AE-Drachme, Mitch 1275ff (2).JPG
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Autor:  KarlAntonMartini [ 21. Dez 2015, 09:40 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Kuschan

Schöne Sachen zeigt Ihr da! Grüße, KarlAntonMartini

Autor:  otakar [ 21. Dez 2015, 21:44 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Kuschan

Lieber ischbierra,
ich danke dir für Deine Ergänzung. Vor allem freut mich das Literaturzitat, das in der Dateibezeichnung versteckt ist. Das hat mir bisher nämlich gefehlt.
Frohe Weihnachten!
OTAKAR

Autor:  klaupo [ 23. Dez 2015, 18:10 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Kuschan

Imitationen haben ihren eigenen Reiz. Ich zeige hier mal zum Vergleich in einem Bild, wie der Elefantenreiter aus der Zeit Huvishkas weiterentwickelt wurde.

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158-292_Huvishka_Evolution_n.jpg
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Links: Kushan – Huvishka ca. 260 - 292 n.Chr., AE Tetradrachme (10,5 g, 24 mm). König reitet auf Elefanten nach rechts / Mithra / Mioro (Sonnengott) steht frontal, Tamgha im Feld. Göbl Kushan 856.
Interessanterweise findet sich bei Zeno ein stempelgleiches Revers.

http://www.zeno.ru/showphoto.php?photo=100214

Rechts oben: Huvishka, ca. 260 - 292 n.Chr. AE (8,26 g. 22,5 mm), Vs.: Elefantenreiter mit eingelegtem Dreizack n. r. Rs.: Mondgöttin Mao mit Kranz in der Rechten. Göbl, Kushan 931. Stil und Gewicht deuten auf eine Imitation vermutlich aus dem Ganges-Tal.

Rechts Mitte: Kushan-Imitation / Bactria. AE Bronze (11,9 g, 26 mm), Mitte 3. Jh., nach Huvishka Typus. Der König n. r. auf Elefant reitend, Dreizack nach vorn haltend. Rv. Die Göttin Mao frontal stehend, im Feld l. Tamgha.. Mitchiner, ANCW vgl. 4662.

Rechts unten: Huvishka Imitation Anonym / Jouan-Jouan, ca. 195-230 AD, AE Bronze, (2,83 g, 21 mm). Elefantenreiter nach links. Rv. König mit Dreizack frontal. Korrupte baktrische Legende. Mitchiner ACW 3378 -3384

Da von den Jouan-Jouan hier noch nicht die Rede war, hier ein kurzer Überblick.

Vom Ende der Regierung Huvishkas ca. 195 AD bis zur Eroberung durch die Sassaniden ca. 230 AD war der Norden Afghanistans (Bactria) vermutlich von nomadisierenden Hunnen besetzt, die von den Chinesen als Jouan-Jouan bezeichnet wurden. Münzen, die diesem Volk zugewiesen werden, sind mehrheitlich kleine leichtgewichtige Kopien der Kupfermünzen Huvishkas mit einem eigenen charakteristischen Münzbild.

Gruß klaupo

Autor:  ischbierra [ 23. Dez 2015, 18:36 ]
Betreff des Beitrags:  Re: Kuschan

Lieber klaupo,
schöne Stücke zeigst Du da. Es ist ja nicht so einfach, ansehnliche Stücke dieser Bronzen zu bekommen.
Euch allen ein frohes Fest.
Gruß ischbierra

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